Bürgermeister zieht Bilanz  2022 für Saterland „Jahr der Veränderungen“

| | 22.12.2022 14:01 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Viel in Bewegung war 2022 im Saterländer Rathaus in Ramsloh. Personalwechsel und Umzüge innerhalb des Hauses führten zu Rotationen im Verwaltungsgebäude. Foto: Fertig
Viel in Bewegung war 2022 im Saterländer Rathaus in Ramsloh. Personalwechsel und Umzüge innerhalb des Hauses führten zu Rotationen im Verwaltungsgebäude. Foto: Fertig
Artikel teilen:

Ein vernichtendes Fazit für die Saterländer CDU hatte die Saterländer SPD in der letzten Ratssitzung 2022 gezogen. Bürgermeister Thomas Otto (parteilos) sieht die Entwicklung der Gemeinde gelassener.

Ramsloh - Eine versöhnliche Bilanz zur Situation der Gemeinde Saterland im Jahr 2022 zog jetzt dessen Bürgermeister Thomas Otto. Der parteilose Verwaltungschef steht seit März 2018 an der Spitze der Verwaltung im Rathaus in Ramsloh.

Als "ein Jahr der Veränderungen" bezeichnet Saterlands Bürgermeister Thomas Otto 2022 für seine Gemeinde. Archivfoto: Kruse
Als "ein Jahr der Veränderungen" bezeichnet Saterlands Bürgermeister Thomas Otto 2022 für seine Gemeinde. Archivfoto: Kruse

Nach den Einschränkungen, die die Corona-Pandemie in den beiden vorangegangenen Jahren mit sich gebracht hatte, sei man 2022 „mit frischem politischen Wind durch einen neuen Gemeinderat und eine neue Bundesregierung sehr hoffnungsvoll in das neue Jahr gestartet“, fasste Otto zusammen. Er nennt 2022 ein Jahr der Veränderungen für das Saterland. Durch die vielen neu gewählten Ratsmitglieder habe sich politisch einiges erst neu sortieren müssen. Auch im Rathaus seien einige Strukturen, die sich durch Personalwechsel und Umzüge im Verwaltungsgebäude ergeben hatten, erst langsam zusammengewachsen. „Hier sehe ich uns auf einem guten Weg, und 2022 durchaus als erfolgreiches Jahr, wenngleich natürlich an einem guten Miteinander fortlaufend weitergearbeitet werden muss“, stellte Otto fest.

Ukraine-Krieg beeinflusst auch das Saterland

Der durch Putin nach Europa getragene Krieg „trifft mit seinen Auswirkungen auf den Energie- und Finanzsektor und die steigende Inflation auch uns im Saterland“, so der Bürgermeister. An der ein oder anderen Stelle erschwere das die Umsetzung geplanter Projekte oder verändere Notwendigkeiten und politische Rahmenbedingungen.

Wesentlicher als das sei aber die persönliche Betroffenheit, die er im direkten Austausch mit den Einwohnerinnen und Einwohnern erlebe. Soweit nicht finanzielle Nöte und Zukunftsängste geäußert werden, berührten ihn dabei oftmals die Geschichten der durch den Krieg ins Saterland geflüchteten ukrainischen Staatsbürger. „Hier müssen Verwaltung und Politik vielleicht noch sensibler werden und lernen, auch die eigenen Doktrin zu überdenken oder zum Wohle der Gemeinschaft zurückzustellen“, stellt der Saterländer Bürgermeister selbstkritisch fest.

Mehr Austausch mit Sroda Slaska

Positiv für das Saterland sei der Austausch mit der polnischen Partnergemeinde Sroda Slaska, der sich in diesem Jahr wieder verstärkt habe. Insbesondere die Partnerschaft zwischen den weiterführenden Schulen solle nun wieder intensiviert werden. Bei dem Besuch einer Delegation aus dem Saterland in Sroda Slaska, das in der Woiwodschaft Niederschlesien südlich der Oder liegt, wurde im September der 88-jährige Saterländer Conrad Niemeyer aus Bollingen mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet. Ehrenbürger des Saterlands war Niemeyer bereits 2020 geworden.

Der Saterländer Conrad Niemeyer mit Urkunde und einem großen Blumenstrauß anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerwürde im Kreis kommunaler Vertreter von Sroda Slaska, darunter Bürgermeister Adam Rucinski (rechts) und seinem Amtsvorgänger Boguslaw Krasucki (links). Archivfoto: privat
Der Saterländer Conrad Niemeyer mit Urkunde und einem großen Blumenstrauß anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerwürde im Kreis kommunaler Vertreter von Sroda Slaska, darunter Bürgermeister Adam Rucinski (rechts) und seinem Amtsvorgänger Boguslaw Krasucki (links). Archivfoto: privat

Am 20. November ist der langjährige Saterländer Ratsherr gestorben. Auf diesen Verlust blickt Saterlands Bürgermeister mit großem Bedauern. „Schmerzlich ist der Tod von Conrad Niemeyer, der sich trotz seines hohen Alters immer wieder vermittelnd eingebracht hat und mir in persönlichen Gesprächen viele historische Zusammenhänge aus der politischen Vergangenheit im Saterland erläutern konnte“, sagt Thomas Otto in seinem Rückblick.

Saterfriesisch-Stelle dauerhaft etabliert

Als Gewinn für das Saterland bewertet der Verwaltungschef, dass die Stelle des Beauftragten für Saterfriesisch, die Ende 2020 zunächst für die Dauer von drei Jahren im Rathaus angesiedelt wurde, nun durch einen Zuschuss aus dem Bundeshaushalt dauerhaft etabliert worden ist. Der Arbeitsplatz wird ausgefüllt von dem Westfriesen Henk Wolf, „dessen Projekte nun langsam Früchte tragen und der Thematik und den Bemühungen um den Erhalt der Sprache eine neue Dynamik verleihen“, wie der Bürgermeister anerkennend anmerkt.

Ende 2020 hat Henk Wolf im Saterland eine halbe Stelle als Saterfriesisch-Beauftragter angetreten, die auf drei Jahre befristet war. Seit dem Herbst 2022 ist der Posten durch Förderung vom Bund dauerhaft etabliert, und das als volle Stelle. Archivfoto: Fertig
Ende 2020 hat Henk Wolf im Saterland eine halbe Stelle als Saterfriesisch-Beauftragter angetreten, die auf drei Jahre befristet war. Seit dem Herbst 2022 ist der Posten durch Förderung vom Bund dauerhaft etabliert, und das als volle Stelle. Archivfoto: Fertig

Im Gegensatz zu der ausgleichenden Betrachtung des parteilosen Verwaltungschefs war die Bilanz, die der SPD-Chef der Saterländer Ratsfraktion SPD/Grüne, Henning Stoffers, mit Blick auf das Jahr 2022 fürs Saterland zog, vernichtend.

„CDU verantwortlich für Stillstand“

Zur letzten Sitzung des Gemeinderats 2022 hatte die Ratsfraktion SPD/Grüne ein Fazit gezogen, das mit der Mehrheitsfraktion im Rat, der Gruppe CDU/FDP, hart ins Gericht ging. Stoffers macht die Saterländer Christdemokraten verantwortlich für „ein Jahr des Stillstands in der Gemeinde Saterland“. Er begründete dieses Urteil damit, dass die CDU/FDP „wichtige Flächennutzungspläne, den dringend notwendigen Neubau des Bauhofs, die Einrichtung eines Ausschusses Klima, Umwelt, Energie und Landwirtschaft verhindert, aufgeschoben oder zur weiteren Beratung mehrfach vertagt“ habe.

Der Saterländer Bauhof in Scharrel soll erneuert werden. Doch ob das am jetzigen Standort geschieht oder ob die Einrichtung verlegt wird ins Gewerbegebiet südlich des Scharreler Damms, darüber streiten sich die Ratsfraktionen im Saterland. Foto: Passmann
Der Saterländer Bauhof in Scharrel soll erneuert werden. Doch ob das am jetzigen Standort geschieht oder ob die Einrichtung verlegt wird ins Gewerbegebiet südlich des Scharreler Damms, darüber streiten sich die Ratsfraktionen im Saterland. Foto: Passmann

Die Mehrheitsgruppe CDU/FDP im Rat zog ihrerseits keine öffentliche Bilanz, obwohl dies in der Vergangenheit bei den Ratsparteien guter Brauch gewesen ist. Fraktionssprecher Thomas Giehl äußerte sich auch auf Nachfrage nicht dazu, wie die CDU das Jahr 2022 in der Gemeinde Saterland bewertet.

Ähnliche Artikel