Tafel-Helfer verunglückt  Abschied von einem, der „immer alles gegeben hat“

| | 08.04.2023 12:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
So kannten ihn Kollegen, Kunden und Partner der Tafel: Konrad Janßen packte für den guten Zweck immer kräftig mit an. Foto: Archiv
So kannten ihn Kollegen, Kunden und Partner der Tafel: Konrad Janßen packte für den guten Zweck immer kräftig mit an. Foto: Archiv
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Am Montag kam der Rhauderfehner Konrad Janßen bei der ehrenamtlichen Arbeit zu Tode. Seine Kollegen von der Tafel beschreiben den 64-Jährigen in berührenden Worten.

Rhauderfehn - „Wir sind fassungslos, geschockt und können es noch nicht realisieren, dass Konni nie wieder zu seiner ,Tafelfamilie’ heimkehrt“, fasst Tafel-Chef Egon Plaisier die Gefühle zusammen, die die Ehrenamtler der Rhauderfehner Einrichtung seit Beginn der Woche mit sich herumtragen. „Konni hat immer alles gegeben – auf seiner letzten Tour, in Ausübung seiner ehrenamtlichen Tätigkeit, sogar sein Leben.“ Am Montag, 3. April, ist Konrad Janßen bei der ehrenamtlichen Arbeit ums Leben gekommen.

Der langjährige Helfer der Tafel war in Hesel, um Lebensmittelspenden für Bedürftige beim Lidl-Markt abzuholen. Er begleitete den Fahrer Horst Brandt auf dieser Tour als Beifahrer – wie schon unzählige Male in der Vergangenheit. Mit der Jacke sei „Konni“ – so nannten ihn seine Kollegen – in der Tür hängen geblieben. Konni befreite sich mit einem Ruck, strauchelte, stürzte von der Rampe, wurde schwer verletzt. Zu schwer. „Ich habe versucht, Erste Hilfe zu leisten“, sagt Horst Brandt mit brechender Stimme. Aber keiner konnte Konni mehr helfen.

Zwei Extra-Touren standen an

Bald, sagt Horst Brandt, wäre Konrad Janßen 65 geworden. Er hätte am 25. Mai Geburtstag gehabt. Vorher hätte er noch viele Touren begleitet. Früher sei der Helfer auf jeder Fahrt dabei gewesen, erzählt Brandt. „Er war in den ersten Jahren der einzige Beifahrer. In jüngster Zeit haben wir ein paar neue Helfer gewonnen, Konni musste nicht mehr jeden Tag mit, nur noch zweimal die Woche. Ihm fiel die körperliche Anstrengung ja auch nicht so leicht.“ Doch am Montag habe Brandt ihn gefragt, ob er Dienstag und Donnerstag noch eine Extra-Fahrt mitmachen kann. „Er hat sich gefreut. Es war ihm wichtig, nützlich zu sein, gebraucht zu werden.“

Konrad Janßen sei Matrose auf einem Binnenschiffe gewesen, habe diese Arbeit gesundheitlich aber nicht mehr ausführen können, erinnert sich Brandt. „Seitdem war die Tafel seine Welt. Als die Einrichtung noch an der 1. Südwieke, nahe bei ihm zuhause, ihren Standort hatte, war Konni der Erste, der morgens aufschloss, und der Letzte, der abends dichtmachte.“ Ein einfacher Mensch sei Konrad Janßen gewesen. Einer, der nie Ansprüche gestellt, immer geholfen, habe.

„Er erkannte, dass er etwas bewirken kann“

„Ein ganz besonderer Mensch“, wie Egon Plaisier, Chef der Rhauderfehner Tafel, betont. „Er hat selber die Sonnenseiten des Lebens nie wirklich erlebt. Aber er erkannte sofort, dass er mit seinen tatkräftigen Händen etwas bewirken kann. Für ihn war es eine Selbstverständlichkeit, dort zu helfen, wo er gebraucht wird. Und er wurde gebraucht. Er war ein Eckpfeiler unserer Tafel.“ Enorm pflichtbewusst, loyal, selbstlos, humorvoll, menschlich und voller Energie, so Plaisier.

Konrad Janßen selbst habe die Tafel als seine Familie bezeichnet, als seine zweite Heimat, wo er sich glücklich und geborgen fühlte. „Hier, aber auch bei den Mitarbeitern in den Geschäften, die er anfuhr, bei den Kunden und unterwegs, war er beliebt und er erhielt Anerkennung, Wertschätzung und Bestätigung für seine geleistete Arbeit.“ Jede Tafel könne sich glücklich schätzen, wenn sie einen solchen Mitarbeiter in ihren Reihen habe.

Er habe immer vermittelt: „Mich könnt ihr Tag und Nacht anrufen“, so beschreibt Tafel-Mitarbeiterin Anne Rother ihren langjährigen Kollegen. „Er kam, ohne zu diskutieren oder zu hinterfragen.“ Wenn er gesehen habe, dass ihr eine Lebensmittel-Kiste zu schwer war, sei er gekommen und habe sei selbst getragen – mit einem Lächeln. Dabei habe man gemerkt, dass ihm die anstrengende Arbeit manchmal auch schwer fiel . „Er hat sich nie beschwert. So einen Kollegen bekommen wir nicht wieder. Er wird uns sehr fehlen.“

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