Radfahren in Rhauderfehn Am Untenende heißt es Radweg oder Parkplätze
Rhauderfehn hat ein Radverkehrskonzept ausarbeiten lassen. Kleinere Maßnahmen werden nebenbei umgesetzt. Doch einige Ideen bringen auch Probleme mit sich.
Rhauderfehn - Die Straßen entlasten und etwas fürs Klima tun: Mit dieser Zielsetzung fiel im Sommer 2021 die politische Entscheidung, ein Radverkehrskonzept für Rhauderfehn in Auftrag zu geben. Mittlerweile hat die Planungs-Firma ein 223-seitiges Maßnahmenkataster vorgelegt. Darin, so der zuständige Bauamtsmitarbeiter Jannes Böning, sind viele Ideen gelistet, die den Alltagsradverkehr stärken könnten. Ebenfalls zeigt sich inzwischen aber auch, an welchen Punkten die Umsetzung schwierig werden dürfte.
So gehört die Umwandlung der Nordseite des Rajens in eine Fahrradstraße zu den Ideen, die die Gemeinde gerne direkt verwirklicht hätte. Das Ordnungs- und Straßenverkehrsamt des Landkreises Leer hat das jedoch abgelehnt: Die Breite der Fahrbahn reiche mit vier Metern nicht aus. Laut Straßenverkehrsordnung (StVO) betrage die Mindestbreite 5,50 Meter - damit beim Überholen mit Kraftfahrzeugen von Fußgängern und Radfahrern ein ausreichender Seitenabstand eingehalten werden könne.
Noch einmal beim Landkreis nachfragen
In dieser Sache möchte die Rauderfehner Politik aber noch nicht aufgeben. Die Ampel+-Fraktion hat angeregt, noch mal beim Landkreis Leer anzufragen, ob diese Entscheidung überdacht werden kann. „Es gibt wohl unterschiedliche Rechtsauffassungen dazu“, sagt Joachim Frerichs, stellvertretender Bauamtseiter, der sich um die Abstimmung mit dem Kreis kümmern wird.
Weitere politische Beratungen werden mit Blick auf das Untenende und die Rhauderwieke notwendig. Ideen wie etwa die, den Mehrzweckstreifen zu Radwegen auszubauen, wären mit sehr viel Aufwand verbunden und machen zum Teil Planfeststellungsverfahren notwendig. In den Blick genommen hat die Kommune nun in erster Linie das Untenende. Denn an der Rhauderwieke, so Frerichs, sei die Situation für Radler nicht so problematisch wie am Untenende.
„Das ist eine Gefahrenstrecke“
Am Untenende gebe es großes Konfliktpotential zwischen Fußgängern und Radlern. „Wenn man dort aus den Geschäften kommt, sitzt man den Radfahrern schon fast auf dem Lenker“, so Frerichs.
Auch Peter Woschytzki von der ADFC-Ortsgruppe Rhauderfehn sieht am Untenende den größten Handlungsbedarf – neben dem Kreisverkehr beim Rathaus, der teils unübersichtlich gestaltet sei. „Am Untenende fährt man sehr nah an den Häusern vorbei. Das ist eine Gefahrenstrecke, das steckt Risiko drin“, sagt der Ansprechpartner des Fehntjer Radler-Clubs.
Poller weg, Markierungen hin
Das Problem bei einer Planung mit breiterem Radweg: Insbesondere im Bereich Untenende-Süd (Fahrtrichtung Ostrhauderfehn) würden durch den Radweg-Bau die Parkmöglichkeiten entfallen. Dafür, betont Jannis Böning, sei eine politische Vorabstimmung nötig: zu Gunsten des Radverkehrs, zum Nachteil der Parkmöglichkeiten.
Neben größeren Maßnahmen, die in der Regel nicht kurzfristig umzusetzen sein werden, beinhaltet das 223-seitige Maßnahmenkataster auch zahlreiche kleinere Maßnahmen zur Verbesserung der Radwegeführung. Diese, so Böning, werden nach und nach im Alltagsgeschäft mit abgearbeitet. Dazu gehören zum Beispiel eine passende Beschilderung, das Entfernen von Pollern, Markierungsarbeiten und Aufpflasterungen. Bei Radwege- und Fahrbahnneuplanungen sollen Probleme wie unzureichenden Breiten, schlechte Fahrbahnbeläge oder Sicherheitstrennsteifen entsprechend berücksichtigt werden.
Das Radverkehrskonzept, das erstellt wurde, sei im Übrigen auch Bedingung für eine Bewerbung um die Landesauszeichnung „Fahrradfreundliche Kommune Niedersachsen“, erklärt Jannes Böning. Dafür habe die Kommune die Voraussetzungen schaffen wollen.