Nachruf  Saterländer Conrad Niemeyer gestorben

| | 22.11.2022 15:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
2020 verlieh die Gemeinde Saterland Conrad Niemeyer - hier mit seiner Ehefrau Elisabeth - die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde. Im September 2022 bekam der Verstorbene auch die Ehrenbürgerwürde der polnischen Partnergemeinde des Saterlands verliehen, der Stadt- und Landgemeinde Sroda Slaska. Archivfoto: Kruse
2020 verlieh die Gemeinde Saterland Conrad Niemeyer - hier mit seiner Ehefrau Elisabeth - die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde. Im September 2022 bekam der Verstorbene auch die Ehrenbürgerwürde der polnischen Partnergemeinde des Saterlands verliehen, der Stadt- und Landgemeinde Sroda Slaska. Archivfoto: Kruse
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Der Landwirt aus dem Saterländer Ortsteil Bollingen wurde 88 Jahre alt. Er war Ehrenbürger des Saterlands und von dessen Partnergemeinde Sroda Slaska in Polen. Die Trauer um den Verstorbenen ist groß.

Saterland - Das Saterland trauert um seinen Ehrenbürger Conrad Niemeyer. Der Strücklinger Landwirt ist in der Nacht von Sonntag zu Montag im Alter von 88 Jahren gestorben. Niemeyer hatte sich über einen Zeitraum von fast 40 Jahren im Saterländer Gemeinderat politisch eingebracht. Zudem war er seit der Gründung Mitglied des Heimatvereines Seelter Buund, und er war Gründungsmitglied des Bürgervereines Strücklingen gewesen, der damals Orts- und Verkehrsverein hieß. 15 Jahre lang hatte Niemeyer den Vorsitz geführt, seit 2010 war er Ehrenvorsitzender gewesen.

Besonders verdient gemacht hatte sich Niemeyer um das Saterfriesische. Zu seinem Tod äußert der Saterfriesisch-Beauftragte der Gemeinde, Henk Wolf, eigene Gedanken: „Letzte Woche haben er und ich noch miteinander gesprochen. Wie so oft habe ich ihn mit einer Frage zur saterfriesischen Sprache angerufen. Es bereitete ihm immer Spaß, über seine Muttersprache zu sprechen, und er beherrschte das Seeltersk so wunderbar.

„Kurt war in vielerlei Hinsicht ein Riese“

Letzten Winter trafen er und ich uns fast jede Woche im Strukeljer Mandehuus, wo er als treuer Stammgast der saterfriesischen Sprechstunde viele wunderbare Geschichten über seine Sprache und seine Heimat erzählte. Jetzt ist er nicht mehr unter uns: Conrad Niemeyer, für seine Freunde Kurt. Freunde hatte er viele, denn, er war einer der liebenswertesten Menschen, denen ich je begegnet bin. Kurt war in vielerlei Hinsicht ein Riese. Er war groß, aus der Ferne sah man immer schon, ob Kurt sich in einer Gesellschaft befand. Sein hohes Alter hatte ihm kaum etwas von seiner beeindruckenden Gestalt genommen. Auch durch seinen Einsatz für sein geliebtes Saterland war er übergroß. Kurt hat viele Ehrungen erhalten, darunter das Bundesverdienstkreuz, die Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Saterland, die goldene Ehrennadel vom Städte-und-Gemeinde-Bund und die Ehrenmitgliedschaft des Seelter Buund.

Niemand wusste mehr als er über typisch saterländische Sachen wie die Hausnamen, die im Saterland als Familiennamen funktionierten, über den Verlauf alter Straßen, über das von Mythen umgebene Moor und Hausmittel gegen alle möglichen Krankheiten.

Sein Wissen wird weiterleben

Einige Gespräche habe ich aufgezeichnet, damit sie nicht verloren gehen und mehrere meiner Zeitungskolumnen basieren auf den Mandehuus-Gesprächen mit Kurt Niemeyer. Auch die Sprachwissenschaftler der Fryske Akademy, die dieses Jahr mit vielen Sprachfragen ins Saterland gereist sind, fanden bei ihm eine wunderbare Quelle des Wissens - ein Wissen, das auch in der saterfriesischen Grammatik, die diese Woche erscheint, weiterlebt.

Über Kurt Niemeyer kann man einfach ein Buch vollschreiben, aber eine kleine Anekdote möchte ich hier erwähnen: Kurt betonte nämlich immer, dass er in Bollingen wohne, nicht in Strücklingen, auch wenn Bollingen offiziell zu Strücklingen gehört. Früher waren es deutlich getrennte Bauerschaften, und Curt erzählte mit einigem Stolz, wie Bollinger früher die näher heranrückenden Straßenschilder mit dem Ortsnamen Strücklingen auf Bollinger Boden ständig in der Nacht entfernten und sie wieder an die historische Grenze des altern Strücklingen hinstellten. Und: Bollingen hieß auch Saterfriesisch Baalenje, nicht Boaljene - letzters sagten die Ramsloher. Kurt hat sich sicherlich über die neuen Schilder gefreut, die dieses Jahr aufgestellt wurden und die statt Strücklingen/Strukelje die Aufschrift Bollingen/Baalenje tragen. Leider habe ich Kurt Niemeyer nur zwei Jahre kennen dürfen. Ich kann mir kaum eine Vorstellung davon machen, wie er den Menschen, die ihn soviel länger gekannt haben, fehlen muss“, so Wolf.

Niemeyer engagierte sich vielfältig im und für das Saterland

2012 war Conrad Niemeyer mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. 2020 verlieh ihm die Gemeinde Saterland auf einstimmigen Beschluss des Gemeinderates die Ehrenbürgerwürde.

Im September 2022 war er von der Stadt- und Landgemeinde Sroda Slaska in Polen, mit der das Saterland seit 2002 eine Partnerschaft pflegt, mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet worden. Dies geschah in Sroda Slaska, wohin Niemeyer mit einer Delegation aus dem Saterland gereist war. Engagiert hatte sich Niemeyer außerdem im oldenburgischen Heimatbund und bei der Oldenburgischen Landschaft, in der Jagdgenossenschaft sowie im Aufsichtsrat der Raiffeisenbank Strücklingen-Idafehn.

Der Verstorbene hinterlässt seine Ehefrau Elisabeth, vier Kinder, zwölf Enkel und vier Urenkel. Wer sich von Niemeyer verabschieden möchte, hat dazu bei einer Lichterandacht in der Strücklinger Kirche St. Georg Gelegenheit, die an diesem Donnerstag ab 19 Uhr stattfindet. Beigesetzt wird Conrad Niemeyer am Sonnabend, 26. November, um 10.30 Uhr auf dem Strücklinger Friedhof mit anschließender Eucharistiefeier.

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