9-Euro-Ticket  Ansturm auf kreiseigenes Rufbussystem in Cloppenburg

| | 07.09.2022 16:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Seit zwei Jahren gibt es im Landkreis Cloppenburg das Rufbussystem moobil+. Es konnte auch von Nutzern das 9-Euro-Tickets genutzt werden. Die Rufbusse verzeichneten daraufhin einen enormen Anstieg an Fahrgästen. Doch das lag nicht allein am 9-Euro-Ticket. Foto: Landkreis
Seit zwei Jahren gibt es im Landkreis Cloppenburg das Rufbussystem moobil+. Es konnte auch von Nutzern das 9-Euro-Tickets genutzt werden. Die Rufbusse verzeichneten daraufhin einen enormen Anstieg an Fahrgästen. Doch das lag nicht allein am 9-Euro-Ticket. Foto: Landkreis
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Während der Zeit, als das 9-Euro-Ticket galt, stiegen die Fahrgastzahlen im Kreis Cloppenburg enorm. Doch das Billigticket war nicht der einzige Grund dafür.

Cloppenburg - Das 9-Euro-Ticket bot im Juni, Juli und August bundesweit die Möglichkeit, Nahverkehrsangebote zum Schnäppchenpreis zu nutzen. Millionen von Menschen nahmen das Angebot wahr. Die Deutsche Bahn war in dieser Zeit vielfach überlastet. Im Landkreis Cloppenburg konnten Reisende mit dem 9-Euro-Ticket auch das kreiseigene Rufbussystem moobil+ nutzen. Der Landkreis hat moobil+ im Juni 2020 gestartet und bis 2024 verlängert.

14 Busse sind kreisweit für das Angebot im Einsatz. In jedem können acht Fahrgäste sitzen. Der Nordkreis wird auf vier Routen abgedeckt, die von der Firma Nienaber aus Sedelsberg übernommen werden. Insgesamt wird die Cloppenburger Flotte von vier Busunternehmen betrieben.

Fahrgastzahlen enorm gesteigert

„Das 9-Euro-Ticket hat zu einer Steigerung der Fahrgastzahlen geführt“, zieht jetzt Kreissprecher Sascha Sebastian Rühl Bilanz. Wie genau sich der Anteil des 9-Euro-Tickets an den Gesamtzahlen darstellt, sei allerdings nicht genau zu beziffern, da im Vorfeld Fahrplananpassungen über alle Linien umgesetzt wurden und die kostenlose Beförderung für die Ukraine-Flüchtlinge hinzukam. „Somit haben mehrere Faktoren fast zeitgleich bei moobil+ zu der positiven Veränderung bei den Fahrgastzahlen beigetragen“, resümiert Rühl.

Er weist darauf hin, dass sich bei dem Rufbussystem nicht alle Neuerungen und Anpassungen unmittelbar auf die Fahrgastzahlen auswirken würden, sondern dies immer mit einiger Verzögerung geschehe. Somit sei es schwer, die tatsächliche Auswirkung des 9-Euro-Tickets zu bemessen.

Drei Änderungen fast zeitgleich

Im ersten Quartal 2022 seien die Fahrgastzahlen schwankend gewesen, aber steigend: von 570 Fahrgästen pro Woche im Januar bis auf etwa 750 Fahrgäste Ende März. Ab dann galt freie Fahrt für Ukrainer und die Woche darauf wurden die neuen Fahrpläne umgesetzt. Bis zur Einführung des 9-Euro-Tickets im Juni seien die Fahrgastzahlen beim Rufbusangebot auf etwa 1350 Fahrgäste wöchentlich gestiegen. Während der drei Sommermonate, als das 9-Euro-Ticket galt, verzeichnete die Kreisverwaltung „zeitweise Spitzen von ca. 2150 Fahrgästen pro Woche“, meldet Kreissprecher Rühl.

Weil der Fahrgastanstieg auf drei fast gleichzeitig eintretende Ereignisse zurückzuführen ist, sei er „nicht direkt differenzierbar“.

Viele Erstnutzer für moobil+

Wie viele Leute moobil+ erstmals mit dem 9-Euro-Ticket genutzt haben, lasse sich leider ebenfalls nicht genau erheben, so Rühl. Doch aus den telefonischen Buchungen sei bei einigen Gesprächen schon herausgekommen, dass es sich um Erstnutzer handelte, die aufgrund des günstigen Preises das ÖPNV-Angebot ausprobieren wollten.

Generell standen die Fahrgäste, die das Ticket benutzt haben, dem Angebot sehr positiv gegenüber und würden sich über eine Fortführung freuen. Besonders, dass das Ticket landkreisübergreifend galt, fand Anklang. Moobil+ ist auf das Kreisgebiet beschränkt.

Landkreis offen für Nachfolgemodell

Auf die Frage, wie der Landkreis Cloppenburg zu einem Nachfolgemodell für das 9-Euro-Ticket stehe, erklärte der Kreissprecher: „Generell hat der Landkreis immer ein Interesse an günstige Mobilitätsangeboten, gerade in den jetzigen Zeiten, in denen sämtliche Kosten steigen.“

Für eine Nachfolgeregelung müssten jedoch politische Vorgaben erfolgen. Zu welchem Tarif dieses Angebot erfolge, ist derzeit unklar. Der Landkreis Cloppenburg würde aber ein Nachfolgeangebot durch den Bund und/oder das Land begrüßen, versicherte Rühl.

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