Gewässerregulierung  Barßeler Kanal verschlickt und wuchert zu

| | 23.06.2022 17:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Barßeler Kanal - hier an der Einmündung der Ostendstraße - ist von der Hauptstraße und der Ankerstraße umgeben. Fotos: Fertig
Der Barßeler Kanal - hier an der Einmündung der Ostendstraße - ist von der Hauptstraße und der Ankerstraße umgeben. Fotos: Fertig
Artikel teilen:

Der Barßeler Kanal ist in keinem tollen Zustand. Im Umweltausschuss machte der Geschäftsführer der Friesoyther Wasseracht deutlich, dass das auch an den Anwohnern liegt.

Barßel - Ein Stimmungsbild zum Zustand des Barßeler Kanals sollte am Mittwoch im Barßeler Wirtschafts- und Umweltausschuss entstehen. Das Gewässer führt von Elisabethfehn durch Barßelermoor in den Hafen und damit in die Soeste. Der Kanal wuchert immer mehr zu. Zudem verschlickt er. Im Sommer ist der Wasserstand manchmal so niedrig, dass die Fische nach Luft schnappen. Das stört viele Anwohner. Der Kanal ist beidseitig von Straßen umgeben, einerseits der Hauptstraße, die zur Ortsdurchfahrt gehört, und andererseits der Ankerstraße, die Anliegerstraße ist.

Das gute Dutzend Anwohner, das zur Sitzung gekommen war, hatte Gelegenheit, sich mit Martin Windhaus auszutauschen, dem Geschäftsführer der Friesoyther Wasseracht, die für die Unterhaltung des Kanals zuständig ist. Auch mit den Mitgliedern des Umweltausschusses war die Diskussion intensiv. Anträge, den Zustand des Kanals zu betrachten, waren im Mai von der Bürgerfraktion und der SPD-Fraktion gestellt worden. Windhaus erläuterte seinerseits den Zuhörern, was rechtlich zur Unterhaltungspflicht der Wasseracht gehört. Das bedeute in erster Linie, den Kanal-Querschnitt frei zu halten, damit das Wasser abfließen kann. Die Bedeutung des Barßeler Kanals hat sich seit dessen Entstehung im 19. Jahrhundert gewandelt. Diente er einst der Schifffahrt als Transportweg für den Torf, ist seine Funktion heute auf die Bedeutung als Entwässerungssystem beschränkt. Ursprünglich war der Barßeler Kanal mit dem Elisabethfehnkanal verbunden. Doch in den 60er Jahren wurde er abgeklemmt. Auf dem zugeschütteten Teilstück befindet sich heute eine Allee.

Von Rhododendron bis zu Obstbäume

Der optische Eindruck des Kanals sei „nicht berauschend“ gab Windhaus freimütig zu. In der vergangenen Saison habe die Wasseracht wegen Personalausfällen und Corona-Quarantäne nicht alles geschafft, was eigentlich angebracht gewesen wäre. „Wir hätten sonst mehr Schlick entnommen und Gehölz entfernt“, sagte der Geschäftsführer der Wasseracht. Das Gebiet, das über den Barßeler Kanal entwässert wird, umfasse rund 400 Hektar - ganz Elisabethfehn-Ost. Das 1963 am Hafen gebaute Schöpfwerk, über das Wasser in die Soeste abgepumpt wird, reguliert den Wasserstand des Kanals.

Die Ufer des Barßeler Kanals sind teilweise dicht bewachsen. So ist es für die Friesoyther Wasseracht schwierig, an den Kanal zu gelangen, um ihn zu entschlammen.
Die Ufer des Barßeler Kanals sind teilweise dicht bewachsen. So ist es für die Friesoyther Wasseracht schwierig, an den Kanal zu gelangen, um ihn zu entschlammen.

Windhaus gab zu bedenken, dass die Wünsche der Anlieger, was den Bewuchs am Kanal angehe, ganz unterschiedlich seien. Einige hätten es gerne naturnah, andere bevorzugten eine reine Rasenböschung. Außerdem würden Anrainer auf dem Ufer, das nicht ihnen gehöre, sondern im Eigentum der Wasseracht sei, alles Mögliche anpflanzen, von Rhododendron bis zu Obstbäumen. Wenn jedoch der Bewuchs zu dicht sei, könne die Wasseracht ihrer Verkehrssicherungspflicht nicht nachkommen. Um den Kanal auszubaggern, sei ein Räumstreifen nötig.

Ein Straftatbestand

Die Böschung könnte in den nächsten Wochen gemäht werden, stellte Windhaus in Aussicht. Im Winter werde der Schlick ausgebaggert. Weil der Wasserstand aktuell sehr niedrig war, habe die Wasseracht den Freilauf aufgedreht. Bei Trockenheit könne sie den Wasserstand ein wenig höher setzen. Doch bei Starkregenereignissen müsse die Entwässerung im gesamten Einzugsgebiet ohne hydraulische Probleme funktionieren. Sonst seien Hausbesitzer, deren Parkett oder Keller unter Wasser stehe, rasch mit einem Anwalt bei der Hand.

Auf den Vorschlag von Neele Venekamp (CDU), Empfehlungen für die Anlieger herauszugeben, was diese am Kanal pflanzen dürften, reagierte Windhaus zurückhaltend. Die Grundstücke gehörten der Wasseracht. Man dürfe nicht einfach fremdes Eigentum nutzen, um dort Bäume zu pflanzen. Herbstlaub und Rasenschnitt im Kanal zu entsorgen, wie es viele täten, sei sogar ein Straftatbestand.

An vielen Stellen des Kanals ist die Böschung dicht mit Gehölzen bewachsen. Rechtlich gesehen dürfen Anwohner dort jedoch nichts anpflanzen, weil der Uferstreifen sich im Eigentum der Wasseracht befindet.
An vielen Stellen des Kanals ist die Böschung dicht mit Gehölzen bewachsen. Rechtlich gesehen dürfen Anwohner dort jedoch nichts anpflanzen, weil der Uferstreifen sich im Eigentum der Wasseracht befindet.

Mit einer Stimmenthaltung von Hans Eveslage entschied der Ausschuss einstimmig, sich in einem Jahr wieder zusammenzusetzen, um zu besprechen, ob sich die Situation am Kanal für beide Seiten verbessert habe.

Ähnliche Artikel