Ukraine-Krieg Wohnungsmarkt für Flüchtlinge angespannt
Die Gemeinden Saterland und Barßel suchen dringend Unterkünfte für geflüchtete Menschen. Dabei sehen sich die Ämter bei der Unterbringung von Menschen aus der Ukraine vor besonderen Schwierigkeiten.
Saterland / Barßel - Dem Landkreis Cloppenburg wurde von der Landesaufnahmebehörde die vermehrte Zuweisung von Flüchtlingen in nächster Zeit angekündigt. Nach einem vorübergehenden Aufenthalt in der Notunterkunft in Lastrup, die der Landkreis eingerichtet hat, werden die geflüchteten Menschen den Gemeinden und Städten im Kreisgebiet zugewiesen. Die Kommunen sind für ihre Unterbringung zuständig.
Die Gemeinde Saterland hatte sich deshalb mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit gewandt. Sie sucht dringend Wohnraum, um Asylbewerber unterzubringen. Sie hatte mit ihrem Appell Erfolg, wie Ordnungsamtsleiter Christof Naber jetzt auf Nachfrage mitteilte. „Wir sind nicht überrannt worden, aber das hat einiges gebracht“, berichtet Naber. Einige Wohnungseigentümer hätten sich gemeldet, darunter auch ein Besitzer eines Einfamilienhauses. Aktuell seien seine Kollegen damit beschäftigt, die angebotenen Unterkunfte zu sichten. Zudem kläre man mit den Vermietern, ob diese mit den Mietkonditionen einverstanden sind. Unterzeichner für die Mietverträge sind die Kommunen, die Miete kommt hingegen vom Landkreis.
Syrer mussten zweimal vor Krieg fliehen
Aktuell seien 27 Menschen aus vier Familien als Asylbewerber im Saterland untergebracht, so Naber. Zudem lebten im Gemeindegebiet etwa 220 Ukrainer, die zwar im Saterland gemeldet sind, der Gemeinde jedoch nicht zugewiesen wurden, weil sie privat eine Unterbringungsmöglichkeit gefunden haben. „Im Moment bekommen wir es hin, auch wenn es allmählich schwierig wird mit der Ausstattung“, sagt der Saterländer Ordnungsamtsleiter. Wie viele weitere Geflüchtete seiner Gemeinde bis zum Jahresende zugewiesen werden, dazu lägen ihm noch keine Zahlen vor. Der Landkreis habe signalisiert, die neue Quote innerhalb der nächsten 14 Tage mitzuteilen.
Überwiegend, so Naber, suchten derzeit Menschen aus der Ukraine Zuflucht im Saterland. Es sei auch eine Familie aus Syrien vor Ort, die 2015 in die Ukraine geflüchtet war und sich nun erneut auf der Flucht befinde. Untergebracht werden die Asylbewerber möglichst dezentral über das gesamte Gemeindegebiet verteilt. Das klappe gut, versichert Naber.
Ukrainer müssen sich selbst um Unterkunft kümmern
In der Gemeinde Barßel sucht man ebenfalls Wohnraum für Flüchtlinge. „Das gilt auch für die kommenden Monate“, erklärte Erster Gemeinderat Michael Sope, denn es sei ja bekannt, dass es den Kommunen immer schwerer falle, ausreichend angemessene Unterkünfte vorzuhalten. „Wir sind deshalb für jede Rückmeldung dankbar“, sagt Sope. Das bestätigt Barßels Ordnungsamtsleiter Dennis Lüthje.
Lüthje weiß auch bereits, wie viele Flüchtlinge seiner Gemeinde bis zum Jahresende vom Landkreis noch zugewiesen werden: 21 Menschen beträgt das Kontingent. Der Barßeler Ordnungsamtsleiter erläutert, vor welche Schwierigkeiten sich seine und die übrigen Kommunen durch die aktuelle Flüchtlingssituation gestellt sähen. Derzeit befänden sich in der Gemeinde Barßel 63 Personen im Leistungsbezug nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Davon seien 19 Ukrainer. Doch zugewiesen worden waren Barßel davon nur sieben. Die übrigen seien eigenständig angekommen und werden der Kommune nicht auf die Quote angerechnet. Ukrainerinnen und Ukrainern bekommen in Deutschland rasch einen Aufenthaltstitel, damit sie Arbeit aufnehmen können. Doch dann erhielten sie keine Leistungen mehr nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, erläutert Barßels Ordnungsamtsleiter, und sie müssten sich auch eigenständig um Wohnraum kümmern.
Flüchtlinge aus zehn Staaten in Barßel
Für ihn bedeute das jedoch, dass Ukrainer, die die Gemeinde Barßel bei ihrer Ankunft vorgesehenermaßen untergebracht habe, dann als Fehlbelegung des für Asylbewerber bestimmten Wohnraums gelten würden. Auch Ukrainern, die bereits ausgestattet mit einem Aufenthaltstitel in Barßel ankommen, dürfe das Amt nicht in den für Asylbewerber vorgesehenen Wohnungen unterbringen.
Doch nicht nur die Gemeinde habe es schwer, Wohnraum für Asylanten anzumieten. Die Geflüchteten selbst hätten es ebenfalls es nicht einfach auf dem Wohnungsmarkt, weiß Lüthje. Er hofft deshalb, dass die positive Grundhaltung der Bevölkerung gegenüber den vom Krieg bedrängten Ukrainern anhalte. Viele würden von Verwandten oder Freunden aufgenommen und „die meisten wollen am liebsten zurück in ihr Heimatland“, so Lüthje.
Derzeit gebe es im Gemeindegebiet noch 16 freie Plätze in vier Wohnungen. Neben Menschen aus der Ukraine leben in Barßel auch Asylbewerber aus dem Iran, dem Irak, der Türkei, dem Libanon, Georgien, Montenegro, der Elfenbeinküste und aus Äthiopien. Der von der Gemeinde für Geflüchtete angemietete Wohnraum befindet sich überwiegend zentral im Kernort Barßel, in Barßelermoor und in Elisabethfehn.