Flüchtlingssituation  Barßel sucht Helfer für Willkommenskultur

| | 10.11.2022 20:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Flüchtlinge aus der Ukraine stehen nach ihrer Ankunft in Deutschland am Messebahnhof von Hannover an einem Informationsschalter. Die steigende Zahl der Geflüchteten aus der Ukraine stellt kommunale Verwaltungen vor Herausforderungen - auch im Nordkreis Cloppenburg. Foto: Spata/DPA
Flüchtlinge aus der Ukraine stehen nach ihrer Ankunft in Deutschland am Messebahnhof von Hannover an einem Informationsschalter. Die steigende Zahl der Geflüchteten aus der Ukraine stellt kommunale Verwaltungen vor Herausforderungen - auch im Nordkreis Cloppenburg. Foto: Spata/DPA
Artikel teilen:

Die vielen Flüchtlinge stellen die Kommunen im Nordkreis Cloppenburg vor Herausforderungen. Die Gemeinde Barßel sucht Freiwillige, die Flüchtlingen die Ankunft am neuen Lebensmittelpunkt erleichtern.

Barßel - Viel Arbeit haben Barßels Ordnungsamtsleiter Dennis Lüthje und sein Team wegen der Unterbringung von Flüchtlingen im Gemeindegebiet. 38 Asylbewerber wohnen aktuell in der Gemeinde. Außerdem sind dort 113 Ukrainerinnen und Ukrainer gemeldet. Bis Ende März 2023 ist für die Gemeinde Barßel die Zuweisung weiterer 167 Geflüchteter vorgesehen. Im Moment, so Lüthje, stünden der Gemeinde 34 freie Wohnplätze zur Verfügung - viel zu wenige für all diese Menschen. Wegen weiteren Wohnraums verhandelt Barßels Ordnungsamtsleiter noch.

Vor Herausforderungen sieht Barßels Ordnungsamtsleiter Dennis Lüthje sich und sein Team wegen der vielen Flüchtlinge gestellt, die der Gemeinde bis Ende März 2023 als Kontingent zugewiesen worden sind. 150 geflüchtete Menschen leben aktuell im Gemeindegebiet. In den kommenden Monaten sollen 167 weitere hinzukommen. Foto: Fertig
Vor Herausforderungen sieht Barßels Ordnungsamtsleiter Dennis Lüthje sich und sein Team wegen der vielen Flüchtlinge gestellt, die der Gemeinde bis Ende März 2023 als Kontingent zugewiesen worden sind. 150 geflüchtete Menschen leben aktuell im Gemeindegebiet. In den kommenden Monaten sollen 167 weitere hinzukommen. Foto: Fertig

Generell gilt die Maxime von Barßels Bürgermeister Nils Anhuth: Auf der Suche nach Wohnraum prüfe die Gemeinde alles, was angeboten wird. Man sei auch froh über Wohngebäude im Außenbereich. „167 Menschen sind eine Anzahl, die man im Rathaus nicht gelassen sieht“, so der Verwaltungschef. Sie alle angemessen unterzubringen und zu versorgen, sei „eine große Herausforderung“, die zu bewältigen im Ordnungsamt angesiedelt sei. Lüthje erläutert, dass er bei der Belegung von Wohnungen Fingerspitzengefühl walten lasse, weil Menschen unterschiedlicher Herkunftsländer, religiösen oder kulturellen Hintergrunds auf engem Raum nicht unbedingt alle gut miteinander auskämen.

Auf der Suche nach Freiwilligen

Bei der Hilfe zur Selbsthilfe von Geflüchteten setzt die Gemeinde Barßel auf Helfer vor Ort. Neben den Ämtern, die für die Leistungsgewährung zuständig sind, wäre es gut, wenn Menschen, die vor Krieg und Not geflohen sind, in Alltagsfragen beraten werden, sei es, was Einkaufsmöglichkeiten, ärztliche Versorgung, Nahverkehr oder den Schulbesuch der Kinder bis hin zur Mülltrennung angeht, erläutert Ordnungsamtsleiter Lüthje. Er startet deshalb einen Aufruf, Flüchtlinge in Barßel zu unterstützen.

Während der Flüchtlingskrise 2015 stand in Barßel zeitweise ein Team von 33 Ehrenamtlichen bereit, um Menschen zu empfangen und ihnen den Start zu erleichtern. Nun erhofft man sich im Rathaus, erneut freiwillige Helfer für diese Willkommenskultur zu finden. „Das ist eine sehr gute Sache“, wirbt Bürgermeister Anhuth. Die Freiwilligen würden geschult und übernähmen so etwas Ähnliches wie Patenschaften, damit die Flüchtlinge stets denselben Ansprechpartner hätten. Wer sich einbringen möchte, kann sich unter 04499/8121 an Amtsleiter Lüthje wenden.

Saterland bekommt 150 zusätzliche Flüchtlinge zugewiesen

Freiwillige Helfer für Willkommenskultur sucht man im Saterland noch nicht, sagt dessen Bürgermeister Thomas Otto. Doch auch dort steige die Anzahl derer, die im Gemeindegebiet untergebracht werden müssen. Derzeit seien im Saterland 238 Ukrainerinnen und Ukrainer registriert. Hinzu kämen Geflüchtete anderer Herkunftsländer. Bis Ende März soll die Gemeinde weitere 150 Menschen aufnehmen.

Aus den Rathäusern beider Nordkreisgemeinden wird berichtet, dass einige Hausbesitzer am liebsten nur an Ukrainerinnen mit und ohne Kinder vermieten wollen und sich für Menschen anderer Regionen, aus denen überwiegend junge Männer nach Deutschland kommen, weniger offen zeigen.

Insgesamt bis Ende März 1700 weitere Menschen ins Kreisgebiet

„Die Unterbringung von geflüchteten Menschen aus der Ukraine und weiteren Krisengebieten stellt den Landkreis Cloppenburg und die kreisangehörigen Städte und Gemeinden vor enorme Herausforderungen“, teilt Kreissprecher Frank Beumker mit. Das Niedersächsische Ministerium Innenministerium habe mit Erlass vom 27. September die Verteilquoten für die Zuweisung von Flüchtlingen und Asylbewerbern bekanntgegeben.

Dem Landkreis Cloppenburg wurde ein Aufnahmekontingent von 1.700 Personen für die kommenden sechs Monate zugewiesen. Diese teilt der Landkreis wiederum auf seine 13 Städte und Gemeinden auf.

Wohnungen im Kreisgebit gesucht

Cloppenburg - In enger Absprache hätten die Kreisverwaltung Cloppenburg sowie die Verwaltungen der 13 Kommunen im Kreisgebiet vereinbart, schnell und mit vereinten Kräften für weitere Unterbringungsmöglichkeiten für Geflüchtete aus der Ukraine und anderen Ländern zu sorgen. So schildert es Kreissprecher Frank Beumker. In den vergangenen Monaten sei es gelungen, rund 2.700 Geflüchtete aus der Ukraine im Landkreis Cloppenburg aufzunehmen. Hinzu kamen etwa 440 Asylbewerber aus anderen Ländern.

Die vom Kreis eingerichtete Notunterkunft in Lastrup für Geflüchtete aus der Ukraine wird seit Anfang August immer häufiger beansprucht und schafft einen Kapazitätspuffer von bis zu 430 Plätzen, die allerdings nur zur vorübergehenden Unterbringung geeignet sind. Bei der zusätzlichen Aufnahmequote von rund 1.700 Personen, die das Land dem Landkreis Cloppenburg zugewiesen hat, geht die Kreisverwaltung davon aus, dass es sich dabei überwiegend um Menschen aus der Ukraine handelt.

Wer Wohnungen anbieten möchte, kann auf der Homepage des Landkreises Cloppenburg ein unverbindliches Angebot unterbreiten. Zu finden ist das auszufüllende Dokument unter diesem Link https://lkclp.de/aktuelles-presse/ukraine-fragen-und-hilfsangebote/ukraine-wohnungs-bzw.uebersetzungsang.php. Wer diesem Link nicht folgen kann, erreicht das Formular auch direkt über die Startseite der Landkreis-Homepage www.lkclp.de, indem auf den Button „Ukraine – Fragen und Hilfsangebote“ geklickt wird. Fragen zu den Wohnraumangeboten werden unter den Telefonnummern 04471/159056 und 04471/159057 beantwortet.

Ähnliche Artikel