1:3-Niederlage in Delmenhorst  Kickers Emden hadert nach dem stimmungsvollen Derby

| | 06.11.2022 12:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Rund 150 Fans im Emder Fanblock unterstützten ihre Mannschaft lautstark. Kickers-Fanbeauftragter Philipp Hardtke, der vertretungsweise den Vorsänger machte, stimmte zahlreiche Lieder an. Fotos: Doden, Emden
Rund 150 Fans im Emder Fanblock unterstützten ihre Mannschaft lautstark. Kickers-Fanbeauftragter Philipp Hardtke, der vertretungsweise den Vorsänger machte, stimmte zahlreiche Lieder an. Fotos: Doden, Emden
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Auch wenn es nicht die von Atlas erhoffte Rekordkulisse wurde: Die Atmosphäre war prächtig. Die Fanlager duellierten sich mit Gesängen.

Delmenhorst - Im Stadion Düsternort in Delmenhorst haben sich am Sonnabend Atlas Delmenhorst und Kickers Emden nicht nur auf dem Rasen duelliert – sondern auch auf der Tribüne. Beide Fanlager stichelten mit Äußerungen gegen das jeweils andere. Sie haben mit ihren Gesängen für mächtig Stimmung im Derby der Fußball-Regionalliga Nord gesorgt. Ein Sieger war in diesem „Fan-Duell“ nicht auszumachen. Auf dem gut bespielbaren Grün zog Kickers Emden vor 1100 Zuschauern dagegen den Kürzeren. Mit 1:3 unterlag die Mannschaft von Trainer Stefan Emmerling beim Rivalen. Nach einem Doppelschlag zwischen der 34. und 37. Minute hatte sich Atlas eine Zwei-Tore-Führung erspielt, Tido Steffens verkürzte kurz vor der Pause per Foulelfmeter. In der Nachspielzeit, als Kickers alles nach vorne warf, traf Delmenhorsts Marco Stefandl zum 3:1-Endstand.

Nach dem Elfmetertor von Tido Steffens (rechts) zum 1:2 keimte Hoffnung bei Emden auf. Es agierte fortan mutiger und stand hinten sicherer.
Nach dem Elfmetertor von Tido Steffens (rechts) zum 1:2 keimte Hoffnung bei Emden auf. Es agierte fortan mutiger und stand hinten sicherer.

Stefan Emmerling war mit der Leistung seiner Elf – vor allem in der zweiten Halbzeit – durchaus zufrieden. Er haderte nach der Niederlage aber mit zwei Dingen. Zum einen mit mutmaßlichen Schiedsrichter-Fehlentscheidungen und zum anderen mit der eigenen Chancenverwertung. „Ich habe Informationen bekommen, dass zwei Tore abseits gewesen sein sollen. Wenn das so ist, wäre das natürlich sehr bitter“, sagte Emmerling. „In der zweiten Halbzeit waren wir meiner Meinung nach dem 2:2 näher als Delmenhorst dem 3:1. Tido Steffens hat eine Riesenmöglichkeit, André N´Diaye muss direkt schießen.“

Spieldaten

Emden: Djokovic; Dassel, Eilerts, Konda (86. Bamezon), Braun, N´Diaye, Sillah, Köster (80. Issa), Adeniran, Steffens, Jabateh (64. Niehues)..

Tore: 1:0 Trianni (34.), 2:0 Touray (37.), 2:1 Steffens (Foulelfmeter, 44.), 3:1 Stefandl (90. +3).

„Warum seid ihr so leise?“

Atlas-Coach Key Riebau fiel dagegen nach dem Schlusspfiff eine gewisse Last ab: „Beide Teams stecken in einer schweren Phase. Wir hatten die vergangenen drei Spiele verloren, sind sieben in Folge sieglos gewesen. Da ist dieser Dreier enorm wichtig – für die Tabelle und für den Kopf.“ Atlas konnte durch den Sieg den Anschluss ans Tabellenmittelfeld wahren, Kickers ist weiter mit sieben Punkten und sieben Punkten Abstand auf den Vorletzten Ligaschlusslicht.

Während Delmenhorst in der ersten Halbzeit feldüberlegen war, boten sich die Fanlager ein Duell auf Augenhöhe. Von Beginn an trieben sie ihre Mannschaften lautstark an. Nach 13 Spielsekunden hallte es „Vorwärts, Emden!“ aus dem mit etwa 150 Personen besetzten Kickers-Block. Die Atlas-Anhänger auf der Haupttribüne ließen sich nicht lange bitten und antworteten mit einem „Auf geht’s, SV Atlas“. In der sechsten Minute wurde erstmals gegeneinander gestichelt, die Atlas-Fans stimmten ein „Scheiß Kickers Emden“ an. „Warum seid ihr so leise?“, riefen daraufhin die Emder in Kombination mit einem Schimpfwort. So und so ähnlich ging es immer wieder hin und her.

Nicht zu glauben: Trotz mehrerer guter Chancen blieb Kickers in der zweiten Hälfte ohne Treffer. Kurz vor diesem Foto hatte Marvin Eilerts knapp vorbei geköpft.
Nicht zu glauben: Trotz mehrerer guter Chancen blieb Kickers in der zweiten Hälfte ohne Treffer. Kurz vor diesem Foto hatte Marvin Eilerts knapp vorbei geköpft.

Chancen zum Emder Ausgleich waren da

In der zweiten Halbzeit wurde mit Nick Köster ein Emder Spieler von den Delmenhorster Anhängern direkt angesprochen: „Köster, du Arschloch.“ Der Emder, der im Sommer von Atlas gewechselt war, sah das aber nicht als Angriff gegen seine Person. „Sowas gehört im Fußball dazu. Da musst du drüber stehen“, sagte der 31-Jährige. Wirklich böse gemeint war das von den Atlas-Fans offenbar auch nicht, schließlich sangen sie nach dem Spiel „Köster in den Block“. Dem kam der einstige Delmenhorst-Kapitän nicht nach – er hatte diese Rufe auch nicht wahrgenommen, wie er sagte. Wie Köster werteten auch beide Trainer die Fan-Äußerungen nicht als grenzwertig. „Es blieb alles im Rahmen“, sagte Emmerling. „Sticheleien gehören dazu, vor allem in Derbys“, empfand Key Riebau. Statt Kritik sprachen sie ihren Anhängern vielmehr einen Dank für die lautstarke Unterstützung aus. Einmal hat es sogar Wechsel-Sprechgesänge zwischen den Emder Fans im Block und den anderen im Stadion gegeben.

Die Stimmung im Stadion übertrug sich auch auf den Rasen. Es war eine intensive Partie mit vielen Fouls. Für eines von Emdens Corvin Braun sah fälschlicherweise Rückkehrer Köster die Gelbe Karte (32.). Kurz danach schlugen die Gastgeber durch Mattia Trianni (34.) und Ousman Touray (37.) aus der Überlegenheit Kapital. Es waren zwei toll herausgespielte Treffer. Kurz vor der Pause wurde Tido Steffens von Atlas-Keeper Eike Bansen gefoult, den fälligen Strafstoß verwandelte Steffens zum wichtigen Anschlusstor.

Das hat offenbar Auftrieb gegeben. So waren es die Emder, die in der zweiten Halbzeit tonangebend waren und die besseren Chancen hatten. Die größten hatten Steffens, der im Eins-gegen-Eins-Duell am Torwart scheiterte, und zweimal Andre N´Diaye. Auch ein Eilerts-Kopfball fand nicht den Weg ins Tor. Hinten ließ Emden – bis zur Schlussphase, in der Kickers alles nach vorne warf – nichts Nennenswertes mehr zu. „Wir mussten uns zu Beginn erst finden, haben dann aber fast alles wegverteidigt“, sagte Yanic Konda, der erstmals als Innenverteidiger aufgeboten wurde. „Leider haben wir uns am Ende nicht belohnt.“

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