Fachkräfte brachten den Aufschwung Tourismus in Rhauderfehn ist heute wichtiger Wirtschaftsfaktor
Vor zwölf Jahren entschied die Gemeinde, sich als Urlaubsort besser aufzustellen – mit zwei Fachkräften. Mit Miriam Kulessa geht jetzt geht der zweite Teil des Duos.
Rhauderfehn - In den vergangenen Jahrzehnten hat die Region – abseits der immer schon starken Küstenregion – touristisch enorm zugelegt. Damit sei der Tourismus zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden, betont Kurt Radtke, Geschäftsführer der Touristik GmbH „Südliches Ostfriesland“. In Rhauderfehn kam die Wende vor rund zehn Jahren. „Pionierarbeit“, so Radtke, habe hier das Team Miriam Kulessa und Maike Lindemann – damals Sanders – geleistet. Deren eine Hälfte, Maike Lindemann ist mittlerweile in Moormerland tätig. Miriam Kulessa verlässt Rhauderfehn in diesem Herbst. Sie geht nach Papenburg, wohin sich ihr Lebensmittelpunkt verlagert hat.
„Mutig“ sei Rhauderfehn vor mehr als zehn Jahren gewesen, touristisch im Aufbruch, blickt Kulessa heute zurück: Im Januar 2012 fing sie in der Tourist-Information auf dem Fehn an. Erst kurz zuvor war Maike Lindemann für das Tourismusbüro eingestellt worden. „Die Gemeinde hat zwei Vollzeit-Stellen besetzt, zu einer Zeit, in der andere abgebaut haben“, so Kulessa. Und nicht nur das, wie sich Hartmut Viétor, Hauptamtsleiter in der Verwaltung, erinnert: „Die Gemeinde hat auf zwei Fachleute gesetzt, wo andere nach dem Motto handelten: ,Tourismus kann doch jeder’.“
Immense Steigerung bei Übernachtungen
Es sei eine politische Entscheidung gewesen, verstärkt auf den Tourismus zu setzten und Rhauderfehn als Urlaubsgebiet zu etablieren, so Viétor. Eine Entscheidung, die sich gelohnt hat. Das zeigt sich deutlich bei den Übernachtungszahlen. „Gleich am Anfang hatten wir in Rhauderfehn eine immense Steigerung, die höchste in Ostfriesland“, berichtet Kulessa. In den Jahren 2001 bis 2011 lagen die jährlich immer zwischen etwa 27.500 und 32.300 Übernachtungen. 2012 wurde auf einen Schlag die 40.000er-Marke geknackt. Bis 2019, dem Jahr vor Corona, stiegen die Übernachtungszahlen auf 60.784. Das Corona-Tief sei noch nicht überwunden, sagt Kulessa, aber: So langsam steigen die Zahlen. So wurden 2022 wieder 43.775 Übernachtungen gezählt.
Zwei neue Gesichter in der Tourist-Information Rhauderfehn
Gästezahlen und Umsatz steigen wieder
Urlaub in Ostfriesland sitzt für viele noch drin
Von den Urlaubern profitieren dabei nicht nur die Gastgeber, die Unterkünfte vermieten. „Auch die Geschäfte, bis hin zum Bäcker gegenüber, verdienen daran. Es werden Reinigungskräfte und Handwerker gebraucht, die Zimmer in Ordnung halten oder renovieren: Da hängt indirekt relativ viel dran“, so Kulessa.
183,9 Millionen Euro Umsatz
Für das Feriengebiet Südliches Ostfriesland – ohne Borkum – kann Kurt Radtke Zahlen nennen: 2022, sagt er wurde durch den Tourismus ein Umsatz in Höhe von 183,9 Millionen Euro generiert. „Ohne den sogenannten Sofatourismus, also wenn Menschen hier bei Verwandten oder Freunde übernachten.“ 81,1 Millionen Euro blieben davon in der Gastronomiebranche inklusive Beherbergung, also zum Beispiel Hotels, Restaurants, Ferienwohnungen. Im Handel wurden 65,5 Millionen Euro umgesetzt, und 37,3 Millionen Euro im Handwerk. Rein rechnerisch, sagt er, könnten bei diesem Wert 3770 Personen ihren Lebensunterhalt vom Tourismus bestreiten. Tatsächlich geht es aber natürlich um viel mehr Jobs mit unterschiedlich vielen Arbeitsstunden, die nicht unbedingt das Haupteinkommen bilden.
In Rhauderfehn haben Miriam Kulessa und Maike Lindemann den Standort deutlich nach vorne gebracht, zollt Hartmut Viétor den Erfolgen Anerkennung. „Sie habend den Grundstock gelegt für das, was wir heute präsentieren können.“
Zum Oktober geht nun Miriam Kulessa von Bord. Sie fängt im benachbarten Papenburg bei der LGS gGmbH an, die für das City-Marketing verantwortlich zeichnet. „Ich bleibe also im Bereich Tourismus, aber mit einem etwas anderen Fokus“, sagt sie.