Tierheim Sedelsberg  Fragen zu Standort und Baurecht ungeklärt

| | 28.02.2023 17:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die alten Hundezwinger sollen abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Foto: Fertig
Die alten Hundezwinger sollen abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Foto: Fertig
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Für den Neubau des Tierheims im Kreis Cloppenburg gibt es am Standort in Sedelsberg baurechtliche Hürden. Auf einer Tagung von Bürgermeistern und Kreisverwaltung wurde versucht, die Probleme zu lösen.

Sedelsberg - Das Tierheim des Landkreises Cloppenburg, das in einem ehemaligen landwirtschaftlichen Hof an der Friesoyther Straße im Saterländer Ortsteil Sedelsberg untergebracht ist, soll runderneuert werden. Doch dafür benötigt der Landkreis Flächen, die der Bauleitplanung der Gemeinde Saterland unterliegen. Um die Pläne der Architektin umzusetzen, ist eine Befreiung nötig.

Der Gebäudebestand der früheren Hofanlage ist in die Jahre gekommen, zu klein und nicht mehr zeitgemäß nach heutigen Tierschutzkriterien. Foto: Fertig
Der Gebäudebestand der früheren Hofanlage ist in die Jahre gekommen, zu klein und nicht mehr zeitgemäß nach heutigen Tierschutzkriterien. Foto: Fertig

In einer Klausurtagung haben sich die Bürgermeister der 13 Kommunen im Landkreis jetzt mit der Kreisverwaltung zusammengesetzt. Dabei ging es auch um die Sanierung des Tierheims und um die Standortfrage. Der Saterländer Bürgermeister Thomas Otto ist der Ansicht, dass die Aufgabe des Tierschutzes für das gesamte Kreisgebiet in Sedelsberg sehr dezentral angesiedelt ist.

Alternativvorschläge an den Landkreis herangetragen

Nach der internen Konferenz sagte Otto auf Nachfrage: „Einigkeit besteht sicher darin, dass die jetzige Situation im Tierheim gerade für die betreuten Tiere, aber auch für die verantwortlichen Akteure des Tierschutzvereins Friesoythe so nicht länger tragbar ist und hier schnelle Lösungen gefragt sind.“ Dazu gebe es bereits alternative Vorschläge, die an die Kreisverwaltung herangetragen worden sind. Hierzu bestehe nun unter den beteiligten Kommunen noch weiterer Abstimmungsbedarf.

Das alte Wohnhaus, das zu dem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen an der Friesoyther Straße gehört, soll beim Neubau des Tierheims erhalten bleiben. Im Obergeschoss befindet sich die Hausmeisterwohnung. Die neuen Hunde- und Katzenhäuser sollen jeweils L-förmig um den Gebäudebestand herumgebaut werden. Foto: Fertig
Das alte Wohnhaus, das zu dem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen an der Friesoyther Straße gehört, soll beim Neubau des Tierheims erhalten bleiben. Im Obergeschoss befindet sich die Hausmeisterwohnung. Die neuen Hunde- und Katzenhäuser sollen jeweils L-förmig um den Gebäudebestand herumgebaut werden. Foto: Fertig

Otto findet, dass man dieses Thema nicht völlig über die Köpfe des Tierschutzvereins hinweg besprechen, sondern diesen aktiv mit an den Tisch holen sollte. Es sei verständlich, „dass ein kompletter Neubau nach eigenen Plänen für den Tierschutzverein die erste Option darstellt – aber vielleicht lassen sich auch gemeinsam andere Lösungen erarbeiten, die für den Verein und die Kommunen tragbar sind“, so der Saterländer Verwaltungschef.

Bauleitplanung obliegt nicht dem Kreis

Zur Problematik der Bauleitplanung stellte Otto fest: Die Flächen des bestehenden Tierheimes lägen innerhalb des Verbandsgebietes des Zweckverbandes Interkommunaler Industriepark Küstenkanal, dem C-Port. Der Zweck des Zweckverbandes ergebe sich aus dessen Verbandsordnung. Dabei stehe an erster Stelle die Vermarktung und der Verkauf von Grundstücken zur Ansiedlung von Industrie- und Gewerbebetrieben zur Schaffung von Arbeitsplätzen.

Der Bebauungsplan 123 „C-Port Nord“ der Gemeinde Saterland weist das Gelände an der Friesoyther Straße in Sedelsberg, wo sich das Tierheim befindet, als eingeschränktes Gewerbegebiet aus.
Der Bebauungsplan 123 „C-Port Nord“ der Gemeinde Saterland weist das Gelände an der Friesoyther Straße in Sedelsberg, wo sich das Tierheim befindet, als eingeschränktes Gewerbegebiet aus.

Um dies auf dieser gemeinsamen Zielsetzung der drei kommunalen Partner - das sind der Landkreis Cloppenburg, die Stadt Friesoythe und die Gemeinde Saterland - baurechtlich zu steuern und zu gewährleisten, wird das Verbandsgebiet von den beiden Kommunen Friesoythe und dem Saterland mit Bebauungsplänen überplant. Bei der Klausur, so Otto, sei von ihm sowie seinem Amtskollegen, dem Friesoyther Bürgermeister Sven Stratmann, auf diesen Umstand noch einmal deutlich hingewiesen worden.

Flächenmäßig keine Ausdehnung vorgesehen

Für das Tierheim ist der Bebauungsplan 123 „C-Port Nord“ maßgeblich. Das Tierheim befinde sich in einem dafür geschaffenen Bereich, der als eingeschränktes Gewerbegebiet ausgewiesen ist. Gepuffert durch eine naturnahe Regenrückhaltungsanlage schließen sich Flächen zum Schutz und Entwicklung von Natur und Landschaft an. Die Gebäude und der Betrieb des Tierheimes werden dadurch in ihrer bestehenden Form gesichert. Im Bebauungsplan, so der Saterländer Verwaltungschef, sei ein entsprechender Bauteppich ausgewiesen, der „an dieser Stelle zwar einen zeitgemäßen Neubau nicht gänzlich ausschließt, jedoch flächenmäßig kaum eine Ausdehnung vorsieht“.

Kreissprecher Frank Beumker merkt dazu auf Nachfrage an: „In Sachen Tierheim ist der Landkreis Cloppenburg lediglich Dienstleister. Für die Versorgung von Fundtieren sind die Städte und Gemeinden selbst und nicht der Landkreis zuständig. Der Landkreis selbst benötigt kein Tierheim, wohl aber die Städte und Gemeinden, wenn sie die Aufnahme und Versorgung von Fundtieren nicht vor Ort in eigener Regie tierschutzgerecht organisieren möchten.“ Auf Wunsch seiner Kommunen habe sich der Landkreis deshalb bereiterklärt, die Planung für den notwendigen Ausbau und die Sanierung des vorhandenen Tierheims in Sedelsberg zu übernehmen.

Bisher kam von Kommunen kein Alternativ-Angebot

Bei der Planung für den Neubau gebe es keine Neuigkeiten. Aktuell würden weitere Abstimmungen mit den Städten und Gemeinden über den Neubau des Tierheims, die Standortfrage und die Finanzierung erfolgen, so Beumker. Grundsätzlich gebe es von der großen Mehrheit der 13 Städte und Gemeinden keine Kritik am bisherigen Standort in Sedelsberg, fasste der Kreissprecher zusammen, „wenngleich auch aus unserer Sicht ein zentralerer Standort im Kreisgebiet sicherlich wünschenswert wäre“.

Allerdings sei dem Landkreis dafür bislang von keiner Stadt oder Gemeinde ein geeignetes, alternatives Grundstück angeboten worden.

Seit Monaten Aufnahmestopp für Katzen

Dass die Zeit drängt, die Fundtiere im Kreisgebiet tierschutzgerecht und angemessener unterzubringen, als es jetzt der Fall ist, ergibt sich auch aus dem Gespräch mit Monika Böker. „Wir würden gerne Fortschritte sehen“, sagt die Vorsitzende des Tierschutzvereins Friesoythe und Umgebung, in dessen Trägerschaft sich das Tierheim befindet. Die Gehege seien alle vollbesetzt, das Tierheim komme aus dem Aufnahmestopp gar nicht heraus.

Trotz der Katzencontainer, die 2020 aufgestellt wurden, sind alle Gehege für Katzen seit Monaten voll belegt. Größere Räumlichkeiten sind dringend erforderlich, um dem Tierschutz Genüge zu tun. Foto: Fertig
Trotz der Katzencontainer, die 2020 aufgestellt wurden, sind alle Gehege für Katzen seit Monaten voll belegt. Größere Räumlichkeiten sind dringend erforderlich, um dem Tierschutz Genüge zu tun. Foto: Fertig

Den hatte der Vorstand im September 2022 für Katzen verhängt. Leute, die eine Katze gefunden haben, werden seitdem lediglich mit Futter sowie Geld für Tierarztkosten unterstützt, müssen die Tiere aber selbst versorgen. Man arbeite mit Pflegestellen und Kastrationsscheinen, sagt Böker. Damit habe der Tierschutzverein gute Erfahrungen gemacht, jedoch binnen eines Jahres „locker 20.000 Euro investiert“.

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