Radfahren in Rhauderfehn Geschäftsleute halten Parkstreifen am Untenende für unverzichtbar
Das Radverkehrskonzept der Gemeinde Rhauderfehn empfiehlt, am Untenende statt der Parkstreifen Radwege anzulegen. Doch die Anlieger wollen die Halte-Zone behalten.
Rhauderfehn - Rhauderfehn -Der Rat der Gemeinde Rhauderfehn denkt darüber nach, die Parkstreifen zu beiden Seiten des Rhauderfehner Untenendes zugunsten ausgewiesener Radwege zu entfernen. Das wird im Radverkehrskonzept der Gemeinde empfohlen. Am kommenden Dienstag, 13. Juni, steht das Thema auf der Tagesordnung des Ausschusses für Tiefbau und Verkehr. Der tagt ab 19 Uhr im Rathaus. Dabei geht es um eine ergebnisoffene Diskussion ohne Beschlussvorschlag, die der „politischen Willensbildung“ diene. So steht es in der Vorlage.
Vorab haben sich jetzt Anwohner und Geschäftsleute des Untenendes getroffen. Sie sind in einer WhatsApp-Gruppe vernetzt, der etwa 30 Leute angehören. Denn die Kaufleute machen sich Sorgen: Wenn die Parkstreifen wegfallen und ihre Kundschaft nicht mehr vor den Läden parken kann, könnte das mittelfristig zur Vernichtung ihrer Existenzgrundlage führen, befürchten sie. Deshalb möchten sie jetzt, während das Thema noch in den kommunalpolitischen Gremien diskutiert wird, ihre Bedenken dort rechtzeitig zu Gehör bringen.
Radeln statt parken am Untenende?
Wohn- und Geschäftsgebäude am Rhauderfehner Untenende wird saniert
Politik gegen Umwandlung von Parkfläche in Fahrradstreifen
Diskussion um Sicherheit für Radfahrer am Untenende
Gruppe im Austausch mit Ratsfraktionen
Es war eine überschaubare Runde, die sich am Donnerstagabend im Jugendcafé der Gemeinde am Markt traf, um sich auszutauschen und ein gemeinsames Konzept auf den Weg zu bringen, um den Wegfall der Parkstreifen zu verhindern.
Knapp ein Dutzend Leute hatten sich eingefunden. Sibo Müller, der als Augenoptiker und Hörgeräteakustiker seinen Geschäftssitz am Untenende hat, erläuterte der Runde, welche Alternativen er sich vorstellt, um Gefahrensituationen für Radfahrer am Untenende zu mindern, ohne die Parkstreifen aufzugeben. Mit der Gruppe Ampel+ im Rat habe er bereits gesprochen, berichtete Müller. „Die wollen wirklich was bewegen – aber auch nichts kaputtmachen“. Mit den übrigen Ratsfraktionen treffe er sich am Freitag.
Alternativstrecken als Königsweg
Müller ist der Meinung, viele Anlieger am Untenende hätten vernünftige Ideen, wie man die Verkehrssituation entzerren könnte, weil sie den Handlungsbedarf täglich vor ihrer Haustür erleben. Einig waren sich alle darin, dass mehr Rücksichtnahme eine Option für alle Verkehrsteilnehmer sei, auch für E-Bike-Fahrer, die häufig flott und in Gruppen auf dem Untenende unterwegs seien. Müllers vorgeschlagener Königsweg wären Bypässe für den Radverkehr, also Alternativstrecken, parallel zum Untenende. Dass das nicht einfach werde in der Umsetzung, ist ihm bewusst: „Radfahrer sind wie Wasser - sie suchen sich immer den kürzesten Weg.“
Für Tempo 30 plädierte Buchhändlerin Helga Kruse. Dessen Einhaltung müsste dann allerdings von der Polizei auch kontrolliert werden. Auch eine bessere Ausschilderung oder eine Skulptur aus bunten Rädern, wie sie an der Landesstraße 21 bei Potshausen auf den fehlenden Radweg hinweist, käme infrage. Auch Ampeln oder Zebrastreifen seien eine Möglichkeit.
Geschäfte auf Be- und Entladezonen angewiesen
Einig war sich die Gruppe, dass auf jeden Fall etwas getan werden müsse. „Wir brauchen eine Situation, die erlaubt, Fehler zu machen, ohne dass gleich Gefahr besteht, totgefahren zu werden“, stellte Müller fest. Doch Parkstreifen halten die Anlieger für unverzichtbar. Ohne Parkmöglichkeiten grenze man ältere und behinderte Menschen aus, gab Wolf Neumeier zu bedenken, der am Untenende eine Kleintierpraxis betreibt. Insa Thoben vom Geschäft „Die Floristen“ führte aus, dass sie und andere Geschäftsleute auf Be- und Entladezonen angewiesen seien. „Ich kann meine Ware nicht vom Marktplatz ins Geschäft tragen.“ Dazu nickte Frauke Eilers von „Zweirad Teutenberg“. Und ohne Parkstreifen könne auch ein Rettungswagen nicht mehr einfach halten.
Nun fiebern alle Betroffenen dem Verkehrsausschuss entgegen. Bis dahin wollen sie ihre guten Ideen zusammengefasst haben, um sie dort zu präsentieren– und das als möglichst große Gruppe, damit der Politik die Berechtigung und Dringlichkeit ihres Anliegens deutlich wird.