Ankerplatz-Investorin enttäuscht  Viel Geld und Herzblut investiert – und jetzt gibt‘s nur noch Frust

| | 30.11.2022 11:43 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Silke und Niels Plaisir in ihrem Restaurant Ankerplatz. Das ist jetzt zum zweiten Mal vom Landkreis Leer geschlossen worden. Für das Unternehmer-Ehepaar ein emotionaler Härtetest. Foto: Janßen
Silke und Niels Plaisir in ihrem Restaurant Ankerplatz. Das ist jetzt zum zweiten Mal vom Landkreis Leer geschlossen worden. Für das Unternehmer-Ehepaar ein emotionaler Härtetest. Foto: Janßen
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Zum zweiten Mal ist das Restaurant der Rhauderfehnerin Silke Plaisir vom Landkreis geschlossen worden. Langsam, sagen sie und ihr Mann, verlören sie die Lust.

Rhauderfehn - Die letzten Monate haben ihr zugesetzt. Manchmal ist in ihrem Gesicht gut zu lesen, wie sehr die ganze Sache in ihr arbeitet: Der Ärger mit dem Landkreis, die Ungewissheit, wie es weitergeht. Silke Plaisir ist wütend. Traurig. Enttäuscht. Frustriert. „Man will etwas Schönes für den Ort schaffen. Hat Visionen. Und dann bekommt man nur Tritte.“

Die Unternehmerin hat vom Landkreis Leer 2019 die ehemalige Reilschule (früher Navigationsschule) ersteigert. Mit dem Ziel, darin ein Hotel und ein Restaurant zu eröffnen. Während die Bauarbeiten in den oberen Geschossen noch andauern, waren die Erdgeschoss-Räume schon im vergangenen Herbst hergerichtet. In einem Teil davon befindet sich jetzt das Restaurant Ankerplatz, das Plaisir im Oktober 2021 eröffnete. Der Blick des Gastes fällt auf historischen Ziegelstein, der aufwändig freigelegt wurde, auf liebevolle Details – maritime Gemälde, Seekarten, edle Holzmöbel. Besucher schwelgen in den sozialen Medien in Begeisterung: „Eine Perle“, heißt es da. „Ein Gewinn für Rhauderfehn“ und „Das ist eine Bereicherung“.

„Das Thema bestimmt derzeit alles“

Wenige Monate später mahnte der Kreis die Endabnahme für das gesamte Gebäude an und drohte mit Zwangsschließung des Restaurants. Einen Monat war die Gastronomie dicht, dann durfte sie wieder eröffnen. Jetzt, vor dem Weihnachtsgeschäft, legte der Kreis das Restaurant erneut still. Der Streit mit der Behörde geht weiter: Der Streit um eine Teilabnahme, um fehlende Statiken und mittlerweile um die Frage, ob der Kreis der Investorin ein mangelhaftes Gebäude verkauft hat. „Man fühlt sich dem so ausgeliefert“, sagt die Rhauderfehnerin.

Das Thema, sagt die Investorin, sei bestimmend, schwebe über allem. Im Bekanntenkreis, in der Familie. „Meine Mutter wohnt im Münsterland. Sie sitzt da und macht sich Gedanken.“ Die Schwiegermutter ist am Ort, bekommt noch mehr von den Ereignissen mit. „Das ist ganz schlimm für sie. Von der ersten Schließung im Frühjahr haben wir ihr erst mal gar nichts erzählt, weil da auch gerade ein Bruder meines Mannes gestorben war. Dieses Mal habe ich ihr am Wochenende nach der Schließung die Zeitung gebracht. Sie hat so geweint“, sagt Silke Plaisir.

„Ich habe schon genug Tränen vergossen“

Sie selbst habe viele schlaflose Nächte gehabt. „Und ich habe auch schon genug Tränen vergossen. Vor allem jetzt, nachdem das Restaurant zum zweiten Mal dicht gemacht wurde.“

Schlaflosigkeit und Tränen – darunter leidet ihr Mann nicht. Niels Plaisir ist auch der Rechtsbeistand seiner Frau. Er ist sicher, dass die ganze Angelegenheit zumindest finanziell nicht zur Katastrophe wird. Auch wenn der Leeraner Landrat Matthias Groote Plaisirs gegenüber schriftlich betont hatte, dass er den Kreis aufgrund einer Klausel im Kaufvertrag nicht in der Haftung sieht: Der Anwalt ist sich sicher, dass aufgrund der Sachlage ein Rücktritt vom Kaufvertrag möglich ist. Und dass der Kreis diesem Fall auch die Investitionen seiner Frau ausgleichen müsste. „Wenn ich diese Gewissheit nicht hätte, dann sähe das ganz anders aus. Das wäre ein riesiges Fiasko“, sagt er.

Chefin will das Team zusammenhalten

Kummer genug bereitet die Situation trotzdem. „Wir hatten ja schon eine so lange Durststrecke“, sagt Silke Plaisir, die gegenüber des Ankerplatzes an der 1. Südwieke auch eine Anlage mit Ferienappartements betreibt. Corona und die Pandemie-Beschränkungen verursachten Einbußen. 2019 kaufte sie vom Landkreis das Gebäude, in dem früher die Navigationsschule, später die Reilschule untergebracht waren. Mit den Umbauten für das Restaurant und das noch geplante Hotel geriet die Investorin genau in die Corona-Phase. Im Spätherbst 2021 eröffnete Silke Plaisir zunächst schon mal das Restaurant im Erdgeschoss des Gebäudes. Im Frühjahr 2022 verfügte der Landkreis die Schließung, mit der Begründung, die Abnahme sei nicht erfolgt. Vier Wochen später wurde diese Verfügung ausgesetzt. „Die Mitarbeiter haben wir in der Zeit weiterbeschäftigt. Wir wollen das Team zusammenhalten“, sagt die Investorin. Denn zum einen seien gute Mitarbeiter gefragt, zum anderen seien ihr die Menschen auch ans Herz gewachsen.

„Die vier Wochen waren schlimm. Wir hatten Gäste in den Appartements, die hier frühstücken und Essen gehen wollten. Manche haben sich beschwert. Es war Saison, das Restaurant hätte voll sein können. Das Sommergeschäft war damit verhagelt.“

Millionen in das Projekt investiert

Und nun ist die Sorge um die Mitarbeiter wieder da. 25 Personen – Voll- und Teilzeitkräfte sowie ein Azubi in der Küche – sind es mittlerweile. „Die haben Familien. Weihnachten steht vor der Tür. Die Leute wollen Sicherheit, Geschenke kaufen. Jetzt das.“ Und die Gäste: Viele wollten im Advent im Restaurant feiern. Daraus wird nun nichts. Eine Adventsausstellung musste abgesagt werden. „Manchmal fragt man sich, was man sich da eigentlich antut“, so Niels Plaisir. Und wie lange man das noch mache. „Man kommt an eine Grenze, wo man sich nicht sicher ist, ob man das alles noch will. Jeder Unternehmer braucht Planungssicherheit.“ In den vergangenen Tagen hätten er und seine Frau durchaus darüber nachgedacht, die ganze Sache einfach aufzugeben. Und zwar nicht nur Hotel und Restaurant, sondern auch die bestehenden Ferienappartements. „Man verliert die Lust“, so Silke Plaisir.

Dabei steckt in dem Projekt viel Geld – rund 3,5 Millionen Euro für Kauf und Investitionen – wie auch ganz viel Herzblut. „Niels hat hier ein Jahr lang jedes Wochenende geschuftet. Vor der Eröffnung mal bis um 2 Uhr in der Nacht. Wir haben hier auf der Baustelle Picknick gemacht mit Tee und Brötchen und dann gleich weitergearbeitet“, erzählt Silke Plaisir.

Wie es nun weitergeht? Das Fragezeichen ist groß. Von vielen Gästen, die das Restaurant lieb gewonnen haben, gibt es Zuspruch für das Unternehmer-Ehepaar. Beim Glühwein auf der Außenfläche vor dem Restaurant, die laut Landkreis genutzt werden darf, gab es am Wochenende Trost und mutmachende Worte. „Das“, so Silke Plaisir, „gibt einem auch Kraft“.

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