Familienvater wird beschuldigt  Verdacht des schweren sexuellen Missbrauchs in Papenburger Kita

| | 27.06.2023 19:05 Uhr | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Eltern vertrauen darauf, dass ihre Kinder in einer Kita gut aufgehoben sind. Symbolfoto: Pixabay
Eltern vertrauen darauf, dass ihre Kinder in einer Kita gut aufgehoben sind. Symbolfoto: Pixabay
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Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen einen Heilerziehungspfleger eingeleitet. Der Mann soll sechs Mädchen und Jungen im Alter von drei bis vier Jahren sexuell missbraucht haben.

Papenburg - In einer Papenburger Kindertagesstätte sollen sechs Kleinkinder Opfer sexueller Gewalt geworden sein. Die Vorfälle liegen schon mehrere Monate zurück. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat inzwischen gegen einen 34-jährigen Mann ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern eingeleitet.

Die mutmaßlichen Opfer sind Mädchen und Jungen im Alter zwischen drei und vier Jahren. Die Einrichtung hat sich unmittelbar nach Bekanntwerden des Verdachts von dem Heilerziehungspfleger getrennt. Das war Mitte Januar. Der Mann, ein zweifacher Familienvater, befindet sich auf freiem Fuß.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern an

Ob ein Strafverfahren gegen den Beschuldigten aus dem Emsland eröffnet wird, ist offen. „Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern an. Der Ausgang der Verfahren hängt von dem Ergebnis der Gutachten ab.“ Das teilte der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück, Oberstaatsanwalt Dr. Alexander Retemeyer, auf Anfrage mit.

Der Tatnachweis sei wegen des Kleinkindalters der mutmaßlichen Opfer schwierig. Glaubwürdigkeits-Gutachten seien erforderlich. Die sechs Jungen und Mädchen sind inzwischen von einer Strafrichterin in Osnabrück vernommen worden. Solch eine Vernehmung dauert eine Stunde. Die Eltern können sie per Videoschaltung verfolgen.

Das sagt der Vater eines Mädchens

Mitte Januar hatten sich Eltern eines betroffenen Mädchens an die Kita-Leitung gewandt und bei der Polizei in Papenburg Strafanzeige gestellt. Das Mädchen hatte zu Hause von den Übergriffen erzählt. Das Kind habe Fragen gestellt. Diese Fragen ließen nur einen Schluss zu, berichtete der Vater des Mädchens in einem längeren Gespräch dieser Redaktion. Der Beschuldigte soll mit den Kindern immer mal wieder alleine in einem Raum gewesen sein. Nach und nach habe das Mädchen Details erzählt. Die Eltern waren schockiert.

Der Tatverdächtige soll dem Mädchen auch gesagt haben, sie sei nicht die einzige, dabei habe er weitere Namen von Jungen und Mädchen aus der Kita genannt und das Mädchen ermahnt, sie dürfe niemanden etwas davon erzählen. „Unsere Tochter behält aber keine Geheimnisse für sich“, berichtet der Vater. So sei die Sache am 14. Januar aufgeflogen und der Fall ins Rollen gekommen. „Das lässt einen nicht mehr los“, sagte der Vater. „Da gibst du dein Kind in solch eine Einrichtung und dann geschieht so etwas. Es ist nicht mehr das Kind, das du vorher hattest. Kein Mensch kann sich vorstellen, was das mit Kindern macht.“ Der Vater ist überzeugt, dass die Zahl der Opfer in der Kindertagesstätte noch größer ist. „Viele Eltern gehen jedoch nicht zur Polizei“, sagt er.

Träger setzte den mutmaßlichen Täter außer Dienst

Der katholische Kirchengemeindeverband Kindertagesstätten Papenburg als Träger der Einrichtung hatte sofort nach Bekanntwerden der Vorwürfe reagiert. Nachdem die Vorwürfe gegenüber dem Heilerziehungspfleger bekannt geworden seien, sei dieser außer Dienst genommen worden und sei nicht mehr in der Kita tätig. Das hatte der Kirchengemeindeverband dieser Redaktion mitgeteilt.

Das bestätigte auch die kirchliche Aufsichtsbehörde dieser Einrichtung, das Bistum Osnabrück. Auf Anfrage äußerte sich Christina Jaax, Leiterin der Abteilung Kirchengemeinden im Bistum Osnabrück, schriftlich: „Dem Bistum Osnabrück als kirchlicher Aufsichtsbehörde sind die Vorwürfe gegen einen ehemaligen Mitarbeiter der katholischen Kita in Papenburg bekannt. Grundsätzlich greift in Fällen des Verdachts des Kindesmissbrauchs im Betrieb einer Kindertagesstätte ein nach § 8a SGB VIII vorgeschriebenes Verfahren, das die sofortige Meldung an die zuständigen Behörden, nämlich Jugendamt, Landesschulbehörde und auch Polizei/Staatsanwaltschaft vorsieht.“

Eltern wurde Unterstützung angeboten

Dieses Verfahren sei unter Beteiligung des Bistums unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe in der Kita umgesetzt worden. „Der beschuldigte Kita-Mitarbeiter wurde unverzüglich aus dem Dienst genommen, die Eltern von der Kita informiert. Die polizeilichen Ermittlungen laufen. Das Bistum steht im fortgesetzten Austausch sowohl mit den Verantwortlichen vor Ort als auch mit dem zuständigen Landesamt für Schule und Bildung“, so Christina Jaax.

Mit der Information zum vorliegenden Verdachtsfall seien allen Eltern in der Kita persönliche Gespräche und auch professionelle psychologische Unterstützung angeboten worden. „Diese Angebote sollten auf Anraten der Polizei allerdings erst dann in Anspruch genommen werden, wenn die Anhörung der Kinder im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen stattgefunden hat“, teilte Jaax mit.

Das Bistum geht davon aus, dass sich die Kita-Leitung korrekt verhalten hat. Eltern der mutmaßlich missbrauchten Kinder hatten personelle Konsequenzen gefordert. Dafür sieht das Bistum aber keinen Anlass. „Uns ist bewusst, dass die Vorkommnisse zuallererst für die betroffenen Eltern und Kinder eine enorme Belastung darstellen. Aber auch die weiterhin in der Kita oder beim Träger tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind erschüttert“, so Jaax. „Die erfolgten Prüfungen sowohl durch das Bistum als auch durch die Fachberatung des Caritasverbandes und durch die staatliche Landesschulbehörde haben keine Anhaltspunkte ergeben, die auf ein Fehlverhalten der Kita-Leitung oder des Kita-Trägers schließen lassen. Die Landesschulbehörde als staatliche Aufsichtsbehörde für den Betrieb von Kindertagesstätten hat den bisherigen Umgang des Trägers mit den Vorkommnissen vielmehr positiv bewertet. Dementsprechend sieht auch das Bistum keinen Anlass für arbeitsrechtliche Sanktionen gegen die Verantwortlichen vor Ort.“

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