Strücklinger im Fußball-Fieber WM-Schmuck und Weihnachtsdeko im Duell
Denis Widder aus Strücklingen lebt in diesen Tagen seine Verbundenheit mit dem DFB-Team aus. Dazu gehört auch eine spezielle Trikot-Tradition.
Strücklingen - Im Garten hängt eine Girlande mit Wimpeln in Schwarz-Rot-Gold. Ein paar Meter weiter hat Denis Widder zwei Deutschland-Fahnen am Zaun befestigt. Noch geschmückter als der Garten sind die Autos des Strücklingers. Während er bei den Außenspiegeln und Kopflehnen des einen Fahrzeugs einen Überzug in Deutschland-Farben überstreifte, brachte er am anderen Fahnen an den Fenstern sowie Magnet-Flaggen an den Türen und auf der Motorhaube an. Auch im Inneren hat Denis Widder dekoriert – selbst auf den schwarz-rot-goldenen Sonnenschutz wollte er nicht verzichten. „Ich bin in WM-Stimmung und heiß wie Frittenfett. Ich freue mich auf tollen Fußball in den kommenden Wochen und vor allem auf die Auftritte der deutschen Mannschaft – hoffentlich werden es noch mehr als zwei“, sagt der 38-Jährige.
Während der vergangenen großen Fußball-Turniere war Denis Widder mit dem Schmücken einer von vielen – wenn vielleicht auch nicht in diesem Ausmaß. Doch in diesem Jahr ist das anders. Auf den Straßen, den großen Parkplätzen und Siedlungen der Region ist nicht zu erkennen, dass gerade die Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen wird. Die Weihnachtsdeko wird rausgeholt, die Accessoires in Schwarz-Rot-Gold dagegen zumeist in der Schublade gelassen. Vor allem die Umstände im Gastgeberland Katar, aber wohl auch der Zeitpunkt im Winter und zuletzt die Eskalation mit der FIFA wegen der „One Love“-Binde tragen ihren Teil dazu bei, dass die Deutschen ihren Patriotismus diesmal nicht so zeigen wie bei den vorherigen Europa- und Weltmeisterschaften.
Diskussionen berechtigt – aber nicht jetzt
Auch Denis Widder hält das „ganze Drumherum bei dieser WM für nicht richtig“, doch sagt er auch: „Es ist das größte Fußball-Event der Welt, das gibt es nur alle vier Jahre. Da möchte ich meine Leidenschaft für den Fußball ausleben – und mich als Deutschland-Fan kenntlich zeigen.“ Die vielen Diskussion in den vergangenen Tagen rund um die WM kann Widder vom Grundsatz her völlig verstehen. „Der große Fehler wurde aber schon vor zwölf Jahren mit der Vergabe nach Katar gemacht. Es gab also genug Zeit für Kritik und Diskussionen. Jetzt in den vier Wochen während der WM sollte aber der Sport als solcher im Mittelpunkt stehen“, vertritt der Verteidiger des Cloppenburger Kreisligisten SV Strücklingen eine klare Meinung.
So richtig in WM-Stimmung kam Widder am vergangenen Wochenende – verhältnismäßig spät für den 38-Jährigen, der früher für Ihrhove und Papenburg in der Landesliga aufgelaufen war. „Meine Frau hatte die Weihnachtsdeko rausgeholt – und ich hatte meine Ecke mit den Deutschland-Sachen“, erzählt Denis Widder mit einem Schmunzeln. Im Haus setzte sich vorrangig das „Team Weihnachten“ durch, also seine Frau Christiane Widder. „Ich habe im Büro aber Wimpel angebracht und eine kleine Fahne auf den Schreibtisch gestellt“, sagt Denis Widder. Draußen dominiert dagegen eher der WM-Schmuck, vor allem an und in den Autos.
Widder hofft auf Nachahmer
„Ich habe – abgesehen von unseren – bisher noch keine Autos gesehen, bei denen etwas in Schwarz-Rot-Gold angebracht war“, sagt der Mitarbeiter der Meyer-Werft. Manche, die auf dem Werftparkplatz in Papenburg an seinem Auto in Deutschland-Tracht vorbeigelaufen sind, hätten mit dem Kopf geschüttelt, sagt er. „Andere haben aber auch einen Daumen hoch gezeigt“, sagt Widder. „Das macht mir Hoffnung, dass bald auch andere an ihren Autos Fanartikel anbringen.“ Entscheidend sei nun das Abschneiden der deutschen Mannschaft. „Je weiter unser Team kommt, desto mehr Deutsche kommen auch in WM-Stimmung und zeigen das hoffentlich auch.“ Die 1:2-Niederlage zum Auftakt gegen Japan war da natürlich ein echter Dämpfer.
Denis Widder hat das erste Gruppenspiel der DFB-Elf mit ein paar Freunden in einer Kneipe in Papenburg gesehen. Da die Partie um 14 Uhr angepfiffen wurde, hatte sich der Strücklinger extra einen halben Tag Urlaub genommen. Verfolgt hat er die Partie im Deutschland-Trikot mit der Nummer 9. Diese trägt der Bremer Niclas Füllkrug. „Als leidenschaftlicher Werder-Fan war klar: Das Trikot musste ich mir holen. Füllkrug ist der erste deutsche WM-Fahrer von Werder seit 2010. Zum Glück kam das Trikot am Dienstag rechtzeitig an.“
Zu jeder EM und WM hat sich Denis Widder das aktuelle Trikot der deutschen Nationalmannschaft gekauft. 2014 sogar zwei – sogar mit demselben Spielernamen hinten drauf: dem des ehemaligen Bremers Mesut Özil. „In dem Jahr sind wir ja Weltmeister geworden. Da wollte ich nicht nur das Trikot mit den drei Sternen, sondern auch das mit vier Sternen haben“, erklärt Denis Widder. Ein Traum wäre für ihn, sich zu Weihnachten auch noch mal ein Füllkrug-Trikot anzuschaffen: nach einem Titelgewinn der Deutschen eines mit einem fünften Stern über dem DFB-Wappen. Die Hoffnung dafür lebt noch.