Wie vier Gemeinden ein Bad bekamen  Freibad am Langholter Meer: Alles auf Anfang

| | 19.04.2019 20:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Am 30. Mai 1959 wurde das Freibad eröffnet. Gut 1000 Besucher sollen dabei gewesen sein. Das Foto stammt aus dem Archiv des General-Anzeigers.
Am 30. Mai 1959 wurde das Freibad eröffnet. Gut 1000 Besucher sollen dabei gewesen sein. Das Foto stammt aus dem Archiv des General-Anzeigers.
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Die Geschichte des Freibades am Langholter Meer ist lang: Eine kleine Zeitreise, die vor dem Zweiten Weltkrieg beginnt und mit dem Abriss 2013 nicht endet.

Langholt - Wer sich mit dem Thema Schwimmbad in den Gemeinden Rhauderfehn und Ostrhauderfehn beschäftigt, kann den Eindruck gewinnen, dass sich Geschichte wiederholt. Mehrere Jahrzehnte lang haben die beiden Nachbarkommunen gemeinsam eine beliebte Freizeiteinrichtung unterhalten: Idyllisch gelegen, wurde am 30. Mai 1959 nach jahrzehntelanger Beratung und Planung das Freibad am Langholter Meer eröffnet. Im Jahr des Fehnjubiläums 2019 hätte das Bad seinen 60. Jahrestag gefeiert. Doch die Anlage existiert nicht mehr.

Im Juli 2013 haben die Abrissarbeiten bereits begonnen. Archivbild
Im Juli 2013 haben die Abrissarbeiten bereits begonnen. Archivbild

Die Fehntjer Schwimmbad-Geschichte beginnt viele Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg. Schon damals hatte es in Westrhauderfehn und Ostrhauderfehn Absichtserklärungen und diverse Pläne gegeben, ein Schwimmbad zu errichten. Der Grund war weniger der Freizeitcharakter, sondern traurige Schicksale. Es ertranken viele Fehntjer Männer, die ihr Geld auf Schiffen verdienten. Die meisten von ihnen waren Nichtschwimmer, ist in alten Zeitungsberichten zu lesen. Ging einer bei seiner Arbeit über Bord, drohte er zu ertrinken. Es gab etliche Todesfälle zu beklagen. Mit Schwimmunterricht in einem Freibad sollte dem entgegengewirkt werden.

Die Kanäle waren teilweise stark verschmutzt

Zudem wurde vor dem Baden in Kanälen gewarnt, weil diese teilweise stark verdreckt waren. In Westrhauderfehn gab es eine viel genutzte Badestelle im Siel beim Verlaat, einem Verbindungsstück zwischen Hauptfehnkanal und Langholter Meer. 1938 schien nach vielen Jahren der Diskussion das Ziel erreicht. Die Kreisverwaltung in Leer hatte einen Plan ausgearbeitet. Genau dort, wo gut zwei Jahrzehnte später tatsächlich das Bad eröffnet wurde, sollten eine Badeanstalt und ein Sportplatz entstehen.

Als vorbereitende Maßnahme wurde 1938 zunächst das Langholter Meer ausgebaggert und südlich der heutigen Bundesstraße 438 ein Damm errichtet. Der Damm, der in Teilen heute noch da ist, sollte nicht nur das Bad vor Hochwasser schützen, sondern auch als Zuwegung für Fußgänger und Radfahrer dienen.

Kriegsgefangene wurden eingesetzt

Dazu waren Freiwillige im Einsatz, um den Aushub mit der Schaufel zu verteilen. 1941 ist in einem GA-Bericht zu lesen, dass dort zu den Arbeiten auch Kriegsgefangene eingesetzt worden sind. Im weiteren Verlauf des Krieges wurden die Arbeiten dann eingestellt.

Ab 1953 wurde das Thema wieder konkreter. 1956 wurde ein Schwimmbad-Zweckverband gegründet. Vertreter der Gemeinden Westrhauderfehn, Ostrhauderfehn, Rhaudermoor, Burlage, Klostermoor und Rhaude waren dazu in Westrhauderfehn zusammengekommen. Das Grundstück brachte die Gemeinde Langholt als Eigenleistung in das Projekt ein.

1958 erhielt die Firma Schumacher aus Leer den Zuschlag für den Neubau. „Die sogenannte Mammuthaut, mit der das Becken ausgekleidet werden soll, wird für 11 000 DM von der Bäderbau-Gesellschaft in Trier geliefert“, schrieb der GA.

Am 30. Mai 1959 wurde das von den Gemeinden West- und Ostrhauderfehn, Rhaudermoor und Langholt gemeinsam getragene Freibad am Langholter Meer eröffnet. Etwa 1000 Besucher sollen dabei gewesen sein. Das Wasser war nur 14 Grad warm und trübe. Chlor wurde zur Reinigung erst viele Jahre später eingesetzt.

In den folgenden Jahren gab es immer wieder Investitionen und Aktionen, um das Freibad attraktiver zu machen. Dazu zählten Schwimmfeste von TuRa 07 Westrhauderfehn und Eiche Ostrhauderfehn. Zu lesen ist im GA-Archiv auch, dass schon 1972 der Wunsch nach einem Hallenbad laut wurde.

Ab 1975 wurde mit einer Heizungsanlage der Komfort erhöht, 23 Grad betrug fortan die Wassertemperatur. Auch wurde eine Minigolfanlage eröffnet. Ein Thema blieb in all den Jahren der hohe finanzielle Aufwand, der nötig war, um das Bad zu unterhalten.

Das Ende zeichnet sich ab

Das Ende des Freibades zeichnete sich kurz nach dessen 50-jährigem Jubiläum 2009 ab. Ab der Saison 2010 blieb das Freibad aus Sicherheitsgründen geschlossen. Das Bad müsste aufwendig saniert werden, ging aus einem Gutachten hervor, dass die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen vorlegt hatte. Geschätzte Kosten: 2,8 Millionen Euro. Rhauderfehns damaliger Bürgermeister Heinz Freese wollte den Neubau einer Schwimmhalle in Westrhauderfehn. Ideal wäre es seiner Ansicht nach, wenn die Gemeinden Rhauderfehn und Ostrhauderfehn zusammen mit dem Landkreis Leer ein solches Projekt in Angriff nähmen. In Ostrhauderfehn wurde der Plan abgelehnt. Bürgermeister Günter Harders war Befürworter einer Freibad-Sanierung. Der Osterfehntjer Rat entschied sich gegen eine Beteiligung an einem Hallenbad-Neubau im Nachbarort.

Im März 2011 stand fest, dass sich die Gemeinde Rhauderfehn nicht an der Sanierung beteiligen würde. Ostrhauderfehn alleine konnte das Bad nicht betreiben. Das Ende war nah. Rhauderfehn hielt am Hallenbadneubau mit dem Kreis Leer fest und versuchte, dazu auch Ostrhauderfehn wieder mit ins Boot holen. Vergebens.

Hochwasser besiegelt das Aus

Kompromissüberlegungen aus Rhauderfehner und Ostrhauderfehner SPD-Kreisen, ein kombiniertes Hallenbad mit Außenbecken und Liegewiese an der Gemeindegrenze zu realisieren, erteilte der damalige Landrat Bernhard Bramlage eine Absage. Das Bad ergebe nur beim Schulzentrum in Westrhauderfehn Sinn.

Im Januar 2012 sorgte ein außergewöhnliches Hochwasser für zusätzlichen hohen Sachschaden. Große Teile des Areals standen unter Wasser – weil der Leda-Jümme-Verband das Langholter Meer geflutet hatte, und das Wasser dort deutlich höher stand als sonst.

Land unter im Januar 2012, große Teile des Freibad-Areals standen unter Wasser. Archivbild: Cordsen
Land unter im Januar 2012, große Teile des Freibad-Areals standen unter Wasser. Archivbild: Cordsen

Im Mai 2013 beschloss die Verbandsversammlung des Schwimmbadverbandes Overledingen den Rückbau des Freibades. Im August 2013 wurde die Anlage abgerissen. Das 3,6 Hektar große Gelände wurde wieder der Natur überlassen.

Seitdem ist es wie vor dem Zweiten Weltkrieg: In Rhauderfehn und Ostrhauderfehn wird über den Neubau eines Schwimmbades diskutiert – alles auf Anfang.

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