Lieferengpässe bei Medikamenten  Lage bei Apotheken im Nordkreis „dramatisch“

| | 21.12.2022 19:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Es gibt deutschlandweit Engpässe bei der Arzneiversorgung. Rund 330 Produkte sind derzeit nicht oder nur in begrenztem Umfang lieferbar. Foto: Grubitzsch / DPA
Es gibt deutschlandweit Engpässe bei der Arzneiversorgung. Rund 330 Produkte sind derzeit nicht oder nur in begrenztem Umfang lieferbar. Foto: Grubitzsch / DPA
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Seit Monaten erhalten die Apotheken im Nordkreis Cloppenburg nicht die Mengen an Arzneimitteln, die sie bestellen. Doch jetzt eskaliert die Situation - wegen einer Welle an Atemwegserkrankungen.

Barßel/Sedelsberg - Als dramatisch schildern Apothekerinnen und Apotheker im Nordkreis Cloppenburg die aktuelle Situation, was Lieferengpässe von Medikamenten angeht. Sie sei jetzt über 30 Jahre als Apothekerin tätig, sagt Brigitte Roder-Niehaus, die die Roder-Apotheke in Sedelsberg in der Gemeinde Saterland führt, und „so etwas habe ich in meiner ganzen Laufbahn noch nicht erlebt.“

Die derzeitige Lage beschreibt die Apothekerin als „Katastrophe“. Alles Mögliche an Medikamenten sei nicht zu bekommen. Angefangen mit Fiebersäften und Zäpfchen für Kinder über Magentabletten und Blutdrucksenkern für Erwachsene bis zu Diabetesmedikamenten. Die Lieferengpässe bestünden seit einigen Monaten, schildert Roder-Niehaus, doch die Lage werde immer schlimmer. „Man kriegt immer nur fünf Packungen, auch wenn man 50 bestellt hat.“

Eltern müssen improvisieren

Wie geht sie mit Eltern um, die Medizin für ihre fiebernden Kinder benötigen? „Wir haben noch ein paar Zäpfchen in niedriger Dosierung vorrätig“, so Roder-Niehaus, „dann muss man davon eben zwei nehmen.“ Doch manche Eltern habe sie auch schon wegschicken müssen.

Fiebersaft mit dem Wirkstoff Ibuprofen: Angesichts der Engpässe von bestimmten Medikamenten klagt die Präsidentin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände über unnötige Bürokratie. Foto: Carstensen / DPA
Fiebersaft mit dem Wirkstoff Ibuprofen: Angesichts der Engpässe von bestimmten Medikamenten klagt die Präsidentin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände über unnötige Bürokratie. Foto: Carstensen / DPA

Ähnlich schildert Anne Schimmeyer die Lage für die vier Schünemann-Apotheken im Nordkreis Cloppenburg, die sich in Barßel, Elisabethfehn, Ramsloh und Friesoythe befinden. Es sei „wirklich dramatisch“, sagt Schimmeyer, die Assistentin der Geschäftsleitung ist. Gerade jetzt, wo eine Erkältungswelle übers Land ziehe, die vor allem Kinder betreffe, sei es „sehr, sehr schlimm“, diese jungen Patienten nicht mit Antibiotika und Fiebersäften versorgen zu können. Auch Schimmeyer beschreibt die Lieferengpässe als bereits seit einigen Monaten bestehend. Eskaliert sei die Situation nun, weil akut viele Menschen von Atemwegserkrankungen betroffen sind.

Idee vom Medikamententausch: „Wohl Aprilscherz“

Das habe dazu geführt, dass inzwischen auch Hustensaft und Hustentropfen nicht mehr lieferbar seien. „Mehrere hundert verschiedene Artikel fehlen“, erklärt Schimmeyer. „Wahnsinn.“ Auch in den Schünemann-Apotheken habe man bereits Menschen mit Rezepten abweisen müssen.

Nicht nur in der Cosmas-Apotheke in Barßel, die zu den vier Schünemann-Apotheken im Nordkreis Cloppenburg gehört, gibt es derzeit dramatische Lieferengpässe bei Medikamenten. Foto: Passmann
Nicht nur in der Cosmas-Apotheke in Barßel, die zu den vier Schünemann-Apotheken im Nordkreis Cloppenburg gehört, gibt es derzeit dramatische Lieferengpässe bei Medikamenten. Foto: Passmann

Den Vorschlag der Bundesärztekammer, die angesichts der Arzneimittelknappheit zum Teilen von Medikamenten in der Nachbarschaft aufgerufen hat, „kann man nur für einen Aprilscherz halten“, so Schimmeyer. „Das geht überhaupt nicht.“ Viele Medikamente hätten ähnliche Namen, aber ganz unterschiedliche Wirkmengen oder Anwendungsgebiete. Da könne man nicht einfach tauschen.

In den Schünemann-Apotheken versuche man die Engpässe aufzufangen, indem man selbst Medizin herstellt. Das sei jedoch nicht sofort möglich, weil auch für selbst angerührte Schmerz- und Fiebersäfte Substanzen fehlten, die momentan nicht lieferbar sind. „Die kommen frühestens im neuen Jahr“ befürchtet Schimmeyer. Um die selbst hergestellten Medikamente abzugeben, müssten die Ärzte entsprechende Rezepte ausstellen. Was das angeht, zeigt man sich in den Schünemann-Apotheken optimistisch. „Wir arbeiten eng mit den niedergelassenen Praxen zusammen. Die Kommunikation klappt da sehr gut“, versichert Schimmeyer.

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