Zum Tod von Gabi Tacke-Middendorf  Sie war Fotografin, Künstlerin, Stehaufmännchen

| | 28.02.2023 17:02 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Gabi Tacke-Middendorf, wie sie die Menschen vom Fehn kannten: immer mit der Kamera unterwegs. Foto: privat
Gabi Tacke-Middendorf, wie sie die Menschen vom Fehn kannten: immer mit der Kamera unterwegs. Foto: privat
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Die Rhauderfehnerin Gabi Tacke-Middendorf ist unerwartet verstorben. Mit ihrem Schaffen und ihrem sozialen Engagement hat sie Spuren hinterlassen.

Rhauderfehn - Sie wurde 63 Jahre alt. Wenn Freunde von ihrem Leben erzählen, merkt man: Kaum eines dieser Jahre war langweilig, und viele davon nicht einfach. In der vergangenen Woche ist die Rhauderfehner Fotografin und Künstlerin Gabi Tacke-Middendorf (*15.6.1959 †22.2.2023) unerwartet verstorben.

„Selbstbewusst, humorvoll, kreativ, sehr stark in jeder Beziehung“, so beschreibt Artur Köhler seine „Seelenfreundin“. Gabi Tacke-Middendorf habe immer gekämpft, vor allem in den vergangenen drei Jahren, als Corona wieder einmal die Lebensgrundlage, ihr Fotostudio, in Gefahr brachte. „Aber Gabi war voller Lebensmut, ein Stehaufmännchen. Sie hat eine gewaltige Kraft in sich gehabt“, sagt Köhler.

Sie gab nie auf

Gabi Tacke-Middendorf stammte aus Drensteinfurt bei Münster. Mit 16 machte sie eine Ausbildung zur Fotografin. Die Eltern hätten sich etwas anderes gewünscht. Doch Gabi Tacke-Middendorf ging ihren Weg. Nach der Ausbildung spezialisierte sie sich auf Industrie- und Werbefotografie. Mit dieser Sparte ließ sie sich in Papenburg nieder. Dorthin war sie der Liebe wegen gezogen. Eine Liebe, die später zerbrach. Gabi Tacke-Middendorf fotografierte Werbung unter anderem für Weener-Plastik, Costa aus Emden und den Fahrradhersteller Rabeneick. Als mit Einführung der Digitalkamera der Markt zusammenbrach, gab sie nicht auf, sondern zog ans Rhauderfehner Untenende. Sie eröffnete ihr Studio im Bilderrahmengeschäft Köhler – dort wo heute das Gebäude mit der Fehnbuchhandlung steht. Portraits waren jetzt ihre Spezialität. 2005 zog sie einige Häuser weiter in ihr eigenes Reich. 2011 erlitt sie einen Herzinfarkt, musste beruflich pausieren. Doch sie kämpfte sich wieder durch. Sie brachte einen Bildband heraus, in dem „Herma, das Landschaf“ die ostfriesische Heimat erkundet.

Nach zwei weiteren Umzügen – an eine neue Adresse am Untenende und nach Collinghorst – fand sie zuletzt freundliche Räume im Fehnferien-Gebäude der Familie Plaisir an der 1. Südwieke. Wieder sprudelten die Ideen. Tacke-Middendorf schuf Pop-Art-Bilder der besonderen Art: Vor allem Fotos der ostfriesischen Heimat verpasste sie mit lebensfrohen, dominanten Farben ein extravagantes Finish. Die Bilder fanden eine Fangemeinde.

Einsatz für soziale Projekte

Ende 2011 zogen Brigitte Simon und ihr Mann aufs Fehn. „Mit Gabi hat sich gleich eine tiefe Freundschaft entwickelt. Sie schwamm nicht mit dem Strom. Wir hatten uns viel zu sagen, und wir hatten schöne Stunden“, erinnert sich die Unternehmerin. „Gabi konnte in die Herzen der Menschen sehen und sie fing Momente mit ihrer Kamera ein.“ Das Wichtigste und Wertvollste sei aber Gabi Tacke-Middendorfs soziale Einstellung den Menschen gegenüber gewesen: „Sie hat den Menschen so gesehen, wie er war – nicht ob er arm oder reich ist. Sie hatte das Herz auf den Lippen.“

Diese Eigenschaft kam auch bei sozialen Projekten zum Tragen. Etwa bei Fotoshootings, die Gabi Tacke-Middendorf für benachteiligte Menschen gab. „Eine Freundin von mir betreut bedürftige Familien. Sie sagte mir mal, dass viele arme Menschen gar keine Fotos von sich haben. Das hat mich sehr getroffen. Und weil ich selber in meinem Leben viel Glück hatte, wollte ich etwas davon zurückgeben“, erzählte Tacke-Middendorf damals in einem Interview mit unserer Zeitung.

Der Plan: eine Alten-WG

Auf eine lange gemeinsame Zeit mit der Fotografin blickt Almina Gerdes, frühere Gleichstellungs- und Tourismusbeauftragte der Gemeinde Rhauderfehn, zurück. „Bei der Ausstellung Fehnfrauen in 2007 im Rathaus konnte ich erleben, wie Gabi berührend und immer fröhlich ihre Ideen in die Wirklichkeit umsetzte“, sagt sie. „Sie wird fehlen. Aber die Erinnerung an Gabi, mitten im Leben stehend und voller Ideen für ihre Kunst, bleibt lebendig.“

Silke Plaisir, die Gabi Tacke-Middendorf in ihren letzten Jahren nahe stand, erinnert sich an Zeilen, die sie zusammen mit der Fotografin verfasst hat. Die Zeilen gehörten zu einem Bild, das einen Stachelkranz zeigt, dessen Schatten ein Herz formt. Der Text lautet: „Stacheldraht und Herzensfrieden liegen ganz nah beieinander...du bist immer nur einen Herzensgedanken von Liebe und Freiheit entfernt. So beginnt innerer Friede und er wird sich weiter verbreiten, wenn jeder bereit ist, aus seinem inneren Stacheldraht ein Herz zu Formen, beginnt eine neue Welle“. Gabi Tacke-Middendorf habe aus Stacheldrahtherzen Frieden basteln wollen, sagt Silke Plaisir. „Und oft ist es ihr auch gelungen. Gabi Tacke war mehr als unsere Mieterin, sie war eine Freundin.“

Eine Freundin, die Ziele hatte, wie Artur Köhler weiß: „Wir wollten später eine Alten-WG gründen und im Liegestuhl die Sonne genießen“, sagt er. Erst spät sei Gabi Tacke-Middendorf in sein Abteil im „Zug des Lebens“ eingestiegen – gerade einmal vier Jahre lang habe sie eine Seelenfreundschaft verbunden – und viel zu früh habe sie den Zug verlassen. „Ich stelle mir jetzt vor, dass ich weiterfahre. So lange, bis ich sie wiedersehe.“

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