Neu für die CDU im Leineschloss Lukas Reinken – Lockermachen für den Landtag
Am 9. Oktober holte der CDU-Mann Lukas Reinken aus Friesoythe das Direktmandat für den Wahlkreis Cloppenburg-Nord. Nun wird es ernst für den Jungparlamentarier. Der neue Landtag konstituiert sich.
Friesoythe / Hannover - Am Telefon erreicht man Lukas Reinken im Auto. Der Friesoyther ist auf dem Rückweg von Hannover in seinen Heimatort Friesoythe. Zum Glück herrscht auf der A 7 gerade mal kein Stau. In Hannover war Reinken seit seinem Wahlsieg am 9. Oktober, als er für die CDU im Wahlkreis 66 Cloppenburg-Nord das Direktmandat im Landtag holte, schon ein paar Mal. Jetzt wird der 26-Jährige noch sehr viel öfter dort sein.
Kommende Woche konstituiert sich der neue niedersächsische Landtag. Der Abgeordnete aus Friesoythe wird auf der harten Oppositionsbank Platz nehmen müssen. Die Große Koalition ist abgewählt, SPD und Grüne bilden die neue Regierung im Leineschloss.
Opposition ist zwar Mist, aber wichtig
Ist Opposition eigentlich Mist, wie es Sozialdemokrat Franz Müntefering 2004 in seiner Bewerbungsrede für den Bundesvorsitz seiner Partei behauptet hat? „Natürlich ist Opposition Mist!“, bestätigt Lukas Reinken schwungvoll. Er sei ja schließlich angetreten dafür, etwas zu gestalten, erklärt der frischgewählte CDU-Abgeordnete. Aus der Opposition heraus sei das deutlich schwieriger.
Andererseits spiele die Opposition in einer Demokratie eine nicht zu unterschätzende Rolle, fährt Reinken mit der Einschätzung der neuen politischen Rolle seiner Partei fort. Sie sorge nämlich dafür, dass die Regierung besser arbeite, weil sie ihr auf die Finger gucke. Das bedeute allerdings nicht, alles schlecht zu reden und sinnlos herumzupoltern. Sondern Alternativen aufzuzeigen, wenn die Regierung Fehler begehe. So versteht der junge Abgeordnete seine neue Aufgabe.
Respekt vor der neuen Aufgabe
Vor der Mitarbeit im Parlament habe er „natürlich Respekt“, sagt Reinken. „Aber keine Angst.“ Und er habe sich auch nicht wählen lassen, weil er vorhabe, erst einmal den Mund zu halten. „Wenn ich die Anliegen meiner Region in Hannover nicht vertrete, macht es keiner.“
Ob er sich mit seinem Amtsvorgänger austausche, Karl-Heinz Bley, der den Wahlkreis für die CDU fast 20 Jahre lang im Landtag vertrat? Er kenne Karl-Heinz schon lange, erklärt Reinken. Zwischen ihnen habe stets enger Austausch bestanden. Bei Fragen könne er sich immer melden. Aber er brauche auch Freiraum, meldet der Jungparlamentarier an, um seinen eigenen Weg zu finden. Nachahmen wolle er Bley nicht. Dazu seien sie auch zu unterschiedlich.
Freut sich über gute Ideen von jedem
Wie will Reinken Cloppenburg-Nord denn voranbringen? Er werde „Klinken putzen“, versichert der, „in Ministerien, der Fraktion, dem Parlament“ wegen aller entscheidenden Themen für seinen Wahlkreis, von Gesundheit bis Landwirtschaft.
Vier Gegenkandidaten hat der CDU-Mann bei der Landtagswahl in seinem Wahlkreis aus dem Feld geschlagen: Sozialdemokratin Pia van de Lageweg, Imke Haake von der FDP, Begüm Langefeld von den Grünen und den AfD-Mann Andreas Altergott. Besteht zu den anderen Kandidaten noch Kontakt? Mit Pia van de Lageweg sitze er zusammen im Friesoyther Stadtrat, erläutert Reinken. Von daher herrsche zwischen ihnen stets Kontakt. Von den anderen habe er seit der Wahl nichts mehr gehört. Aber herantreten mit guten Ideen könne jeder an ihn. „Ich bin ja nicht nur für die CDU gewählt worden“, betont Reinken. Er nehme von allen, die ihn ansprechen, gerne Vorschläge mit ins Landesparlament.
Ehemaliger „Kanzler-Grieche“ heute CDU-Stammlokal
Seit der Wahl hat sich die CDU-Landtagsfraktion wöchentlich in Präsenz in Hannover getroffen, immer dienstags. Auch der Fraktionschef, CDU-Generalsekretär Sebastian Lechner, nehme die Neuen gut mit, sagt Reinken. Kommende Woche gebe es ein gemeinsames Abendessen. „Das dient der Teambildung“.
Ein Stammlokal habe die CDU in Hannover auch. Das Aresto. Unter Gerhard Schröder als „Kanzler-Grieche“ bekannt geworden, setzt das Restaurant heute auf mediterrane Küche und wirbt mit „Leineblick“. Das in Hannover gebraute Gilde-Pilsener hat Reinken auch schon probiert. „Das ist bekömmlich“, versichert er.
Auf der Suche nach Büro in Friesoythe
Weil aber die Arbeit bei seinen Aufenthalten in der Landeshauptstadt im Vordergrund steht, wartet er jetzt erstmal, dass ihm ein eigenes Büro zugeteilt wird. Das ist jedoch ein sehr übersichtlicher Arbeitsplatz, den Reinken nur alleine nutzen kann. Ein Wahlkreis-Büro in Friesoythe sucht er noch, ebenso eine Vollzeitkraft, die ihm dort zuarbeitet.
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Eine eigene Unterkunft in Hannover brauche er nicht, hat der Friesoyther beschlossen. Wenn er dort übernachte, dann im Hotel. Zu Hause bleibe er in Friesoythe. So etwas wie Hausarzt und Friseur sucht er sich deshalb an der Leine erst gar nicht. Noch hat er nicht einmal seiner Familie seinen neuen Wirkungskreis vorgestellt. Deren Besuch ist das nächste, was für Lukas Reinken in Hannover ansteht. Sobald sich der neue Landtag konstituiert hat.