Soziales  Wie ein Wildschwein 13.270 Euro in Spendenbox für Flutopfer spült

| | 11.11.2022 16:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Treibt die Gebote in die Höhe: Auktionator Franz Wessendorf ließ den Hammer erst bei 13.270 Euro fallen. Foto: Gabriele Henneberg
Treibt die Gebote in die Höhe: Auktionator Franz Wessendorf ließ den Hammer erst bei 13.270 Euro fallen. Foto: Gabriele Henneberg
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Aus einer zufälligen Begegnung am Urlaubsort entstand eine Hilfsaktion in Thüle. Psychisch Kranke profitieren nun davon. So hat sich die Geschichte zugetragen.

Thüle/Friesoythe - Aus einer kleinen Begegnung kann mitunter Großes entstehen: Das Kennzeichen des Motorrades von Hiltrud Witte fiel einer Bewohnerin von Bad Neuenahr-Ahrweiler auf. „CLP, wofür steht das?“, wollte Ursula Klar von der Urlauberin, die sie vor einem Café traf, wissen. So begann ein Gespräch, das Folgen haben sollte. Denn die eine suchte Hilfe, und die andere konnte sie leisten.

Fakten: Carl von Ehrenwall gründete 1877 mit 22 Jahren die Klinik in Ahrweiler

Sie ist bis heute im Familienbesitz.

Der Gründer hatte die Vision eines „in jeder Beziehung vollendeten Heims“ für seine Patienten.

Bilder von den Zerstörungen der Klinik gibt es auf www.ehrenwall.de

Klar ist Mitglied des Fördervereins der Dr.-von Ehrenwall’schen-Klinik in dem rheinland-pfälzischen Weinort, der im vergangenen Jahr so sehr von der Flutkatastrophe betroffen war. Auch das private Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Neurologie in Ahrweiler blieb von den Fluten nicht verschont und wurde in großen Teilen zerstört.

Die Gebote auf der Auktion überschlugen sich

Die Cloppenburgerin bot ihrer neuen Bekannten die Hilfe des Rotary-Clubs Friesoythe-Artland-Cloppenburg (RC FAC) an. Hiltrud Witte ist die derzeitige Präsidentin des Clubs. Ihre Idee: Der Erlös des diesjährigen „Hubertusspieß“, eine Amerikanische Versteigerung eines Wildschwein-Essens, die regelmäßig im Tier-und Freizeitpark Thüle stattfindet und wozu der RC FAC auch Mitglieder anderer Clubs aus der Region einlädt, sollte den Patienten der Klinik zugute kommen.

Am Mittwochabend überschlugen sich dann die Gebote, und schließlich ließ Auktionator Franz Wessendorf den Hammer bei 13.270 Euro für den Rotary-Club aus dem niederländischen Huizen, der nach einer erbitterten Bieterschlacht das finale Gebot abgegeben hatte, fallen. In dem niederländischen Partnerclub des FAC wird es demnächst also nicht nur ein deftiges Wildschweinessen geben. Für 1 Jahr schmückt auch die vom Friesoyther Kunstschmied gestaltete Saufeder, der „Hubertusspieß“, das Huizener Clublokal

Vorsitzende ist überwältigt

Die Vorsitzende des Fördervereins, Heike Heideck, ist überwältigt von dem Ergebnis, mit dem sie nicht gerechnet hatte. „Das war einfach irre, was ihr gemacht habt“, sagt sie in Richtung des Clubs. Heideck hat schon konkrete Vorstellungen, wofür sie die Spenden einsetzen möchte. „Wir brauchen vor allem Blutdruckmess- und EKG-Geräte für die Patienten“, sagt sie. Dringend benötigt würden auch Computer für das kognitive Training der Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung.

Ist überwältigt: die Vorsitzende des Fördervereins, Heike Heideck. Screenshot: Kaiser
Ist überwältigt: die Vorsitzende des Fördervereins, Heike Heideck. Screenshot: Kaiser

Außerdem wolle der Förderverein die Mietkosten für die Sporttherapie sponsern. Weil die eigene Sporthalle den Fluten zum Opfer gefallen ist, mussten externe Räume angemietet werden. Geld werde auch benötigt, um die Fahrten zur Tagesklinik in Adenau zu unterstützen. „Bei den hohen Spritpreisen können sich viele Patienten die Fahrt nicht mehr leisten“, erklärt Heike Heideck, die im Hauptberuf Kaufmännische Direktorin der Klinik ist.

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