Moobil+ im Saterland Bürgermeister Otto und Ramsloher Taxi-Unternehmer für Alternative zum Anrufbus
Im Saterland wird das das kreisweite Rufbussystem Moobil+ lediglich von fünf, sechs Kunden am Tag genutzt. Die Verwaltung möchte deshalb aus der Finanzierung aussteigen und ein anderes System testen.
Saterland/Landkreis Cloppenburg - Saterland/Landkreis Cloppenburg – Kaum Fahrgäste, geringe Einnahmen, mehr als 10.000 Kilometer Leerfahrten, hohe Kosten: Im Saterland fährt der Bus auf der Linie M01 des kreisweiten Rufbussystems moobil+ zwar tagsüber im Zwei-Stunden-Takt von Sedelsberg über Scharrel und Ramsloh bis nach Strücklingen und von dort sogar in den Landkreis Leer bis zum Bahnhof nach Westrhauderfehn. Doch Fahrgäste sitzen kaum in dem Fahrzeug. In den vergangenen 54 Wochen waren es im Schnitt 28 in der Woche, oder umgerechnet 5 bis 6 Kunden am Tag. Aus dem Grund steht zumindest in der Gemeinde Saterland die weitere finanzielle Beteiligung an dem Rufbussystem moobil+ nach 2021 erneut auf dem Prüfstand.
„Der Einsatz der gemeindlichen Mittel könnte alternativ auch durch die eigene Beauftragung und Bezuschussung anderer Fahrdienstanbieter, wie zum Beispiel Taxiunternehmen wirtschaftlicher und ökologischer erfolgen“, ist Bürgermeister Thomas Otto (parteilos) überzeugt.
Andre Stoppelmann, Taxiunternehmer aus Ramsloh, hat dazu auch ein Alternativangebot ausgearbeitet. Das wollte der Unternehmer auf Einladung von Thomas Otto kürzlich im Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Verkehrswesen, Fremdenverkehr, Digitalisierung vorstellen. Doch in der Sitzung gab es nicht die erforderliche Dreiviertel-Mehrheit, um Stoppelmann zu Wort kommen zu lassen. Die Mehrheitsfraktion, die Gruppe CDU/FDP, verweigerte die Zustimmung. Sie möchte lieber eine interfraktionelle Informationsveranstaltung, also hinter verschlossenen Türen. Bürgermeister Otto zog daraufhin die Beschlussvorlage zurück.
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„Tatsächlich war ich als Experte zum Thema Mobilität eingeladen, wurde aber dann doch überraschenderweise durch den Mehrheitsbeschluss abgelehnt“, sagte Andre Stoppelmann im Gespräch mit dieser Redaktion. Stoppelmann ist Inhaber von Taxi Saterland. „Kurz zusammengefasst kann ich sagen, dass unbestritten das örtliche Nahverkehrsangebot im Saterland stark ausbaufähig und meiner Meinung nach dafür aber moobil+ das falsche System ist“, so Stoppelmann und weiter: „Dies haben die ersten drei Jahre der Erprobungsphase klar gezeigt. Es wurde neben dem Linienverkehr und dem Taxiwesen als Ergänzung des ÖPNV unnötigerweise eine zusätzliche dritte Mobilitätsform geschaffen, die aber nicht den eigentlichen Bedürfnissen der Bevölkerung entspricht. Dieser Bedarf kann durch die ursprünglich vorhandenen Mobilitätsanbieter effizienter, kundenorientierter und flexibler abgebildet werden.“ Stoppelmann will seine Vorstellung in der interfraktionellen Sitzung gerne vorstellen.
In der nun von Otto zurückgezogenen Beschlussvorlage heißt es: „Die Gemeinde Saterland beteiligt sich daher nicht weiter an den Betriebskosten einer möglicherweise über die am 31.03.2024 endende Probephase des Rufbussystems moobil+“ hinausgehenden Verstetigung dieses Mobilitätsangebotes. Zur Stärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) soll ein alternatives Mobilitätsmodell ausgearbeitet werden, dass den gesetzlich geschützten Taxiverkehr einbezieht und auch den vorhandenen Bedarf an innerörtlichen oder begrenzt regionalen „Tür zu Tür“ Verbindungen gerecht wird.“
Corona erschwerte vergangene Probebetriebe
Das Rufbussystem „moobil+“ soll im Oldenburger Münsterland den Öffentlichen Personennahverkehr stärken. In den Landkreisen Vechta und Cloppenburg startet im Juni 2020 ein zunächst auf zwei Jahre angelegter Probebetrieb. Bereits 2021 wurde Probephase vorzeitig bis 2024 verlängert. Wegen der Corona-Pandemie seien die Fahrgastzahlen nicht aussagekräftig, so die Argumentation. Nun soll die Testphase erst 2029 enden, mit der Option auf eine weitere fünfjährige Verlängerung. Das ist der Wunsch des Landkreises. Doch noch haben nicht alle an der Finanzierung beteiligten 13 Städte und Gemeinden zugestimmt. Vor allem im Saterland gibt es Bedenken. Erst 2021 hatte der Rat mit knapper Mehrheit einer Verlängerung des Probebetriebs zugestimmt, entgegen der Empfehlung des zuständigen Fachausschusses.
Die 13 Städte und Gemeinden im Landkreis Cloppenburg beteiligen sich finanziell mit einem jährlichen Zuschuss von insgesamt 617.239,69 Euro an dem Probebetrieb. Davon trägt die Gemeinde Saterland einen Anteil von 51.782 Euro. Insgesamt sind im Landkreis 2,9 Millionen Euro pro Jahr für die Finanzierung vorgesehen.
Geringe Auslastung im Saterland
Anhand der Fahrgastzahlen lasse sich belegen, dass das Angebot von etlichen Einwohnerinnen und Einwohnern der anderen kreisangehörigen Kommunen im Landkreis gut und deutlich besser als in der Gemeinde Saterland angenommen werde, so Otto. In der zurückgezogenen Beschlussvorlage heißt es unter anderem zu den Fahrgastzahlen und Einnahmen: Vom 1. April 2022 bis zum 31. März 2023 seien auf der Linie M01 Einnahmen in Höhe von 1.432,01 Euro erzielt worden. Weiter heißt es: „Die gefahrenen Kilometer summieren sich in diesem Zeitraum laut Mitteilung des Landkreises Cloppenburg auf 82.808 Kilometer, wobei hiervon 10.688 Kilometer Leerfahrten waren. Rechnerisch ergibt sich hier der wohl sehr theoretische Wert von fast 50 Kilometer pro Fahrgast (wobei die Leerfahrten schon ausgeklammert sind). Wenn man annimmt, dass nur jede 10. dieser Fahrten mit mindestens zwei Fahrgästen durchgeführt wurde, erhöht sich diese durchschnittliche Strecke auf über 55 Kilometer. Bereits im ersten Fall würde dies in der Theorie bedeuten, dass jeder Fahrgast jeweils durchgängig von Sedelsberg bis Westrhauderfehn und direkt zurückgefahren wären. Allein diese Vorstellung erscheint ökonomisch und auch ökologisch wenig sinnhaft. Trotz Nachfrage beim Landkreis Cloppenburg zu diesen offensichtlich unrichtigen Werten wurde bisher keine Erklärung dazu übermittelt.“
Auch auf Anfrage dieser Redaktion beantwortete die Kreisverwaltung keine Fragen zu dem Thema. Unbestritten ist, so Otto, dass das örtliche Nahverkehrsangebot im Saterland stark ausbaufähig ist. Das Rufbussystem „moobil+“, als reiner innerörtlicher Zubringer zu den Liniendiensten und mit dem begrenzten Haltestellenangebot gehe jedoch am Bedarf der Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde vorbei.