Ausstellung in Elisabethfehn  Vom Brenntorf bis zum Backstein aus dem Scharreler Ringofen

| | 30.03.2023 12:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Eröffnung der Ausstellung: Lukas Aufgebauer (von links), Edgar Ruhm, Corvin Linke, Hans Eveslage, Janne Hansen, Antje Hoffmann und Nils Anhuth. Foto: Hahn
Eröffnung der Ausstellung: Lukas Aufgebauer (von links), Edgar Ruhm, Corvin Linke, Hans Eveslage, Janne Hansen, Antje Hoffmann und Nils Anhuth. Foto: Hahn
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Das Moor- und Fehnmuseum Elisabetfehn präsentiert die Geschichte der Ziegeleien im Saterland. Für die Produktion der Steine gab es eine sehr gute Ausgangsbasis.

Elisabethfehn/Scharrel – In Norddeutschland ist der Klinkerstein seit Jahrhunderten ein fester Teil der Baukultur. Das liegt in erster Linie daran, dass die Materialien für die Ziegel-Herstellung seit jeher in ausreichender Menge zur Verfügung standen: Ton, Sand und Torf als geeignetes Brennmaterial. Gebrannt werden die Steine in Ziegeleien. Von denen gab es im Saterland eine Vielzahl,

Im Jahr 1861 soll es laut Überlieferung im Saterland acht Ziegeleien gegeben haben. Die bekannteste produzierte bis 1981 in Scharrel. Nun ist dazu im Moor- und Fehnmuseum Elisabethfehn nach monatelanger Vorbereitung eine Sonderausstellung eröffnet worden: „Von den ersten Ziegeleien an der Sagter Ems zur Ringofenziegelei in Scharrel“ ist der Untertitel der Ausstellung „Ton & Torf im Saterland“.

Ein Blick von oben auf das Gelände der Griendtsveen AG in Scharrel. Dort wurden bis 1981 Ziegelsteine produziert. Davor sind alte Postkarten mit Fotos der Ziegelei zu sehen. Foto: Kruse
Ein Blick von oben auf das Gelände der Griendtsveen AG in Scharrel. Dort wurden bis 1981 Ziegelsteine produziert. Davor sind alte Postkarten mit Fotos der Ziegelei zu sehen. Foto: Kruse

Die Anregung dazu gab Johann (Hans) Brinkmann aus Ramsloh. Der Saterländer ist Mitglied des Fördervereins sowie im Kuratorium der Stiftung Moor- und Fehnmuseum. Brinkmann war seit 1967 in Scharrel Moormeister und Schlossermeister, zuletzt Prokurist bei der Torfwerk Brinkmann GmbH & Co. KG in Scharrel und dem Nachfolgeunternehmen, der Griendtsveen AG. „Ihr müsst mal eine Ausstellung über die Ringofenziegelei in Scharrel machen, sie war damals eine der modernsten ihrer Art“, habe er in einem Gespräch mit Museumsleiterin Antje Hoffmann gesagt. Dabei habe er ihr gleich den Scharreler Werner Ubbens empfohlen, weil der bereits eine Chronik über die Ziegelei-Geschichte im Saterland verfasst habe, berichtete Antje Hoffmann.

Zeitzeugen halfen mit

Gemeinsam mit der wissenschaftlichen Volontärin Janne Hansen habe sie sich dann die Frage gestellt: „Was ist eigentlich ein Ziegel oder ein Ringofen? Und wie hängt das mit den Museumsthemen zusammen? Die Antwort: „Die Steine in den Saterländer Ziegeleien wurden mit Torf gebrannt“, sagte Hoffmann in ihrer Rede. „So war die Entscheidung für das neue Ausstellungsthema gefallen.“ Für einen Einstieg in die Materie habe ein Besuch im Alten Klinkerzentrum in Bockhorn und dem Museum Alte Ziegelei Westerholt geholfen.

Bis zum Sommer 2024 ist die Sonderausstellung Ton & Torf im Museum zu sehen. Foto: Kruse
Bis zum Sommer 2024 ist die Sonderausstellung Ton & Torf im Museum zu sehen. Foto: Kruse

Etliche Zeitzeugen halfen mit Informationen und Dokumenten mit. Das waren unter anderem Claus-Dieter Brinkmann und Dr. Bernd Brinkmann, die Neffen des ehemaligen Scharreler Ziegeleibesitzers Otto Brinkmann. Otto Brinkmann kaufte 1935 die Ziegelei Scharrel von der Stadt Oldenburg, während sein Bruder Paul Brinkmann das Torfwerk übernahm, berichtete Antje Hoffmann. Claus-Dieter Brinkmann leitete das Torfwerk Brinkmann von 1962 bis 1998. Dr. Bernd Brinkmann ist Familienforscher. Er habe unter anderem eine als Ehrenbuch bezeichnete Chronik der Ziegelei aus den 1930er und 1940er Jahren zur Verfügung gestellt.

Gute Ausgangsbasis für die Ziegelproduktion

„Ausgangsbasis jeder Ziegelproduktion sind seit jeher geeignete Tonvorkommen in oberflächennaher Lage, hier bei uns der sogenannte Lauenburger Ton, genügend Sand für die Beimischung sowie größere Mengen geeigneten Brennmaterials. Diese Voraussetzungen ermöglichten in Norddeutschland seit dem Mittelalter eine umfangreiche Ziegelherstellung, man denke nur an die ausgeprägte Backsteinkultur der Hansestädte“, sagte Hans Eveslage, Vorsitzender der Museumsstiftung und des Fördervereins.

Dachziegel aus der Produktion in Scharrel sind in der Ausstellung ebenso zu sehen wie historische Bilder: Foto: Kruse
Dachziegel aus der Produktion in Scharrel sind in der Ausstellung ebenso zu sehen wie historische Bilder: Foto: Kruse

„Ton, Sand und das Brennmaterial Torf standen im Saterland reichlich zur Verfügung. Ziegeleien – oft als temporäre Einrichtungen – entstanden vielfach dort, wo die Ausgangsstoffe und zugleich ein lokaler Absatzmarkt vorhanden waren, zum Beispiel beim Wiederaufbau Scharrels nach dem großen Brand von 1821, beim Aufbau von Neuscharrel, beim Bau der Backsteinkirchen in den Kirchdörfern und beim Bau der ersten befestigten Straßen. Vielleicht sogar schon bei der Errichtung des Johanniterklosters Bokelesch im 13. Jahrhundert?“, so Eveslage weiter. Die Ausstellung vermittele am Beispiel der Ziegelei Brinkmann auch Einblicke in das spezielle soziale Umfeld der Ziegelproduktion vergangener Zeit. Von der Mitte des 19. bis ins 20. Jahrhundert stellten lippische Wanderarbeiter das Gros der Beschäftigten in der Ziegelindustrie des Oldenburger Landes, so auch in Scharrel, erläuterte Eveslage.

Begleitung zur Ausstellung erschienen

„Die Geschichte des Nordkreises Cloppenburg ist eng mit der Moorkultivierung verbunden. Mit dieser neuen Ausstellung, die genau zeigt, wie eng die einzelnen Handwerksarten hier zusammengearbeitet haben, beweist sich das Moor- und Fehnmuseum mal wieder als wahrer Leuchtturm“, freut sich Barßels Bürgermeister Nils Anhuth (parteilos).

Torf und Ziegelsteine auf einer alten Ziegelkarre stehen im Museum. Foto: Kruse
Torf und Ziegelsteine auf einer alten Ziegelkarre stehen im Museum. Foto: Kruse

Edgar Ruhm vom Museum Alte Ziegelei in Westerholt berichtete in einem Vortrag, wie genau Lehm seinen Weg durch die Ziegel findet. Aus dessen Museum durften sich die Mitarbeiterinnen aus Elisabethfehn auch einige Objekte ausleihen.

Zu der Sonderausstellung ist auch ein Begleitbuch mit gleichlautendem Titel erschienen. In dem wurden die Ergebnisse der Recherchen ausführlich zusammengefasst. Über die Kooperation mit dem Museumsdorf Cloppenburg unterstützte Museumspädagoge Lukas Aufgebauer bei der Erstellung des Buches.

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