Spielplatz-Planung in Rhauderfehn  Eltern mit behinderten Kindern wollen nicht mehr nur daneben stehen

| | 22.03.2023 19:03 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Eltern von Kindern mit geistigen oder körperlichen Einschränkungen erzählten bei einem Treffen mit der Redaktion von ihren Ideen und Bedenken in Sachen barrierefreiem Spielplatz. Bernhard Abel (rechts) wird die Anregungen an die Gemeinde weiterleiten. Foto: Janßen
Eltern von Kindern mit geistigen oder körperlichen Einschränkungen erzählten bei einem Treffen mit der Redaktion von ihren Ideen und Bedenken in Sachen barrierefreiem Spielplatz. Bernhard Abel (rechts) wird die Anregungen an die Gemeinde weiterleiten. Foto: Janßen
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In Rhaudermoor soll ein inklusiver Spielplatz entstehen. Eltern möchten Ideen einbringen – um eine Enttäuschung wie etwa in Grotegaste zu vermeiden.

Rhauderfehn/Grotegaste - Die Freude ist groß, aber die Bedenken sind es auch: Eltern von Kindern mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen hätten gerne einen Spielplatz im Ort, auf dem es Spielgeräte gibt, die ihre Kinder auch nutzen können. Die Gemeinde Rhauderfehn möchte in Rhaudermoor ein solches Angebot schaffen. Die Sorge der Eltern ist, dass am tatsächlichen Bedarf vorbei geplant wird. „Wenn man nicht betroffen ist, sieht man die Knackpunkte oft gar nicht“, sagt Swantje Andresen. Zusammen mit weiteren betroffenen Eltern erläuterte sie der Redaktion, was für Kinder mit Behinderung tatsächlich eine wünschenswerte Spielplatz-Ausstattung wäre.

Vor Ort fehlen passende Angebote gänzlich. „Ob es Kinder mit Spastiken, geistigen Einschränkungen oder Mehrfachbehinderungen sind: Alle Eltern haben mir erzählt, dass sie immer nur am Rand stehen und Zuschauer sind“, betont Andresen.

60.000 Euro stehen im Haushaltsplan

Das, machten die Eltern deutlich, sei auch auf dem Spielplatz in Grotegaste so. Der gilt als barrierefrei und gutes Vorbild in Sachen Teilhabe. Aber: Die Betroffenen sehen das ganz anders. „Wie soll man mit einem Rollstuhl durch den Sand zu den Spielgeräten kommen? Der Platz ist nicht inklusiv“, so Anneke Buttjer.

Die Eltern hoffen, dass in Rhauderfehn nicht die gleichen Fehler gemacht werden. Im Haushalt der Gemeinde Rhauderfehn stehen in diesem Jahr 60.000 Euro für die Errichtung eines Inklusionsspielplatzes. Man wolle versuchen, auch noch Fördermittel über das Leader-Programm für das Vorhaben zu bekommen, macht Bürgermeister Geert Müller deutlich. „Wir wollen natürlich auch, dass der Spielplatz dann am Ende so aussieht, dass er von Kindern mit Behinderungen auch genutzt werden kann“, sagt Müller. Anregungen der Eltern seien deshalb willkommen. Die Gemeinde stehe wegen der Planung in Kontakt mit Bernhard Abel, erklärt Müller. Abel ist Mitglied im Behindertenbeirat des Landkreises Leer und war lange Jahre Ratsmitglied in Rhauderfehn. Beim Treffen der Eltern mit der Redaktion war er dabei und hat Ideen notiert, um sie der Gemeinde vorzutragen.

Der Spielplatz am Hinrich-Stuart-Weg in Rhaudermoor soll um inklusive Spielgeräte ergänzt werden. Foto: Janßen
Der Spielplatz am Hinrich-Stuart-Weg in Rhaudermoor soll um inklusive Spielgeräte ergänzt werden. Foto: Janßen

„Gut, dass ein Anfang gemacht wird“

Mit den eingeplanten Haushaltsmitteln werde man nicht allzuweit kommen. Das wissen auch die Eltern. „Aber wenn ein Anfang gemacht wird, ist das ja schon mal was. Zwei, drei Spielgeräte wären ein guter Start“, findet Kathrin Hillebrand.

Aus Kostengründen, hatte die Verwaltung kürzlich mitgeteilt, wolle man Planung, Kauf und Aufstellung der Spielgeräte nicht aus einer Hand ordern. „Wenn man die Aufträge einzeln vergibt, ist das günstiger“, hatte Bürgermeister Geert Müller im Ortsrat Rhaudermoor erklärt. Die Eltern sind skeptisch: „Firmen, die sich speziell damit befassen, haben mehr Erfahrung“, sagt Swantje Andresen und verweist zum Beispiel auf „natürlich inklusiv“ in Westoverledingen.

Enttäuscht von der Umsetzung

Der Spielplatz in Grotegaste hat 318.000 Euro gekostet, von denen 200.000 Euro durch das EU-Programm Leader gefördert wurden. „Dieser Spielplatz zeichnet sich seit Anfang 2020 durch seine Barrierefreiheit aus und ist für alle Generationsgruppen geeignet“, sagte Westoverledingens Rathaussprecherin Kirsten Beening kürzlich auf Anfrage. Ein ähnlich großes Angebot an barrierefreien und generationsübergreifenden Spielgeräten gebe es in der näheren Umgebung nicht, so Beening.

Doch obgleich die Anlage sogar auf „Barrierefreiheit geprüft“ zertifiziert ist, sind Eltern mit Inklusionskindern enttäuscht von der Umsetzung: „Barrierefrei ist der Spielplatz definitiv nicht“, schrieb Swantje Andresen schon vor einigen Tagen an unsere Redaktion. „Barrierefrei bedeutet, wenn ich ohne Hilfe oder mit wenig Aufwand für die Begleitperson zu den Spielgeräten komme und diese nutzen kann. Wie kommt in Grotegaste das Kind mit dem Rollstuhl vom barrierefreien Hauptweg zu der Schaukel? Es bleibt sofort im Fallsand stecken. Ein gelähmtes Kind in eine hohe Schaukel zu legen, es vorher noch zehn Meter durch den Sand zu tragen: Das ist nicht zumutbar“, nennt sie einige Beispiele.

Kathrin Hillebrand hat im Internet recherchiert und schöne Ideen für einen inklusiven Spielplatz gefunden. Foto: Janßen
Kathrin Hillebrand hat im Internet recherchiert und schöne Ideen für einen inklusiven Spielplatz gefunden. Foto: Janßen

Viele Ideen von den Eltern

Beim Treffen mit der Redaktion bestätigen betroffene Eltern die Kritikpunkte: „Die Geräte sind nicht zu erreichen, weil die Wege nicht bis dorthin führen. Und es gibt auch keine Schaukel oder ähnliches, was zum Beispiel für Kinder im Rollstuhl tatsächlich gut geeignet wäre“, betont Marion Schlenkermann. Sie zeigt ein Handy-Foto, das ihren Sohn Jonas mitsamt seinem schweren Rollstuhl beim Schaukeln zeigt. „Diese Schaukel steht bei der Tagesförderstätte Bunde. Die ist toll. Man hat nicht immer die Möglichkeit, das Kind aus dem Rollstuhl 'rauszunehmen“, sagt Schlenkermann.

Marion Schlenkermann zeigt ein Handyfoto, das sie von ihrem Sohn in der Schaukel der Tagesförderstätte Bunde gemacht hat. Foto: Janßen
Marion Schlenkermann zeigt ein Handyfoto, das sie von ihrem Sohn in der Schaukel der Tagesförderstätte Bunde gemacht hat. Foto: Janßen

Andere Mütter nicken eifrig und halten auch Ideen bereit: eine Eltern-Kind-Schaukel, eine breitere Rutsche, auf der Eltern zusammen mit ihrem Kind rutschen und es stützen können, Klangspiele, eine Motorikschleife, ein Sandtisch statt Sandkasten, so dass man mit dem Rollstuhl 'ran kann, eine Rollstuhlwippe... „Das Tolle ist, dass alle diese Geräte von Kindern mit und ohne Behinderung gleichermaßen genutzt werden können. Das sind keine Spielgeräte nur für Inklusionskinder“, betont Lindita Graute.

Wichtig: Ein Parkplatz

Ganz besonders wichtig sei für die Kinder mit Handicap aber, dass die Geräte zu erreichen sind. Nur Wege dran vorbei, reichten nicht: „Vom Weg bis zum Gerät müssen dann auch Bodenmatten liegen“, so Marion Schlenkermann.

Und: Damit Eltern mit behinderten Kindern überhaupt zum Spielplatz kommen können, werde es Parkplätze am Spielplatz in Rhaudermoor geben müssen: Viele Eltern seien je nach Behinderung ihres Kindes dringend auf den Wagen angewiesen. Und „Die Nutzer kommen ja nicht nur aus dem Ortsteil. So ein Spielplatz zieht auch Menschen aus den Nachbarorten an, eben weil die Angebote so selten sind“, sagt Bernhard Abel.

Er und Swantje Andresen hatten den Wunsch nach einem integrativen Spielplatz im Sommer 2021 dem Gemeinderat vorgestellt. „Wir freuen uns und sind sehr dankbar, dass sich was tut“, so Andresen. „Es wäre schön, wenn die Planung nun gut durchdacht wäre, damit wirklich alle was davon haben und Inklusion wirklich gelebt werden kann.“

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