Nach desaströsem Ligastart Kickers Emden will sich von „einigen“ Spielern trennen
Trotz der sportlichen Misere hält der BSV-Vorstand an Trainer Stefan Emmerling fest. Der ein oder andere Spieler steht dagegen auf dem Abstellgleis.
Emden - Im Kader von Kickers Emden deutet sich ein gewisser Umbruch an. Nach dem desaströsen Saisonstart in der Fußball-Regionalliga sehen sich Vereinsvorstand und die sportliche Führung um Trainer Stefan Emmerling gezwungen, personelle Veränderungen vorzunehmen. Emmerling sprach von „Perspektivgesprächen mit Spielern“, die gerade durchgeführt werden, und kündigte „vorgezogene Korrekturen“ an. Klubchef Dr. Jörg Winter wurde da deutlicher: „Es müssen einige gehen. Wir haben einen 29-Mann-Kader.“ Dass Kickers-Coach Stefan Emmerling nicht mehr mit Mittelfeldspieler Holger Wulff plant, war am Wochenende bereits durchgesickert.
Es soll also „ausgemistet“ werden beim BSV Kickers. Auch, um Platz und Mittel für mögliche Neuzugänge zu ermöglichen, die Emden sportlich weiterhelfen. Denn das ausgegebene Saisonziel Klassenerhalt in der Fußball-Regionalliga haben die BSV-Verantwortlichen noch längst nicht aufgegeben. „Die Saison ist noch lang, es kann noch viel passieren“, nannte der Vereinsvorsitzende eine typische Phrase. Kickers hat bisher nur drei Punkte aus zwölf Ligaspielen geholt. Der Abstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz beträgt bereits elf Zähler – sofern kein Nord-Verein aus der 3. Liga absteigt. Müssen der VfB Oldenburg, der VfL Osnabrück oder der SV Meppen den Gang in die Viertklassigkeit antreten, erhöht sich die Zahl der Absteiger der Regionalliga Nord nämlich jeweils um einen. „Ich glaube weiterhin, dass wir die Liga halten können. Dafür müssen wir aber jetzt reagieren“, sagte Winter.
Wulff-Gespräch wurde verschoben
Seiner Ansicht nach muss im Kader und nicht auf der Trainerposition etwas passieren. „Stefan Emmerling steht nicht zur Diskussion. Er hat hervorragende Arbeit geleistet und wird das weiterhin tun. Wir brauchen diesen Mann mit seiner Erfahrung und seinen Fähigkeiten“, stärkte der Vorsitzende seinen Trainer. Jener sei es nun auch, der die „sportlichen Entscheidungen“ trifft – also sagt, auf welche Spieler er weiterhin setzten will und welchen er einen Abgang nahelegt.
Seit einigen Tagen werden bei Kickers die von Emmerling geführten und vom Vorstand begleiteten Perspektivgespräche geführt. In einem der ersten teilte Emmerling Holger Wulff mit, dass er „bei uns keine Rolle mehr spielt“, wie der Coach am Wochenende auf Nachfrage sagte. Die Gründe seien rein sportlicher Natur, wie Stefan Emmerling auch am Mittwoch noch einmal betonte. „Zwischen mir und Holger ist nichts vorgefallen“, sagte Emmerling, ehe er Wulff würdigte: „Er war sehr wichtig in den vergangenen Jahren und mitverantwortlich für die beiden Aufstiege – von der Landesliga bis in die Regionalliga.“ Seit dem Perspektivgespräch hat Holger Wulff bei Kickers nicht mehr mittrainiert, auch im Kader am Sonnabend gegen Werder II (2:3) hatte der 32-Jährige nicht gestanden. Ein für Dienstag angesetztes zweites Klärungsgespräch wurde auf kommende Woche verschoben. „Das letzte Wort, wie es jetzt weitergeht, ist noch nicht gesprochen“, sagte Winter.
Spieler rufen ihre Leistung nicht ab
Nicht nur Holger Wulff steht bei Kickers Emden auf dem Abstellgleis. „Auch der ein oder andere Spieler bekommt klare Ansagen“, sagte Stefan Emmerling. Er sei froh, dass sich Spieler im Sommer entschieden haben, für den BSV auflaufen zu wollen. Nun müsse man aber gucken, was zukünftig Sinn ergibt. Möglicherweise trifft es neben Holger Wulff auch weitere langjährige Kickers-Spieler. „Vor der Saison hatten wir die Hoffnung, dass sich die Spieler noch mal steigern können“, sagt Emmerling. Doch eher das Gegenteil ist eingetreten. „Einige Spieler rufen derzeit nicht die Leistung ab, zu der sie imstande sind“, benannte Dr. Jörg Winter. In den Gesprächen soll auch der Frage nachgegangen werden, woran das liegt. „Dann schauen wir, was das Beste für alle Beteiligten ist“, so Winter.
Die Perspektivgespräche sollen laut Winter noch etwa zwei Wochen lang geführt werden. Dann solle Klarheit über den bestehenden Kader herrschen. „Dass die Gespräche jetzt geführt werden, ist den Spielern gegenüber nur fair. So können sie sich auch frühzeitig nach was Neuem umsehen“, so der Klubboss. „Und wir können dann und nicht erst im Dezember schauen, an welchen Stellen und wie der Kader sinnvoll verstärkt werden kann.“
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