Tierheim Sedelsberg Neubaupläne vor baurechtlichen Hürden
Der Landkreis Cloppenburg will in Sedelsberg das Tierheim größtenteils neubauen. Doch so einfach sind die Pläne nicht umzusetzen. Darüber diskutieren Bürgermeister und Kreis diese Woche miteinander.
Sedelsberg - Seit Jahren geht es beim Tierschutz im Landkreis Cloppenburg um Sanierung und Erweiterung des Tierheims in Sedelsberg. Geplant ist der Neubau eines Hundehauses, das Platz für 20 Tiere bieten soll, ein Katzenhaus mit Raum für 100 Katzen sowie einem Kleintierbereich, in dem Kaninchen, Nager, Schildkröten und Vögel untergebracht werden können. Doch so richtig voran geht es bei dem Projekt gerade nicht. Das hat Gründe.
„Es ist alles noch so wie vor einem halben Jahr“, berichtet Monika Böker, die Vorsitzende des Tierschutzvereins Friesoythe. Der Verein betreibt das Tierheim -die einzige Einrichtung zur Aufnahme von Fundtieren im Kreisgebiet - seit 1992 an der Friesoyther Straße in Sedelsberg in einem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen. Seit Finanzierungspläne in den kommunalpolitischen Gremien des Kreises besprochen werden, habe sie noch nichts wieder von dem Umbau gehört, sagt Böker. Ende Januar habe sie beim Kreis nach dem Stand der Dinge gefragt. Ihr sei gesagt worden, dass noch nichts entschieden sei. Auch über die Finanzierung sei noch keine finale Entscheidung gefallen.
Diese Woche Klausur von Kreis und Bürgermeistern
Das bestätigt Kreissprecher Frank Beumker auf Nachfrage dieser Zeitung. Aktuell erfolge die Abstimmung des Landkreises mit den Städten und Gemeinden über den Neubau des Tierheims und die Finanzierung, da die Aufnahme und Versorgung von Fundtieren eigentlich die Aufgabe der Städte und Gemeinden ist. Abschließend würden die politischen Gremien des Landkreises Cloppenburg über das weitere Vorgehen beraten und entscheiden.
Zu den Kosten könne er noch nichts sagen, erklärt Beumker. „Darüber entscheidet die Kreispolitik.“ Die Summe von fünf Millionen Euro, die kolportiert wird, bestätigt der Kreissprecher nicht. Noch laufe die Abstimmung mit den Kommunen, es sei noch alles in der Klärung. Diese Woche finde dazu eine Klausurtagung statt. Beumker spricht von einem langwierigen Planungsprozess.
Bauleitplanung steht Plänen entgegen
Tatsächlich gibt es baurechtliche Hindernisse, die vor einem Neubau aus dem Weg geräumt werden müssen. „Hinsichtlich der Bebaubarkeit besteht an der Stelle zwar ein Bebauungsplan, der aber klare Regelungen enthält, die der Planung des Landkreises entgegen stehen“, teilt Saterlands Bürgermeister Thomas Otto mit. Es sei für ihn zudem fraglich, ob es bei einem kompletten Neubau nicht einen für das Kreisgebiet zentraleren Standort gibt als Sedelsberg.
Da bei der Bauleitplanung im Saterland wesentliche Festsetzungen betroffen sind, bestehe noch erheblicher Gesprächsbedarf. Bisher sei der Landkreis deswegen nicht wirklich konkret auf die Gemeinde zugegangen. „Hier erhebliche Abweichungen im eigenen Interesse durch eine Befreiung herbeizuführen, sehe ich derzeit nicht“, erklärt Otto. Schließlich habe Landkreis seiner Gemeinde bei deren Neubauplänen für den Bauhof auch keine Ausnahme zugestehen wollen.
Befreiung erforderlich
Noch sei nicht klar, was und wie überhaupt beim Tierheim neu gebaut werden soll, sagt dazu Kreissprecher Beumker. Alles befinde sich noch in der Abstimmungsphase. Doch was die baurechtlichen Voraussetzungen angeht, stellt der Kreissprecher ebenfalls fest: „Es muss eine Befreiung stattfinden.“
Die zu überplanenden Flächen seien in einem Bebauungsplan ausgewiesen. Damit die an den Gebäudebestand angrenzenden zwei Flurstücke in die Neubauplanungen einbezogen werden können, sei eine Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplanes bei entsprechender Flächenkompensation erforderlich. Diese Flächen seien, so der Kreissprecher, für die notwendige Erweiterung des Tierheims für eine tierschutzgerechte Unterbringung der Tiere erforderlich.
Zwei L-förmige Neubauten um den Altbestand
Die Grundlagen für den Tierheim-Neubau hat die Architektin Anouschka Müller im Auftrag der Kreisverwaltung erstellt. Sie gehört zum Team eines Architekturbüros in Oldenburg und wohnt in Friesoythe. Ihre Entwurfspläne habe der Landkreis übernommen, erläutert Müller, um diese zu finalisieren.
Tierschutzvereinsvorsitzende Böker schildert, wie der Neubau dem Grundsatz nach angedacht ist: Das bestehende Gebäude, in dem die Katzen untergebracht sind, und die Hundezwinger sollen abgerissen werden. Dafür sollen zwei L-förmige Neubauten entstehen, die sich um den Gebäude-Altbestand gruppieren. Die Hausmeisterwohnung im Obergeschoss des alten Hofes bleibe erhalten.
Weitere Informationen
Der Tierschutzverein Friesoythe und Umgebung betreibt seit über 30 Jahren das Tierheim im Landkreis Cloppenburg. Für diesen Zweck stellt der Landkreis Cloppenburg dem Verein seit 1992 kostenlos das Grundstück in Sedelsberg mit dem darauf befindlichen Gebäudebestand zur Verfügung. Aufgrund der zunehmenden Belegung des Tierheims und der Sanierungsbedürftigkeit der Gebäude hatte der Kreistag 2021 die Kreisverwaltung beauftragt, ein neues Konzept für die tierschutzgerechte Unterbringung der Tiere zu erstellen. Untersuchungen der Hochbauabteilung des Landkreises hätten ergeben, so Kreissprecher Frank Beumker, dass die zunehmend abgängige Bausubstanz einen Neubau des Tierheims erfordere.
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