Kein Muskelkater nach Triathlon Ostfriesin tourt von einem Extrem-Sportevent zum nächsten
Slowakei, Norwegen, Garmisch-Patenkirchen: Binnen eines Monats reist Gina Lamberts aus Uplengen hierhin, um an verschiedenen Wettkämpfen teilzunehmen.
Uplengen - Gina Lamberts hat zwei große Leidenschaften: Reisen und Sport. Da verwundert es kaum, dass die 54-Jährige aus Uplengen beides gerne kombiniert – und das in einer extremen Form. Die gebürtige Niederländerin tourt praktisch von einem großen Sportevent zum nächsten. Von Bergläufen, Marathons und Radrennen bis hin zu Triathlons. War sie vor etwa zwei Wochen noch bei der Triathlonmeisterschaft „The Championship“ in der Slowakei am Start, nimmt sie an diesem Samstag beim „Midnight Sun Marathon“ im norwegischen Tromsø teil. Wiederum zwei Wochen später, am 1. Juli, will sie beim „Race Across Germany“ mitmachen. Es ist ein Radrennen von Flensburg bis nach Garmisch-Partenkirchen. „Die 1100 Kilometer möchte ich als Teil einer Viererstaffel absolvieren. Wir wollen das in 44 Stunden schaffen“, sagt die Uplengenerin, die ihre Reisen und Sportevent-Teilnahmen bisher ausschließlich aus der eigenen Tasche finanziert.
Zwei Wochen später reist Gina Lamberts erneut nach Garmisch-Partenkirchen. Denn sie hat sich für den „Salomon Zugspitz Ultratrail“ angemeldet. Beim größten Trailrunning-Event Deutschlands werden bis zu 4000 Teilnehmer erwartet. Dabei werden fünf verschiedene Strecken angeboten. Der kürzeste Lauf, der Basistrail, geht über 24 Kilometer und beinhaltet 600 Höhenmeter. Für Gina Lamberts ist das aber keine Option. Sie hat sich für den schwersten und längsten Lauf, den Ultratrail, angemeldet. Hier müssen 108 Kilometer bei insgesamt 5200 Höhenmeter absolviert werden. „Ich freue mich da riesig drauf“, sagt Gina Lamberts. Schließlich wird sie während des Laufs rund um die Zugspitze und das gesamte Wettersteingebirge atemberaubende Aussichten genießen können.
Zum Triathlon durch Verletzung gekommen
Doch bis dahin stehen erstmal das Mega-Marathon-Event in Tromsø, das nur 350 Kilometer über dem Polarkreis liegt, und das 1100 Kilometer lange Radrennen nach Garmisch-Partenkirchen an. Und zwischendurch arbeiten muss Gina Lamberts natürlich auch. Sie ist Filialleiterin eines Lebensmittelgeschäfts in den Niederlanden, fährt an Arbeitstagen immer eine Stunde hin und eine zurück. Wegen des Jobs ihres ebenfalls sportverrückten Mannes Rob van Goor ist Gina Lamberts 2007 aus dem Nachbarland nach Uplengen gezogen.
Die 54-Jährige habe so ziemlich jede Sportart einmal ausprobiert, sagt sie. „Hängengeblieben bin ich lange Zeit aber eigentlich nur beim Laufen.“ Doch vor einigen Jahren hinderte sie eine hartnäckige Fußentzündung am Sporttreiben. „Deshalb fing ich mit dem Spinning an.“ Noch immer ist Lamberts Teil der Spinning-Gruppe des VfB Uplengen. „Dann habe ich mir auch ein Rennrad gekauft und angefangen mit dem Schwimmen. Weil ich dachte, wenn ich Kraulen kann, kann ich auch Triathlon machen, wenn mein Fuß wieder gut ist.“ Seit vier Jahren nimmt sie regelmäßig – in den vergangenen zwei Jahren war es wegen der Pandemie jedoch kaum möglich – an Triathlon-Wettkämpfen teil.
Lamberts überraschend auf Treppchen
Zuletzt Ende Mai war Gina Lamberts bei einem dieser sehr erfolgreich. Sie schaffte es beim „The Championship“ in Samorin (Slowakei) in ihrer Altersklasse 55 bis 59 sogar aufs Treppchen. Sie meisterte die 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21,1 Kilometer Laufen in 5:43:02 Stunden und landete damit auf Rang zwei, „Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet“, sagt Gina Lamberts. Denn sie hatte sich nur knapp für den Wettkampf in Samorin, der praktisch das Finalevent einer Challange-Serie mit etwa 25 verschiedenen Wettkämpfen auf der ganzen Welt war, qualifiziert.
Im September beim Challenge Almere-Amsterdam wurde Lamberts Altersklassen-Sechste. „Nur die ersten Sechs erhielten einen Startplatz in der Slowakei“, sagt die Uplengenerin. Der Wettkampf in Samorin sei anspruchsvoll gewesen. „Mit der Strömung war das Schwimmen in der Donau nicht so einfach. Ich kam als Achte aus dem Wasser. Nach dem Radfahren – es gab verdammt viel Gegenwind – sagte mir mein Mann an der Strecke, dass ich Zweite sei. ‚Wow‘, dachte ich.
Die Platzierung wollte ich beim Laufen halten. Das habe ich geschafft“, sagt eine zufriedene Gina Lamberts. Muskelkater hatte sie am Folgetag übrigens nicht. „Ich bin ja gut trainiert, mache fünfmal die Woche Sport“, schmunzelt die Uplengenerin, ehe sie eingesteht: „Nach dem 60-Kilometer-Lauf auf Texel im März hatte ich meine Beine am nächsten Tag etwas gemerkt.“