Wechsel vom VfB Oldenburg Ostfriese Niehues will über Kickers ins Profigeschäft
Als einer von fünf Brüdern weiß Tade Niehues, wie man sich durchsetzt. Um sich weiterzuentwickeln, wechselt der Riepster nach Emden. Der Stürmer sieht viele Vorteile.
Emden - Im Hause Niehues in Riepe wird oft über Fußball geschnackt. Schließlich ist der Ballsport die große Leidenschaft von Wolfgang Niehues, seiner Frau Anja und den fünf Söhnen. Ab sofort dürfte in den Gesprächen neben dem Lieblingsklub FC Schalke 04 auch ein Ex-Verein des Familienvaters wieder vermehrt in den Fokus rücken: Kickers Emden. Bis Ende 2017 hatte der heute 63-Jährige den BSV, damals noch in der Landesliga, trainiert. Ab sofort streift sich sein zweitjüngster Sohn Tade das Kickers-Dress über. Der 19-Jährige wechselt auf Leihbasis vom Drittliga-Aufsteiger VfB Oldenburg zum Regionalliga-Neuling in die Hafenstadt, wie Kickers am Donnerstag bekanntgab.
Am Montag hatte Tade Niehues den Auftritt seiner künftigen Mannschaft beim Saris-Cup-Finale in Holtland gegen Firrel (1:2) als Zuschauer verfolgt, am Mittwoch absolvierte der Stürmer dann die erste Einheit mit seinen neuen Teamkollegen. „Ich habe mich gleich gut aufgenommen gefühlt“, berichtet Niehues. Dass er auch auf seinen Vater angesprochen wurde, wunderte ihn nicht: „Ein paar aus der Mannschaft wie Matthias Goosmann, Holger Wulff und Tido Steffens hatten damals ja noch unter meinem Vater gespielt. Sie meinten, dass man aus dem Gesicht ablesen könnte, dass er mein Vater sei.“ Doch weitere Sprüche gab es nicht, vielmehr sollte der Neuling Grußworte zu Hause weitergeben.
Umzug nach Oldenburg gestrichen
Vor dem Training des BSV am Mittwoch schaute Tade Niehues noch bei der ersten von zwei Einheiten an dem Tag seiner Ex-Kollegen vorbei. „Ich musste in Oldenburg noch ein paar persönliche Dinge abholen und mich von allen verabschieden“, sagt der Riepster. Es ist ein Abschied auf Zeit. Denn Tade Niehues soll nach der kommenden Spielzeit wieder zum VfB Oldenburg zurückkehren. „Ich habe für die Saison 2022/23 einen Vertrag bei Kickers unterschrieben und für die Saison 2023/24 bereits beim VfB“, erklärt Niehues die Formalitäten. Er wird sozusagen nach Emden ausgeliehen.
Niehues, der in der abgelaufenen Regionalliga-Saison auf elf Kurzeinsätze und ein Tor gekommen war, stieg Ende Juni beim VfB in die Vorbereitung auf die Drittliga-Spielzeit ein. „Irgendwann kam Trainer Dario Fossi auf mich zu und sagte, dass es in der Saison schwierig für mich werden würde, auf Einsatzzeit zu kommen und eine Leihe eine gute Option wäre“, berichtet Tade Niehues. Dann fragte relativ schnell Kickers Emden an. Es passte. Der einjährige Wechsel nach Emden bringt für ihn mehrere Vorteile mit sich. So wurde der angepeilte Umzug nach Oldenburg erstmal gestrichen. Er bleibt bei seinen Eltern und drei seiner Brüder wohnen. Die Fahrzeit zum Training beläuft sich nur noch auf zehn bis 15 Minuten. Nach Oldenburg, wo in der abgelaufenen Saison viermal die Woche eine Einheit anstand, fuhr Niehues gut eine Stunde. Auch die Aussichten auf Spielzeit und eine damit verbundene Weiterentwicklung sind für den jungen Angreifer in Emden besser als in Oldenburg.
Auf Eigeninitiative zum JFV Nordwest
Emdens Trainer Stefan Emmerling traut Niehues zu, eine „Sofortverstärkung“ zu werden. „Offensiv haben wir jetzt mehr Qualität und Möglichkeiten“, sagt Emmerling. Mit Ramon Issa, André N’Diaye und Vafing Jabathe hatte sich Kickers bereis vor dem Niehues-Transfer im Angriff verstärkt.
Emden soll für Niehues eine Zwischenstation sein. Eine Zwischenstation auf dem Weg in den Profifußball? „Das wäre natürlich der Traum und bleibt weiterhin das Ziel“, sagt Tade Niehues, der wie seine Brüder in Riepe mit dem Fußballspielen anfing. Sein ältester Bruder Hauke musste seine Karriere verletzungsbedingt aufgeben, die anderen drei spielen noch bei ihrem Heimatverein: Marten und Sönke bei den Herren und Tammo in der A-Jugend. Diese, die als JSG WIR aufläuft, wird von Vater Wolfgang Niehues trainiert.
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Dass es Tade als einer der fünf Söhne so weit nach oben im Fußballgeschäft geschafft hat, bezeichnet er selber auch als Glück. „Ich saß mit meinem Kumpel Robin Smidt im Wohnzimmer und wir haben uns einfach mal für ein Probetraining in Oldenburg angemeldet“, erinnert sich der 1,87 Meter große Stürmer. „Dann wurden wir auch noch genommen.“ So zog es Tade Niehues zum JFV Nordwest in der B-Jugend, Robin Smidt blieb dagegen in Ostfriesland und spielt in der kommenden Saison für den Bezirksligisten SV Holtland – sofern es sein Studium in Mannheim zulässt. Der frischgebackene Abiturient Tade Niehues könnte sich auch ein Studium vorstellen, sucht aber erstmal nach einer Stelle für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ).