Straßenbau im Saterland Sieben Häuser mussten für Umgehungsstraße weichen
Vor 50 Jahren wurde die Umgehungsstraße der B 72 zwischen Sedelsberg und Scharrel freigegeben. Pläne für den weiteren Ausbau der wichtigen Verbindung zwischen der A1 und der Nordsee lagen vor.
Scharrel/Sedelsberg - Die Bundesstraße 72 (B 72) verläuft von der Anschlussstelle der Autobahn 1 (A 1) bei Emstek bis nach Norddeich an die Nordseeküste. Heute ist kaum vorstellbar, dass es im Verlauf dieser viel befahrenen Straße bis 1968 keine Umgehungsstraßen gab. Die B 72 führte bis in die 1970er Jahre durch viele kleine Orte, unter anderem auch durch die Stadt Friesoythe und die Dörfer des Saterlandes, ehe sie Ostfriesland erreichte.
Nachdem 1968 mit der Friesoyther Ortsumgehung die erste Umgehungsstraße im Zuge der Bundesstraße 72 fertiggestellt worden war, folgte vier Jahre später die Freigabe eines weiteren Teilstücks im Saterland: Vor 50 Jahren, am 7. Dezember 1972, gab der Leiter der Abteilung Straßenbau im niedersächsischen Landesverwaltungsamt, Oberbaudirektor Bahli, den Neubauabschnitt zwischen Sedelsberg und Scharrel frei.
Neun Brücken mussten gebaut werden
„Die gesamte Neubaustrecke ist frei von höhengleichen Zufahrten und Kreuzungen und schließt im Süden an den bereits 1969 fertiggestellten Abschnitt Sedelsberg-Friesoythe. Die bisher als Provisorium benutzte Abfahrt zur Kreisstraße 147 in Sedelsberg ist inzwischen aufgehoben“, heißt es in einem am 9. Dezember 1972 erschienenen Artikel im General-Anzeiger. Zwischen Scharrel und Ramsloh lief der Verkehr damals über eine neu erstellte Abfahrtsrampe wieder auf die alte B 72. „Nach dem weiteren Ausbau der neuen B 72, die Ortsumgehung Ramsloh und Strücklingen wird diese Rampe Bestandteil einer höhengleichen Anschlussstelle, hieß es im Artikel.
Nach einer Bauzeit von zweieinhalb Jahren war die sieben Kilometer lange Neubaustrecke fertiggestellt worden. Die B 72 umgeht seitdem die damals engen Ortsdurchfahrten von Sedelsberg und Scharrel. Insgesamt mussten neun Brücken gebaut werden, die dreimal die Sagter Ems überquerten und sechs Straßen überbrücken. Die Baukosten für diese Brücke beliefen sich auf 3,2 Millionen DM. Die Gesamtkosten für den Neubauabschnitt wurden mit 12,150 Millionen DM angegeben. Neben reinen Baukosten waren darin auch 850.000 DM für den Grunderwerb enthalten.
Sieben Häuser wurden abgerissen
Bei einer Kronenbreite von 15 Meter hat die neue Straße eine Fahrbahnbreite von 7,5 Meter. Hinzu kommen je zwei 50 Zentimeter breite Randstreifen, schrieb diese Zeitung damals. Imposant sind weitere Angaben zu dem Neubauabschnitt in dem Artikel:
Es waren große Einschnitte in die Landschaft notwendig. Es wurden 950.000 Kubikmeter Erdmassen für den Neubau bewegt. 125.000 Quadratmeter Fahrbahnfläche mussten befestigt werden. Sieben Häuser einschließlich der Wirtschaftsgebäude mussten für diesen Streckenabschnitt abgerissen werden, um die B 72 in ihrer jetzigen Linienführung bauen zu können. Sozusagen als Nebenprodukt entstanden damals sechseinhalb Kilometer Gemeinde- und Wirtschaftswege.
Pläne für weiteren Ausbau lagen bereits vor
Die B 72 galt schon damals als wichtiger „Ostfrieslandzubringer“ für die Bundesautobahn 1, die Hansalinie. Sie wurde deshalb auch im Volksmund „Ostfriesland-Highway“ genannt. Die Pläne für den weiteren Ausbau zwischen Schneiderkrug bei Cloppenburg und Filsum lagen vor. Weitere 200 Millionen DM waren damals dafür eingeplant. Allein für die Umgehung der Stadt Cloppenburg waren 110 Millionen Mark vorgesehen.
54 Millionen Mark, so hieß es 1972, seien für den Neubau der B 72 zwischen Ramsloh und Rinzeldorf in der Gemeinde Ostrhauderfehn eingeplant. Als das Teilstück zwischen Sedelsberg und Scharrel freigegeben wurde, lagen die Pläne nahezu baureif vor. Für die Ausbaustrecke von Rinzeldorf nach Filsum wurde mit Kosten in Höhe von 34 Millionen Mark kalkuliert.