Regionalkultur Neues Klosterprojekt nimmt in Bokelesch seinen Anfang
Die Kapelle in Bokelesch ist das letzte Bauzeugnis vom Wirken der Johanniter im Friesischen. Dort startete jetzt ein Projekt, mit dem die Ordensgeschichte an der ganzen Nordseeküste vermittelt wird.
Bokelesch - Von der Klosterkapelle in Bokelesch aus startete jetzt ein Projekt zur Klostergeschichte der Johanniter im Friesischen. Entlang der deutschen und niederländischen Nordseeküste gibt es 27 Standorte ehemaliger Johanniter-Kommenden. Doch sie sind alle verschwunden. Die Kapelle in Bokelesch ist das einzig verbliebene, oberirdische Bauwerk, das bis heute sichtbar Zeugnis ablegt vom einst reichen Klosterleben an der Nordseeküste. Von 2003 bis 2005 wurde das kleine Gotteshaus im Saterländer Klosterbusch umfassend restauriert.
Zur Vorstellung des Projektes war die Kapelle sehr belebt. Viele Mitglieder des Arbeitskreises Johanniterklöster, dessen Ausdehnung von Bremen bis ins niederländische Sneek reicht, waren gekommen, ebenso Vertreter der katholischen Malteser der ehemaligen Klosterkirche Hohenholte aus Havixbeck bei Münster. Musikalisch eingestimmt wurden sie vom Pianisten Carl Anton zu Knyphausen, der auf der Orgelempore spielte.
Muhde und Langholt nächstgelegene Kloster-Standorte
Renate Lüken-de Vries, die seit 2019 das zur Kapelle gehörende Info-Zentrum leitet, begrüßte die Anwesenden unter der Strahlenkranz-Madonna und im Angesicht der Figur des Eremiten Antonius, dem die Kapelle in Bokelesch geweiht ist.
Im Altarraum waren 26 Tafeln aufgereiht, für jede frühere Johanniter-Kommende eine. Die nächstgelegenen sind Kloster Muhde, Langholt, Burlage, Hasselt und Hesel. An allen Standorten soll mit diesen Tafeln die Geschichte und die Gegenwart des jeweiligen Klosters präsentiert werden. Über einen QR-Code auf den Tafeln kann eine Web-Seite aufgerufen werden mit Informationen zur allgemeinen Geschichte des Ordens, die Bedeutung der Kommenden an der Nordseeküste sowie Materialien zu den einzelnen Klöstern. Diese Tafeln wurden bei der Tagung des Arbeitskreises an die Vertreter der Standorte überreicht, um vor Ort aufgestellt zu werden.
Tafel auf Findling bei der Kapelle
Die Tafel für die Klosterkapelle in Bokelesch ist bereits installiert. Sie befindet sich auf einem Feldstein zwischen der Kapelle, dem Info-Zentrum, das sich im ehemaligen Pfarrhaus befindet, und dem Parkplatz. Der Text zur Kapelle Antonius Eremit ist von Renate Lüken-de Vries verfasst. Sie schildert, wie deren schlichte Architektur dem Besucher auch heute noch einen Eindruck davon vermittelt, welch karges Leben die Klostergemeinschaft führte, die hier einst wirkte. Wie auch andere friesische Johanniterhäuser war die Kommende in Bokelesch ein Doppelkloster. Die Schwestern hatten ihr Domizil in Osterhausen auf der gegenüberliegenden Seite der Ems. Die Gottesdienste feierten Männer und Frauen gemeinsam in der Kapelle. Noch heute zeugt eine zugemauerte Tür vom Zugang für die Nonnen auf die Empore.
Das Kloster, das zum Machtbereich des Bischofs von Münster gehörte, befand sich an der Grenze zu Ostfriesland. Dieser Randlage verdankte es, der Zerstörung zu entgehen, die der ostfriesische Graf Enno II. im Zuge der Reformation bei den ostfriesischen Klöstern vornehmen ließ, um mit deren materiellem Besitz seine Kriegskasse zu füllen.
1587 wurde Gemeinschaft aufgelöst
Dennoch hinterließ die Zeit des religiösen Umbruchs in Bokelesch ihre Spuren, wie man auf der Infotafel nachlesen kann. Dem Kloster fehlte der Nachwuchs. Nur mit Hilfe von Knechten und Mägden wurde der Betrieb noch einige Jahrzehnte aufrechterhalten. 1587 wurde die Gemeinschaft aufgelöst. Der letzte Komtur, Melchior Freiherr Droste zu Senden, verpachtete Gebäude und Ländereien. Er kam in Münster gewaltsam zu Tode.
Die Klostergebäude wurden im Winter 1623 im Dreißigjährigen Krieg von Mansfelder Truppen zerstört. Auch die Kapelle trug Kriegsschäden davon. Erst 50 Jahre später, 1677, wurde sie wiederaufgebaut. Einige Schäden im Mauerwerk sind bis heute sichtbar.
EU-Förderprogramm für Mikro-Projekte
Die Mitglieder des Arbeitskreises Johanniterklöster verbrachten einen interessanten Vormittag in den historischen Mauern der Kapelle. Sie hörten einen Vortrag von Henning Wessels aus Nordenham. Er berichtete über das Klostergut Hinte, auf dem er aufgewachsen ist.
Armin Gallinat, stellvertretender Geschäftsführer des grenzübergreifenden Zweckverbands Ems-Dollart-Region, sprach ein Grußwort stellvertretend für Eske Kadijk vom Projektmanagement, die an Corona erkrankt war.
Er konnte die frohe Botschaft kundtun, dass nach der erfolgreichen Wanderausstellung über die Geschichte und Bedeutung der Johanniterklöster und dem aktuellen Folgeprojekt, die beide über das EU-Programm Interreg 5 gefördert wurden, das ausläuft, jetzt die Entscheidung gefallen sei, dass es mit einem neuen Förderprogramm weitergehe. Es trägt den Namen „People to People“ und unterstütze bürokratisch unkompliziert Mikro-Projekte.