Tierschutz im Kreis Cloppenburg  Erweiterung des Tierheims bleibt ein Problem

| | 06.06.2023 17:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die beiden Katzen, die Tierheimleiterin Franka Thun hier auf dem Arm hat, sind zwei von derzeit 60 Katzen, die im Tierheim untergebracht sind. Hinzu kommen ein Dutzend Hunde, ein Kaninchen, das gerade geworfen hat, sowie fünf Farbratten. Foto: Fertig
Die beiden Katzen, die Tierheimleiterin Franka Thun hier auf dem Arm hat, sind zwei von derzeit 60 Katzen, die im Tierheim untergebracht sind. Hinzu kommen ein Dutzend Hunde, ein Kaninchen, das gerade geworfen hat, sowie fünf Farbratten. Foto: Fertig
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Die Öffentlichkeitsarbeit beim Tierschutz Friesoythe läuft, wie der Tag der offenen Tür im Tierheim Sedelsberg zeigt. Doch bei dessen notwendiger Sanierung besteht weiterhin Klärungsbedarf.

Sedelsberg - Sehr gut angenommen wurde der Tag der offenen Tür, den der Tierschutzverein Friesoythe am Sonntag beim Tierheim in Sedelsberg veranstaltete. Vereinsvorsitzende Monika Böker berichtete von gutem Zuspruch und netten Begegnungen.

Monika Böker (vierte von links) mit ehrenamtlichen Katzenkuschlerinnen und anderen Helfern des Tierschutzvereins. Fotos: Kathrin Wienberg/privat
Monika Böker (vierte von links) mit ehrenamtlichen Katzenkuschlerinnen und anderen Helfern des Tierschutzvereins. Fotos: Kathrin Wienberg/privat

Der Tierschutzverein veranstaltete eine Tombola und einen Flohmarkt, die Jugendgruppe stellte ihre Aufgaben vor, der Verein „Little Soul‘s home“ bot Kinderschminken an. Die Gruppe Pettrailer Nordwest aus Friesoythe war mit einem Stand vertreten. Die Rettungshundestaffel Edewecht machte Vorführungen. Für vegane Leckereien vom Grill sorgte die Gruppe „Vegans for future“ aus Oldenburg.

Auch kulinarischkam niemand zu kurz: Vegans for future aus Oldenburg boten Leckereien an.
Auch kulinarischkam niemand zu kurz: Vegans for future aus Oldenburg boten Leckereien an.

Vertreter von Kreis oder Kommune waren vom Vorstand nicht eingeladen worden, Kreisveterinär Dr. Karl-Wilhelm Paschertz war allerdings als Gast zugegen.

Umbaupläne liegen auf Eis

Bei aller gelungenen Öffentlichkeitsarbeit weiterhin ungeklärt ist die Frage, wann und wo eine Sanierung und Erweiterung des Tierheims erfolgen wird. Das empfindet sowohl Tierheimleiterin Franka Thun als unbefriedigend wie auch der Vorstand des Friesoyther Tierschutzvereins. „Momentan tut sich nichts“, sagte Thun am Rand der Veranstaltung. Gemeinsam sei man Mitte Mai zu einem Gespräch im Kreishaus gewesen, an dem auch die Architektin und die Veterinäre des Landkreises dabei waren.

Es war viel los beim Tag der offenen Tür am Sonntag in Sedelsberg.
Es war viel los beim Tag der offenen Tür am Sonntag in Sedelsberg.

„Die Pläne stehen - aber der Standort ist fraglich“, fasst Thun das Resultat zusammen. Es bestehe weiterhin Klärungsbedarf. „Es stockt leider immer noch“, bestätigt Monika Böker. Zwar liefen im Hintergrund Gespräche, doch die Problematik werde in allen Stadt- und Gemeinderäten thematisiert. Bis das abgeschlossen sei, gehe Zeit ins Land.

„Wir würden auch umziehen“, macht die Tierschutzvereinsvorsitzende deutlich. Obwohl der Vereinssitz sich in Friesoythe, und damit im Nordkreis befinde, sei der Verein offen, wenn eine der 13 Kommunen im Kreisgebiet ein geeignetes Grundstück für diesen Zweck zur Verfügung stelle. Aus dieser Bereitschaft habe der Verein auch nie einen Hehl gemacht.

Bebauungsplan lässt Erweiterung nicht zu

Das Tierheim, das als Anlaufstelle für Fundtiere im gesamten Landkreis Cloppenburg dient, ist seit 1992 in einem ehemaligen Bauernhof an der Friesoyther Straße im Saterländer Ortsteil Sedelsberg untergebracht. Grundstück und Gebäude gehören dem Landkreis Cloppenburg und werden dem Tierschutzverein kostenfrei zur Verfügung gestellt. Um die Gebäude zu erweitern und auf den heutigen Standard tierschutzgerechter Unterbringung zu bringen, benötigt der Landkreis Flächen, die der Bauleitplanung der Gemeinde Saterland unterliegen. Um die Pläne der Architektin umzusetzen, wäre eine Befreiung nötig.

Das Tierheim, das in einem ehemaligen Bauernhof am Rand von Sedelsberg untergebracht ist, muss dringend erweitert und modernisiert werden. Wegen der bestehenden Bauleitplanung ist am aktuellen Standort eine Erweiterung schwierig. Foto: Fertig
Das Tierheim, das in einem ehemaligen Bauernhof am Rand von Sedelsberg untergebracht ist, muss dringend erweitert und modernisiert werden. Wegen der bestehenden Bauleitplanung ist am aktuellen Standort eine Erweiterung schwierig. Foto: Fertig

Das Tierheimareal liegt im Verbandsgebiet des Zweckverbandes Interkommunaler Industriepark Küstenkanal, dem C-Port. Die Einrichtung befindet sich in einem Bereich, der als eingeschränktes Gewerbegebiet ausgewiesen ist. Gepuffert durch ein Regenrückhaltebecken schließen sich Naturschutzflächen an. Nach einer Klausurtagung aller 13 Kommunen im Kreis und der Kreisverwaltung zu Jahresbeginn stellte der Saterländer Bürgermeister Thomas Otto anschließend fest, dass der Bebauungsplan an dieser Stelle zwar einen zeitgemäßen Neubau nicht ausschließe, jedoch flächenmäßig kaum eine Ausdehnung vorsehe. Zu diesem Sachstand „liegen keine neuen Erkenntnisse vor“, teilte Otto im Mai mit.

Andere Kommunen bieten kein geeignetes Areal an

„Derzeit laufen weiterhin noch die Abstimmungen mit den Städten und Gemeinden, somit auch entsprechende Gespräche mit der Gemeinde Saterland, über den Neubau des Tierheims, die Standortfrage und die Finanzierung“, teilte dazu Kreissprecher Frank Beumker mit.

An zahlreichen Ständen konnte man sich über Hilfe für Tiere informieren.
An zahlreichen Ständen konnte man sich über Hilfe für Tiere informieren.

„Die große Mehrheit unserer 13 Städte und Gemeinden übt keinerlei Kritik am bisherigen Standort in Sedelsberg“, so der Kreissprecher. Außerdem sei dem Kreis „ein geeignetes alternatives Grundstück, welches vom Standort zentraler im Kreisgebiet gelegen ist, von den Städten und Gemeinden bislang nicht angeboten.“

Kreis agiert hier lediglich als Dienstleister

Aus Sicht der Kreisverwaltung sei es unstrittig, dass Fundtiere, vor allem Katzen, auch deshalb weiter zunehmen werden, „weil die Städte und Gemeinde bei Kontrollen zur Einhaltung der Katzenkastrationsverordnung Optimierungspotential haben“.

Der Kreissprecher wies noch einmal darauf hin, dass der Landkreis nach geltender Rechtslage in Sachen Tierheim lediglich Dienstleister sei. Für die Versorgung von Fundtieren sind Städte und Gemeinden zuständig. „Der Landkreis selbst benötigt kein Tierheim, wohl aber die Städte und Gemeinden, wenn Sie die Aufnahme und Versorgung von Fundtieren nicht vor Ort in eigener Regie tierschutzgerecht organisieren möchten“, betonte Beumker. Auf Wunsch der Städte und Gemeinden habe sich der Landkreis deshalb bereit erklärt, die Planung für den notwendigen Ausbau und die Sanierung des vorhandenen Tierheims in Sedelsberg zu übernehmen.

Kreisverwaltung denkt über kommunale Lösungen nach

Jede Kommune benötige aber ein tierschutzgerechtes Konzept, wenn das Tierheim die Fundtieraufnahme nicht mehr realisieren kann. Der Landkreis Cloppenburg beabsichtige gegebenenfalls, seine Städte und Gemeinden aufzufordern, eigenständig nach dem Tierschutzgesetz entsprechende Voraussetzungen zu schaffen, um unabhängig von den Kapazitäten des Tierheims in Sedelsberg der Pflicht zur Aufnahme von Fundtieren nachkommen zu können. Diese Maßnahmen müssten dann auch vom Veterinäramt kontrolliert werden. „Aus Sicht des Landkreises sollte daher möglichst bald eine Lösung gefunden werden“, so Beumker.

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