Einer zieht ab, der andere baut  Viel Bewegung bei Gülleverwertung am C-Port

| | 19.07.2022 17:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Das Münsteraner Unternehmen Revis Bioenergy siedelt sich auf gut zehn Hektar Fläche am Ems-Dollart-Ring im Industriepark C-Port an. Nun bessert die Stadt Friesoythe den Bebauungsplan für das Baugebiet 116 A nach. Foto: Stix
Das Münsteraner Unternehmen Revis Bioenergy siedelt sich auf gut zehn Hektar Fläche am Ems-Dollart-Ring im Industriepark C-Port an. Nun bessert die Stadt Friesoythe den Bebauungsplan für das Baugebiet 116 A nach. Foto: Stix
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Bei den Gülleverwertern am C-Port ist einiges in Bewegung. Die Firma Kaskum zieht sich zurück. Die Stadt Friesoythe bessert ihre Bauleitplanung nach. Das betrifft Revis.

Saterland /Friesoythe - Es ist einiges in Bewegung im Industriepark C-Port, was die Ansiedlung von Gülleverwertern angeht. Drei Unternehmen sind davon betroffen. Eines gibt den Standort auf, das nächste baut bereits, beim dritten Betrieb ist die Zukunft noch offen.

Die Kaskum GmbH zieht sich aus dem C-Port zurück. Für die aktuellen Pläne der Firma sind die drei Hektar Fläche zu klein, die das Unternehmen an der Kaianlage besitzt. Ein größeres Grundstück hat die Kaskum jedoch vom C-Port-Zweckverband nicht angeboten bekommen.

Keine zwei Biogas-Anlagen gewollt

„Kaskum würde zusätzlich zu den drei Hektar, die das Unternehmen ursprünglich gekauft hat, weitere acht bis zehn Hektar benötigen. Diesen Platz aber haben wir im c-Port derzeit nicht“, schildert Friesoythes Bürgermeister Sven Stratmann, der Vorsitzender des c-Port-Zweckverbands ist. Dann wäre das Gelände so groß wie das der Revis. Es bestehe jedoch ein einstimmiger Beschluss, dass man keine zweite Biogasanlage in dieser Größenordnung im C-Port wolle.

Wie Dr. Gerald Otto mitteilt, sei man nach der Absage des C-Ports „in der Findungsphase für einen geeigneten Standort“. Das Grundstück werde Kaskum zunächst behalten und prüfen, wie es sich in die Neuausrichtung einbeziehen lässt. Dazu sagt Stratmann, dass das Areal eine Bauverpflichtungsphase von zwei Jahren habe. Wenn 24 Monate nach der Grundstücksübertragung keine Umsetzung des Bauvorhabens erfolgt ist, falle das Gelände zurück an den C-Port.

Neue Geschäftsführung

Ende 2021 hatte es bei Kaskum einen Wechsel in der Geschäftsführung gegeben, der mit einer neuen Ausrichtung verbunden ist. Seitdem sind Josef Hempen und Karin Soika Geschäftsführer der GmbH. Hempen ist einer der Geschäftsführer der Goldschmaus-Gruppe Erzeugergemeinschaft Bösel, die zu den größten Schlachtbetrieben Deutschlands zählt. Soika ist Geschäftsführerin der Erzeugergemeinschaft Bösel, die Gesellschafter der Goldschmaus-Gruppe ist.

Gert Stuke hatte fertige Pläne für eine Gülle-Transformationsanlage in der Schublade. Verwirklicht wurden sie nie. Nun sind bei dem von ihm gegründeten Unternehmen Kaskum andere Geschäftsführer am Ruder. Archivfoto: Fertig
Gert Stuke hatte fertige Pläne für eine Gülle-Transformationsanlage in der Schublade. Verwirklicht wurden sie nie. Nun sind bei dem von ihm gegründeten Unternehmen Kaskum andere Geschäftsführer am Ruder. Archivfoto: Fertig

IHK-Ehrenpräsident Gert Stuke aus Friesoythe, der die Kaskum gegründet hatte, ist nur noch Mitgesellschafter. Seine Pläne, eine Transformationsanlage zu bauen, die Schweinegülle in Rohstoffe und Wasser zerlegt, sind eingestellt. Die neue Leitung der Kaskum setzt auf die Gewinnung von Bio-LNG, also Kraftstoff.

Bio-Reformer baut Pilotanlage ab

Abgebaut wird im c-Port auch die Pilot-Anlage hinter dem Verwaltungsgebäude des Zweckverbands, in dem die Bio-Reformer GmbH dort Klärschlamm getrocknet und daraus Biodünger gewonnen hatte. Im August stellt die Anlage ihren Betrieb ein. Das liegt allerdings nicht daran, dass das Unternehmen den Standort C-Port verlassen möchte, wie dessen Geschäftsführer Andreas Tiemann aus dem Emsland und sein Kompagnon Christoph Zimmermann, der zur Schwarz-Gruppe im schwäbischen Göppingen gehört, erläutern. Der Grund sei, dass sich die Pilot-Anlage auf einer vom C-Port gemieteten Fläche befindet, deren Mietvertrag ausläuft. Der Zweckverband benötigt das Areal anderweitig.

Doch im November 2021 hat die Firma Bio-Reformer ein benachbartes Grundstück im Industriepark erworben. Dieses biete die Möglichkeit, dort eine größere, dauerhafte Einrichtung anzusiedeln, wie Zimmermann erklärt.

Noch steht die Pilot-Anlage der Firma Bio-Reformer zur Klärschlammtrocknung. Doch sie soll abgebaut und anderswo wieder aufgebaut werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich das Unternehmen zwangsläufig aus dem c-Port zurückzieht. Archivfoto: Fertig
Noch steht die Pilot-Anlage der Firma Bio-Reformer zur Klärschlammtrocknung. Doch sie soll abgebaut und anderswo wieder aufgebaut werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich das Unternehmen zwangsläufig aus dem c-Port zurückzieht. Archivfoto: Fertig

Gespräch mit Zweckverband geplant

Der zweijährige Testlauf der Klärschlammtrocknungsanlage sei erfolgreich verlaufen, schildert der 58-Jährige. Man habe viele Erkenntnisse gewonnen und überlege nun, wie man weitermache. Doch dafür seien größere Investitionen notwendig. Darüber werde man sich zunächst intern mit den Gesellschaftern austauschen. Im August sei ein Gespräch mit Vertretern des C-Port-Zweckverbands geplant. „In dieses Gespräch gehen wir in der Hoffnung, dass wir dort sehr gut weiterkommen“, sagte Zimmermann. Er sieht die dezentrale Verwertung von Klärschlamm und die Gewinnung von Phosphatdünger im Trend der Zeit.

Bereits seit Mai baut das Münsteraner Unternehmen Revis Bioenergy eine Biomethananlage am C-Port.

Anfang Mai hatte Revis Bioenergy mit einer Vorab-Genehmigung des Gewerbeaufsichtsamts Oldenburg begonnen, am C-Port zu bauen. Archivfoto: Stix
Anfang Mai hatte Revis Bioenergy mit einer Vorab-Genehmigung des Gewerbeaufsichtsamts Oldenburg begonnen, am C-Port zu bauen. Archivfoto: Stix

Zwar läuft noch das Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz, kurz BImSchG-Verfahren, beim Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg. Doch die Behörde schätzt die Erfolgsaussichten als gut ein, weshalb eine Vorab-Genehmigung erfolgt ist. Aktuell würden die ersten Hochbehälter errichtet, teilt Project Engineer Tim van Bevern mit.

Friesoythe überarbeitet Bauleitplanung

Allerdings überarbeitet die Stadt Friesoythe, auf deren Gebiet die Anlage der Revis entsteht, gerade den Bebauungsplan. Siedeln sich die Münsteraner also auf Gelände ohne gültige Bauleitplanung an? „Das Vorhaben der Revis befindet sich im Geltungsbereich des rechtskräftigen und wirksamen Bebauungsplanes Nummer 116A der Stadt Friesoythe“, teilt dazu Stadtsprecherin Katrin Schäfer mit. Das Vorhaben entspreche den Bedingungen dieses Bebauungsplans.

Revis-Geschäftsführer Simon Detscher, hat mit dem Bau einer riesigen Biomethan-Anlage am C-Port bereits begonnen. Archivfoto: Fertig
Revis-Geschäftsführer Simon Detscher, hat mit dem Bau einer riesigen Biomethan-Anlage am C-Port bereits begonnen. Archivfoto: Fertig

Die Verwaltung habe lediglich hinsichtlich einiger Festsetzungen, die die Schallemissionen für Nutzungen im Plangebiet einschränken, Zweifel, ob diese unter Berücksichtigung aktueller Rechtsprechung zu Industriegebieten rechtmäßig sind. „Aus diesem Grund hat die Stadt Friesoythe ein Heilungsverfahren eingeleitet, um eine entsprechende Prüfung durchzuführen und die Festsetzungen gegebenenfalls aufzuheben“, so Schäfer. Dieses Verfahren ändere nichts an der Wirksamkeit des Bebauungsplans in seiner aktuellen Fassung.

Das bestätigt auch der Landkreis Cloppenburg. Kreissprecher Sascha Sebastian Rühl schickte auf die Anfrage dieser Zeitung eine Antwort, die wortgleich mit der aus dem Friesoyther Rathaus ist.

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