Babyboomer gehen in Rente  Gemeinden merken den Fachkräftemangel deutlich

Horst Kruse Geertje Wehry
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Von Horst Kruse und Geertje Wehry
| 02.08.2022 20:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Reisen statt Schreibtisch - bald gehen die Babyboomer in den Ruhestand. Foto: Pixabay
Reisen statt Schreibtisch - bald gehen die Babyboomer in den Ruhestand. Foto: Pixabay
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In den Verwaltungen in der Region sieht es personell derzeit noch gut aus. Aber an anderer Stelle wird es inzwischen schon öfters eng.

Oberledingerland/Barßel - Die Babyboomer gehen in den Ruhestand – und das wird in vielen Branchen zum Problem. Allein in deutschen Verwaltungen ist jeder vierte Mitarbeiter Teil der zwischen 1960 und 1964 Geborenen. Wie wird mit diesem Problem in den Rathäusern im Oberledingerland und Nordkreis Cloppenburg umgegangen?

Rund ein Siebtel der Verwaltungsmitarbeiter in Rhauderfehn gehört zur Generation der Babyboomer. Laut Bürgermeister Geert Müller sieht man den Pensionierungen der Kollegen jedoch gelassen entgegen. „Einer geht im nächsten Jahr, der nächste im folgenden Jahr – das ist für uns noch die normale Fluktuation“, sagt er. Insgesamt 63 Mitarbeiter hat die Verwaltung. Im Rathaus merke man einen deutlichen Rückgang an Bewerberzahlen. „Deshalb greifen wir nun auch auf andere Fachbereiche zu. So stellen wir nicht mehr nur Verwaltungsfachleute, sondern auch Bürokaufleute ein“, so Müller.

Fachkräfte fehlen in anderen Bereichen

Schwieriger sei, es im technischen Bereich Lücken zu füllen, wenn Mitarbeiter gehen. „Da ist die Konkurrenz zu groß“, sagt der Bürgermeister. Auch für die gemeindeeigenen Kitas sei es nicht immer leicht, Personal zu finden, wobei da die Problematik nicht bei den Babyboomern liegt, sondern zu großen Teilen am erhöhten Bedarf an Erziehern und dem Wettbewerb.

In Ostrhauderfehn sieht man der Pensionierung der Babyboomer gelassen entgegen. „Nach jetzigem Stand wird in den nächsten Jahren ein Kollege in den Ruhestand gehen“, sagt Lydia de Boer, allgemeine Vertreterin des Bürgermeisters. Eine kleine Pensionierungswelle steht jedoch in ein paar Jahren an. „Bei uns ist der Jahrgang 1968 sehr stark vertreten“, sagt sie. Allerdings sei die Gemeinde dadurch, dass kontinuierlich ausgebildet werde, gut aufgestellt. „Zudem gibt es Förderung durch Fortbildungen, um attraktiv als Arbeitgeber zu sein.“

Statt Ingenieur kommt ein Techniker

„In den kommenden drei bis fünf Jahren haben wir Renteneintritte in einem „normalen“ Umfang“, sagt Erster Gemeinderat Michael Sope von der Gemeinde Barßel. In der Verwaltung könne das durch die Ausbildung ausgeglichen werden. „Wir bilden jährlich Verwaltungsfachangestellte aus, die wir dann nach Möglichkeit auch übernehmen“, so Sope. Insgesamt sei die Besetzung offener Stellen schwieriger geworden. Dies gelte für Verwaltungsfachkräfte wie auch für technische Fachkräfte. Das habe die Kommune aktuell gespürt. „Unser Bauingenieur wird in Rente gehen. Die Stelle konnten wir zum 1. September mit einem Techniker wiederbesetzen“, erklärt Sope. Allerdings hätten sich auf zwei Stellenausschreibungen keine Bauingenieure beworben. Erst als die Stelle auch für Techniker ausgeschrieben worden ist, sei es gelungen, die Nachfolge „gut mit einem Bewerber aus dem Ort“ zu regeln. „Eine deutlich größere Welle von Renteneintritten erwarten wir in etwa sechs bis zehn Jahren“, so Sope.

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