Auch im Oberledingerland Kommunen erwarten Hunderte Flüchtlinge
Für vor dem Krieg geflohene Ukrainer werden dringend Wohnungen im Oberledingerland gesucht. Falls am Ende Wohnraum fehlt, gibt es Notfallpläne.
Westoverledingen/Rhauderfehn - Die Unterbringung von Ukrainern, die vor dem Krieg in ihrem Land flüchten, stellt die hiesigen Kommungen vor eine schwierige Situation - es fehlt an Wohnungen für die Flüchtlinge. Das machte Westoverledingens Bürgermeister Theo Douwes während der jüngsten Sitzung des Gemeinderates im Rathaussaal in Ihrhove deutlich. Deshalb richtete er einen dringenden Appell an die Einwohner: „Bitte stellen Sie uns leerstehende Wohnungen und Häuser zur Verfügung.“
Der Verwaltungschef machte deutlich, dass in den nächsten Monaten noch bis zu 150 weitere Kriegsflüchtlinge aufgenommen werden müssen. Menschen, die vor den Russen, die die Ukraine überfallen haben, fliehen und praktisch alles zurück lassen. Oft ist das Hab und Gut der Menschen bereits durch Bomben und durch Granaten zerstört worden.
Derzeit ist nichts frei
Die Gemeinde versucht nun alles, um die Flüchtlinge unterzubringen. „Privatpersonen können der Gemeinde weiterhin Wohnungen anbieten. Wichtig ist, dass es sich dabei um abgeschlossene Wohneinheiten handelt und nicht um einzelne Zimmer innerhalb eines Wohnhauses“, sagte Kirsten Beening, Pressesprecherin der Gemeinde Westoverledingen. Derzeit, so Beening, stehen keine Wohnungen für die Unterbringung von Flüchtlingen mehr frei.
In Westoverledingen befinden sind aktuell 264 Personen im laufenden Asylverfahren. Zusätzlich gibt es Personen, die als anerkannte Flüchtlinge in Westoverledingen leben und ihren Wohnort frei wählen können. Die Anzahl dieser Personen wird nicht registriert. Zu den 264 Flüchtlingen kommen 131 Ukrainer, teilte die Pressesprecherin auf Anfrage mit. Aktuell verfügt die Gemeinde nach Angaben von Beening für die Unterbringung der Menschen über 31 eigene Wohneinheiten. Hierzu gehören zehn Wohneinheiten an der Deichstraße, sieben Blockhütten an der Papenburger Straße und sieben Blockhütten an der Großwolder Straße. Außerdem gibt es noch die Containeranlage an der Lüke-Smidt-Straße. Von Dritten sind derzeit 25 Wohneinheiten angemietet. Hinzu kommt das Integrationszentrum (IGZ) in Ihrhove. Das IGZ hat zwölf Apartments und acht Doppelzimmer für alleinstehende Männer.
Letzte Option offenhalten
Die Gemeinde hatte vor Jahren die frühere Gaststätte Veen in Völlenerfehn gekauft. Aktuell ist vonseiten der Gemeinde nicht geplant, dort Menschen unterzubringen. „Leider wäre der praktische Aufwand zu hoch, hier eine Sammelunterkunft zu errichten, da die Betreuung der Flüchtlinge nicht gewährleistet werden könnte. Dennoch wird die Gemeinde je nach Situation derartige Unterkünfte als allerletzte Option im Blick behalten“, teilte Beening auf Anfrage mit.
In der ehemaligen Grundschule Burlage hat die Gemeinde Rhauderfehn ihren „Plan B“ hergerichtet: zwei Klassenräume, in denen im Notfall Flüchtende untergebracht werden können. Bislang kam die Kommune ohne diese Reserve hin. „Wir haben rund 60 Wohnungen angemietet. Aktuell sind wieder drei dazugekommen, die wir dem Landkreis jetzt gemeldet haben“, so Bauamtsleiter Michael Taaks. Bislang sind etwa 120 Geflüchtete aus der Ukraine in Rhauderfehn aufgenommen worden. Eine offizielle Quote für Aufnahmen gebe es nicht, so Taaks. „Wir müssen abwarten, wie es weitergeht“, so Taaks. Von der Einwohnerzahl ausgehend fielen rund zehn Prozent der Zuweisung an den Landkreis Leer auf Rhauderfehn.
Jede Woche 50 weitere Flüchtlinge
Rein rechnerisch wären es bis Jahresende also möglicherweise 65 weitere Flüchtlinge, die in Rhauderfehn eine Unterkunft finden könnten. Denn: „Das Land Niedersachsen weist dem Landkreis Leer wöchentlich 50 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine zu. Theoretisch wären das bis zum Jahresende weitere 650 Geflüchtete“, so Kreissprecher Philipp Koenen. In der Realität gebe es aber immer wieder Abweichungen. „Beispiel: In der vergangenen Woche kamen tatsächlich 23 Menschen aus der Ukraine an, für diese Woche hat der Landkreis noch keine Zuweisung des Landes bekommen. Vor einigen Wochen gab es aber auch schon eine Zuweisung mit 75 Menschen. Es lässt sich kaum abschätzen, wie viele Geflüchtete bis Jahresende noch kommen werden.“
Der Landkreis Leer selber habe derzeit folgende Unterkünfte: die Ankunftsstelle in der Sporthalle der BBS in Leer (bis zu 180 Plätze, Belegungszahlen Stand Dienstag: 79 Personen), die ehemalige Oberschule an der Floorenstraße in Weener (bis zu 77 Plätze, aktuell leer), ein ehemaliges Hotel in Moormerland (voll belegt, aktuell 72) sowie die Jugendherberge auf Borkum (gemietet bis Ende März 2023, maximal 500 Plätze, aktuell 77).