Wahlkreis 66 Cloppenburg-Nord Lukas Reinken jubelt – Pia van de Lageweg hofft
Der 26-jährige Friesoyther holte für die CDU das Direktmandat und zieht in den Landtag ein. Die Sozialdemokratin aus Friesoythe könnte über ihren Listenplatz 24 in den Landtag einziehen.
Landkreis Cloppenburg/Bösel/Friesoythe/Mehrenkamp - Große Freude, aber auch Enttäuschung bei Lukas Reinken aus Friesoythe: Der 26-Jährige schaffte erwartungsgemäß im Wahlkreis 66 Cloppenburg-Nord als Neuling für die CDU den Sprung in den Niedersächsischen Landtag. Er holte mit 39,6 Prozent der Erststimmen das Direktmandat. Enttäuscht waren er und seine Parteifreunde bei einer Wahlparty in Bösel über das insgesamt schlechte Ergebnis der CDU im Land.
Pia van de Lageweg von der SPD kam bei den Erststimmen auf 27,4 Prozent. Sie war mit ihrem Abschneiden in der CDU-Hochburg sehr zufrieden. Die 48-Jährige aus Friesoythe hat gute Chancen, über ihren Landesplatz 24 in den Landtag einzuziehen. „Wir freue uns über das gute Ergebnis. Wir haben gut dazu beigetragen, dass die SPD Wahlsieger geworden ist“, sagte van de Lageweg am Abend in einem Telefongespräch. Die SPD feierte in der Mehrzweckhalle in Mehrenkamp den Wahlerfolg.
Drittstärkste Kraft im Wahlkreis ist die AfD. Sie konnte ihr Wahlergebnis gegenüber 2017 mehr als verdoppeln.
Frust bei der CDU trotz des Erfolgs im Wahlkreis
Lukas Reinken folgt als Gewinner des Direktmandats im Wahlkreis 66 auf Karl-Heinz Bley aus Garrel, der nicht wieder zur Wahl antrat. Bley war seit 2003 fast 20 Jahre lang im Landtag vertreten. Doch die Freude über den Einzug bei der Wahlparty am Sonntagabend im Heimathaus Bösel wurde durch das schlechte Abschneiden der Landes-CDU arg getrübt. Nicht nur bei Reinken trotz seines eigenen Erfolges, sondern auch bei seinen Parteifreunden gab es lange Gesichter, als um kurz nach 18 Uhr die erste Hochrechnung auf Bildschirmen zu sehen war. Da wollten den Parteifreunden das Bier und der Sekt nicht so recht schmecken.
„Ich freue mich, dass ich den Einzug in das Landesparlament geschafft habe. Meine Aufgabe wird es ein, die heimische Region zu stärken, und ich werde mich dafür von Barßel bis Wildeshausen einsetzen.“ Der Betriebswirt bedankte sich bei seinen vielen Wahlhelfern und insbesondere bei seiner Familie für die tatkräftige Unterstützung. Er bedauerte dennoch, dass die CDU nicht stärkste politische Kraft im Land geworden ist.
Vormarsch der AfD stoppen
„Erschrecken ist für mich, dass die AfD so gut abgeschnitten hat“, sagte Reinken. Es gelte nun alle Kraft daran zu setzen, den Vormarsch dieser rechtspopulistischen Partei zu stoppen. Aus den Reihen der Gäste auf der Wahlparty war vermehrt zu hören, dass die CDU mit Bernd Althusmann den falschen Spitzenkandidaten gewählt habe. Dass Althusmann noch am Wahlabend seinen Rücktritt angekündigte, wurde als logische Konsequenz begrüßt. Bernd Althusmann hatte direkt nach der Wahlniederlage gesagt, er werde dem Landesvorstand am Montag mitteilen, dass er als Landeschef nicht mehr zur Verfügung stehe.
Bei der Wahlparty in Bösel mit dabei waren auch die Ratsherren Johannes Geesen und Jan Block vom CDU-Gemeindeverband Barßel und dessen Vorsitzender Claas Wallschlag. Zwar waren sie erfreut über den Wahlsieg von Lukas Reinken, doch dass die AfD in der Gemeinde Barßel so gut abschnitt, damit hatten sie nicht gerechnet und bedauerten das sehr. Pia van de Lageweg wusste am späten Abend noch nicht, ob auch sie den Wahlkreis 66 künftig im Landtag in Hannover vertritt. „Das ist eine Hängepartie“, sagte sie. So oder so, sei sie mit ihrem Abschneiden aber zufrieden. „Ich habe für eine neue Kandidatin ein tolles Ergebnis geholt“, sagte die Friesoytherin, die mit etwa 100 Freunden den Wahlsieg der SPD feiert. „Hier herrscht eine gute Stimmung.“ Dass die AfD im Wahlkreis drittstärkste Kraft ist, registrierte Pia van de Lageweg mit Entsetzen. „Das ist traurig und bedenklich“, sagte die Sozialdemokratin.
Für die AfD trat Andreas Altergott als Direktkandidat an. Der 35-Jährige aus Großenkneten holte mit 13,6 Prozent das drittbeste Ergebnis bei den Erststimmen, ist aber nicht im Landtag. Chancenlos im Rennen um das Direktmandat waren auch Begüm Langefeld