Radfahren in Rhauderfehn Politik gegen Umwandlung von Parkfläche in Fahrradstreifen
Die Parkplätze am Untenende in Westrhauderfehn sollen erhalten bleiben. Das war Tenor im zuständigen Ausschuss. Weil die Fahrbahnsanierung verschoben wird, ist der Entscheidungsdruck kleiner geworden.
Rhauderfehn – Werden die Parkstreifen entlang der Bundesstraße 438 am Untenende in Westrhauderfehn in Radwege umgewandelt? Die Diskussion ist entbrannt, weil dies im Radverkehrskonzept der Gemeinde Rhauderfehn empfohlen wird. Zusätzlich zeitlicher Entscheidungsdruck wurde aufgebaut, weil die Fahrbahn auf der Nordseite in der zweiten Hälfte dieses Jahres erneuert werden soll. In diesem Zuge soll vorab geklärt werden, was die Gemeinde mit den sogenannten Multifunktionsflächen vorhat. Diese Entscheidung erwarte die zuständige Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, sagte Bauamtsleiter Michael Taaks von der Gemeinde Rhauderfehn. Dabei geht es um die Frage, wer die Kosten trägt.
Am Dienstagabend befasste sich im Rathaus die Politik mit dem Thema. Im zuständigen Ausschuss für Tiefbau und Verkehr gab es keine Entscheidung, aber eine rege Diskussion und eine klare Botschaft: Die Parkstreifen sollen erhalten bleiben, zudem soll eine Arbeitsgruppe sich mit dem Thema befassen und ein Konzept für den Radverkehr erarbeiten. Die Sitzung wurde von rund 40 Zuhörern besucht. Überwiegend waren es Anlieger und Geschäftsleute vom Untenende. Sie setzen sich dafür ein, die Parkstreifen zu erhalten.
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Fahrbahnsanierung wird verschoben
Sofern es zeitlichen Druck gab, ist nun etwas Dampf aus dem Kessel. Denn am Mittwoch teilte der für die B 438 zuständige Geschäftsbereich Aurich der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr auf Anfrage dieser Redaktion mit, dass die Fahrbahnsanierung verschoben wird. „Eine bauliche Realisierung dieser Maßnahme ist in diesem Jahr nicht mehr vorgesehen“, sagte Yasin Kilic, stellvertretender Leiter der Behörde. Gründe dafür nannte er nicht.
In der Sitzung hatte Bürgermeister Geert Müller betont, die Behörde erwarte eine Entscheidung der Gemeinde. Der Multifunktionsstreifen, der jetzt überwiegend als Parkfläche genutzt wird, gehört rein rechtlich zur Fahrbahn. Wird er künftig weiter als Parkfläche genutzt, müsse die Gemeinde die Kosten dafür übernehmen. Darum stelle sich die Frage: „Was wollen wir?
Klare Botschaft aus der Politik
Den Vorschlag aus dem Radverkehrskonzept halte die Verwaltungsspitze als nicht zielführend, sagte Müller. Darum solle die Politik darüber diskutieren und entscheiden. Eine Entscheidung gab es nicht, aber klare Meinungen: Das Untenende sei ein Nadelöhr, sagte Friedhelm Nehuis (parteilos) von der Mehrheitsfraktion Ampel+. Es solle jetzt keinen Schnellschuss geben. „Wir sollten alle Gedanken, die auf dem Tisch liegen, berücksichtigen: Was kann man Zukunftsfähiges realisieren?“
Dieser Meinung ist auch seine Fraktionskollegin Margarete Niemann (SPD): „Wir sind ganz am Anfang der Diskussion. Wir sollten ans Eingemachte gehen und eine Arbeitsgruppe bilden.“
„Parkstreifen erhalten“
Sehr deutlich wurde Andreas Meinders (Moin): „Wir müssen in Gesamtheit denken. Auch wenn wir eine Entscheidung verschieben, aber die Leute sind heute hier, sie dürfen eine Stellungnahme erwarten: Die Wegnahme des Parkstreifens geht für mich gar nicht.“
Ein Fahrradweg schaffe eine Scheinsicherheit, meinte Martin Steenhoff (CDU). „Die CDU schließt sich den Worten von Andreas Meinders an. Den Parkstreifen wegzunehmen ist ein No-Go“, so Steenhoff und fügte hinzu: „Alles andere, was man besprechen kann, ist das gesamte Umfeld. Wir müssen nicht nur am Untenende etwas ändern, sondern müssen auch die Straßen um das Untenende so schaffen, dass der Fahrradfahrer dort gerne fährt.“
Anlieger und Geschäftsleute erleichtert
Dass nun eine Arbeitsgruppe gebildet wird, neun Mitglieder kommen aus der Politik, neun von Geschäftsleuten und Anwohnern, begrüßten die besorgten Anlieger. Sibo Müller, der am Untenende als Augenoptiker und Hörakustiker in fünfter Generation selbstständig ist, sagte nach der Sitzung: „Wir sind sehr glücklich darüber, dass es so friedlich und kooperativ gelaufen ist. Es macht Spaß, da mitwirken zu dürfen.“