Tourismus ist Wirtschaftsfaktor Ankerplatz-Streit: „Ohne Hotel ist Rhauderfehn ein armer Ort“
Der Förderverein Tourismus Rhauderfehn meldet sich mit Blick auf die Auseinandersetzung zwischen Kreis und Investorin zu Wort. Er stellt die Bedeutung des Hauses heraus.
Rhauderfehn - Rhauderfehn braucht qualifizierte Unterkünfte, ein gehobenes Restaurant und vor allem ein Hotel. Das macht der Förderverein Tourismus in einem Schreiben an diese Zeitung deutlich. In seiner Stellungnahme hebt das Gremium deutlich die große Bedeutung der Einrichtungen von Investorin Silke Plaisir in Rhauderfehn hervor.
Die derzeitige Auseinandersetzung des Unternehmer-Ehepaares Silke und Niels Plaisir mit dem Landkreis Leer sei zwar eine privatrechtliche Angelegenheit. „Aber die Folgen für den Fall der dauerhaften Schließung des Restaurants und damit der Nichteröffnung eines größeren Hotels in unserem Erholungsort sind von großem öffentlichem Interesse“, heißt es in dem Schreiben, das Helwig Weber, 2. Vorsitzender des Fördervereins, in Abstimmung mit dem Vorsitzenden Wilhelm Roßbach und weiteren Vorstandsmitgliedern ausgearbeitet hat. Der Verein bitte den Landkreis Leer deshalb, sich mit dem Ehepaar Plaisir an einen Tisch zu setzen, um eine im Sinne des Bauvorhabens wohlwollende, natürlich rechtlich einwandfreie Lösung zu suchen.
200 Millionen Umsatz durch Tourismus
Auf dem Urlaubsportal unter der Rubrik „Hotel/Pensionen“ finde man derzeit für Rhauderfehn nur die Pension Kruse. „Hotels sind dort nicht aufgelistet, weil es schlicht keine Hotels mehr gibt. Auch unter Gasthöfen sucht man in Rhauderfehn vergebens nach einer Unterkunft“, so Weber. Dabei seien Hotels bei vielen Touristen und Gästen, die eine Unterkunft für eine oder zwei Übernachtungen suchen, eine beliebte Form der Unterbringung.
Eine ausreichende Anzahl von Hotelbetten schaffe einen Mehrwert und wirke sich auf die Wirtschaft der Region aus. Der Landkreis Leer habe für das Jahr 2019 vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr an der Universität München ermitteln lassen, welchen Wirtschaftsfaktor der Tourismus im Feriengebiet Südliches Ostfriesland habe. „Hiernach kann man von einem jährlichen Bruttoumsatz von rund 200 Millionen Euro durch den Tourismus im Feriengebiet Südliches Ostfriesland, ohne Borkum, ausgehen“, führt Weber aus. Profiteure seien das Gastgewerbe (83,1 Millionen Euro), der Einzelhandel (68,7 Millionen Euro) und der Dienstleistungsbereich (34,1 Millionen Euro). Hinzu komme ein Anteil für den nicht ermittelten, aber geschätzten Verwandten- und Bekanntenbesuch (rund 15 Millionen Euro). „Diese Zahlen machen sehr deutlich, dass unsere Gemeinde auch vom Tourismus lebt.“
Anerkennung als Erholungsort in Gefahr
Noch sei Rhauderfehn ein staatlich anerkannter Erholungsort. Doch für die weitere Anerkennung seien auch Hotelbetten und Unterkünfte in Gasthöfen im Ort vorzuhalten – und zwar überwiegend mit mittlerer und gehobener Qualität.
Die Folgen für den „Erholungsort“ hatte auch Bürgermeister Geert Müller dieser Tage auf Anfrage dieser Zeitung herausgestellt: Er gehe davon aus, „dass das Prädikat Erholungsort Rhauderfehn ohne das unternehmerische touristische Wirken der Familie Plaisir irgendwann aberkannt werden würde, da wir schlicht und einfach ohne die dort vorhandenen und zertifizierten Unterkünfte eine wesentliche Voraussetzung für die Prädikatisierung verlieren würden.“
Kaum Interesse bei anderen Investoren
Der Förderverein Tourismus betont: „Das Ansinnen von Silke Plaisir, in Rhauderfehn die ehemalige Navigationsschule von Westrhauderfehn in ein Hotel umzugestalten, ist für die Weiterentwicklung des Tourismus eine große Chance für unseren Erholungsort.“
Nach Angaben des Vereins werde seit Jahren vergeblich versucht, in Rhauderfehn ein neues Hotel anzusiedeln. „Da sich das Interesse der Hotelbetreiber vor allem auf Städte konzentriert, die mehr als 100.000 Übernachtungen haben, sind kleinere Kommunen wie Rhauderfehn für größere Hotelbetriebe kaum von Interesse.“ Das unternehmerische Wirken des Ehepaares Plaisirs sei für Rhauderfehn somit eine besondere Gelegenheit, doch ein Hotel zu bekommen.
Platz für größere Busreisegruppen
Rhauderfehn habe eine Vielzahl Ferienhäuser und Ferienwohnungen in guter Qualität mit hervorragenden Vermieterinnen und Vermietern, aber das allein reiche nicht, um ein gutes Beherbergungsangebot vorzuhalten. In dem von Silke Plaisir geplanten Hotel entstünden so viele Betten, dass hier eine größere Busreisegruppe übernachten könne. „Das eröffnet für den Tourismus für Rhauderfehn neue Möglichkeiten, da dieses Segment jetzt beworben werden kann.“ Und: „Das Gastgewerbe trägt überdurchschnittlich zur Beschäftigung in dünn besiedelten ländlichen Regionen bei und ist eine vielseitige Ausbildungsbranche.“
Aus Sicht des Fördervereins Tourismus Rhauderfehn e.V. kann sich der Tourismus im Erholungsort Rhauderfehn ohne Hotelbetten oder ohne eine Unterbringungsmöglichkeit in einem Gasthof nicht wirklich weiter entwickeln. „Da nicht abzusehen ist, dass ein anderer Investor ein Hotel in Rhauderfehn errichten wird, dass weitere Wohnmobilstellplätze entstehen und auch kein Campingurlaub in unserem Erholungsort ermöglicht werden soll, ist Rhauderfehn ohne Hotel nach Ansicht des Vereins ein armer Erholungsort, da er dem Gast außer der Unterbringung in einem Privatquartier nichts anbieten kann.“
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