Ostfriesen in London  Eine Darts-Party zwischen Popcorn und Elfen

| | 28.12.2022 14:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bewusst auffällig haben sich Lukas Heibült (von links), Pascal Hasselder, Steffen Baumann und Claas Bohlen verkleidet. Während der Nachmittags-Spiele hatten die vier Freunde super Plätze ganz nah an der Bühne. Fotos: Privat
Bewusst auffällig haben sich Lukas Heibült (von links), Pascal Hasselder, Steffen Baumann und Claas Bohlen verkleidet. Während der Nachmittags-Spiele hatten die vier Freunde super Plätze ganz nah an der Bühne. Fotos: Privat
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Vier dartsbegeisterte Kumpels aus Ostfriesland erlebten einen spektakulären Tag im Ally Pally. Sie waren nicht nur oft im TV zu sehen, sondern trafen zufällig auch einen Star.

London - Eine Popcornmaschine steht neben Sonnenblumen, Harry Potter feiert gemeinsam mit Elfen und Römern. Solche Kombinationen gibt es dieser Tage in London im Alexandra Palace, dem sogenannten Ally Pally. Dort wird alljährlich die Darts-Weltmeisterschaft ausgetragen. Und mittendrin im Publikum waren am Dienstag vier Ostfriesen: die Freunde Claas Bohlen (Spetzerfehn), Lukas Heibült (Großoldendorf), Pascal Hasselder (Bentstreek) und Steffen Baumann (Ockenhausen). „Es war der Wahnsinn. Wir haben super Spiele erwischt, den deutschen Gabriel Clemens siegen gesehen und eine unfassbare Atmosphäre erlebt“, schildert der 23-jährige Claas Bohlen.

Am Abend saßen die Ostfriesen relativ weit hinten auf der Tribüne.
Am Abend saßen die Ostfriesen relativ weit hinten auf der Tribüne.

Auch seine Freunde und er ließen sich in puncto Verkleidungen nicht lumpen. Sie trugen ein blaues Superman-Kostüm mit der Aufschrift „Bier“ am Oberkörper. Dazu setzten sie sich eine bunte Kappe mit Propeller auf. „Wir wollten auffallen, damit man uns erkennt“, erklärt Claas Bohlen. Und tatsächlich: Bei den drei Drittrunden-Spielen waren die ostfriesischen Darts-Fans immer wieder deutlich in den Live-Übertragungen bei Sport1 und auf DAZN zu sehen. Ihre gebastelten Schilder, unter anderem mit der Aufschrift „Ostfriesland grüßt Ally Pally“, waren dagegen kaum zu erkennen. Dennoch: „Wir haben immer wieder Nachrichten aufs Handy bekommen, dass wir im Fernsehen seien“, sagt Claas Bohlen. Möglich gemacht hat das nicht nur die Verkleidung, sondern vor allem ein guter Platz. Am Nachmittag durften die Ostfriesen an Tischen ganz nah an der Bühne sitzen – genau in dem Bereich, der im Hintergrund zu sehen ist, wenn die Darts-Stars beim Pfeilewerfen gezeigt werden. „Bei den Abendspielen hatten wir dann Plätze relativ weit hinten auf der Tribüne“, erzählt Claas Bohlen.

Ally Pally in deutscher Hand

Auch am Abend waren junge Männer im Superman-Kostüm mit der Bier-Aufschrift im TV zu sehen. Es waren aber nicht die Ostfriesen. „Da war noch eine andere Gruppe, die das gleiche anhatte wie wir“, so Bohlen, der mit seinen Kumpels bei den vielen Gesängen des Publikums voll mitmachte. Es wurde fast pausenlos gegrölt. Immer wieder waren im Fernsehen deutsche Klassiker zu hören – allen voran „Oh wie ist das schön, oh wie ist das schön, sowas hat man lange nicht geseh’n, so schön, so schön“. Stimmungsmäßig war der Ally Pally bei den Abendspielen in deutscher Hand, rund 750 der 3500 Besucher kamen aus Deutschland.

Höhepunkt für viele – und auch für die Ostfriesen – war die Partie der deutschen Nummer eins, Gabriel Clemens. Der Saarländer sah gegen den Waliser Jim Williams schon wie der sicherere Verlierer aus, feierte dann aber ein starkes Comeback und gewann die hochklassige und hochspannende Partie am Ende noch mit 4:3. Da hielt es die deutschen Fans nicht mehr auf den Sitzen. „Teils griff die Security ein und forderte einen auf, sich doch bitte wieder hinzusetzen“, schildert Claas Bohlen.

Ein aufgeschobener WM-Besuch

Als sich der spektakuläre Tag im Ally Pally dem Ende neigte, erlebte er mit seinem Kumpel Pascal Hasselder noch einen Höhepunkt. „Beim Bierholen haben wir Max Hopp getroffen. Wir haben kurz geplaudert und sogar ein Autogramm auf unserem Kostüm bekommen“, so der Bauingenieurswesen-Student. Max Hopp galt vor wenigen Jahren als großes Darts-Talent, konnte sich in diesem Jahr aber nicht für die WM qualifizieren und war stattdessen am Dienstag beim Sender Sport1 als Experte im Einsatz. „Die Tour nach London hat sich richtig gelohnt“, fasst Bohlen zusammen. „Im nächsten Jahr wollen wir wiederkommen.“ Eigentlich hatten sie im vergangenen Jahr schon Tickets gehabt. „Doch da war das wegen Corona schwierig. Wir hätten danach zwei Wochen in Quarantäne gemusst und haben es dann gelassen.“

Nach der riesigen Darts-Party im Ally Pally und einem Weiterfeiern in einem Pub befanden sich die vier Freunde, die beim VfL Mullberg beziehungsweise VfL Ockenhausen Fußball spielen, am späten Mittwochvormittag schon wieder im Flugzeug – aber nicht im selben. Im Gegensatz zu seinen Freunden flog Claas Bohlen nicht wieder zurück nach Hamburg, sondern über Denver weiter nach Los Angeles. Er besucht nämlich seine Freundin Finja Heibült, die gerade ein Auslandssemester in den USA macht.

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