Flüchtende aus der Ukraine

Wohnraum, Infos, Austausch: Was Helfer wissen müssen

| | 08.04.2022 09:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Landkreis Leer bietet auf seiner Homepage einige Infos für flüchtende und Helfer. Foto: Screenshot
Der Landkreis Leer bietet auf seiner Homepage einige Infos für flüchtende und Helfer. Foto: Screenshot
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In den Kommunen im Kreis Leer kommen täglich neue Flüchtende aus der Ukraine an. Viele Menschen möchten helfen. Manchmal kann es aber auch zu Problemen kommen. Das sollte man sich bewusst machen.

Rhauderfehn/Kreis Leer - Schon rund 965 Flüchtende aus der Ukraine, darunter 890 ukrainische Staatsbürger, waren am Donnerstag im Landkreis Leer mittlerweile erfasst. Tatsächlich dürften es mehr sein, sagt Kreissprecher Philipp Koenen, denn: „Nicht alle Menschen, die hier ankommen, melden sich gleich. Das müssen sie auch nicht.“ Eine Registrierung wird vor allem dann erforderlich, wenn Leistungen in Anspruch genommen werden sollen.

Täglich kommen weitere Flüchtende dazu. In den Kommunen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Nicht nur mit Blick auf die Suche nach Unterkünften, sondern auch was die Unterstützung der Helfenden angeht. „Derzeit wird ein Netzwerk an Ehrenamtlichen im Landkreis Leer geschaffen. Die Helfer werden in den Gemeinden von den dortigen Ehrenamtskoordinatoren betreut und eingesetzt. Zudem gibt es die DRK-Flüchtlingssozialberatung, die in allen Kommunen des Landkreises Leer Sprechstunden anbietet“, sagt Koenen.

Bessere Vorbereitung

Diese Unterstützung ist wichtig. Denn: In den Gemeinden stellen viele Menschen Wohnraum zur Verfügung - manche sogar in ihrer eigenen Wohnung. Und das kann auch problematisch sein. Bei Gudrun und Gerd Walz aus Rhauderfehn etwa hat es nicht gepasst. Nach einer Woche zogen ihre Gäste - eine Mutter mit zwei Kindern - wieder aus. Das Ehepaar hatte doppelte Lauferei: „Wir mussten ja unter anderem die Anmeldung bei der Gemeinde und der Schule wieder rückgängig machen“, erzählen die Fehntjer. Sie hätten sich gewünscht, dass Gastgeber im Vorfeld vorbereitet werden. „Dass man besser weiß, worauf man sich einlässt, worauf man achten muss. Und dass es vielleicht auch einfach nicht gut laufen kann.“ Das, so ihr Tipp, sollten sich alle, die helfen wollen, vorher bewusst machen.

Ein entsprechendes Beratungsangebot gibt es im Kreis Leer bislang nicht. „Sofern die Anmietung von Wohnraum über die Kommunen erfolgt, werden von dort auch auftretende Fragen beantwortet. Sollte die Aufnahme der Flüchtlinge privat organisiert sein, stehen seitens des Landkreises Leer keine Beratungsangebote zur Verfügung“, so Koenen.

„Blau-Gelber Treffunkt“

Im Falle der Familie Walz war wohl die Suche nach der Nähe von Landsleuten Grund für den Auszug der ukrainischen Gäste. Solche Nähe möchte die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Westrhauderfehn bald bieten. Ab Donnerstag, 14. April, soll es einen „Blau-Gelben Treffpunkt“ im Gemeindehaus geben. „Wir möchten geflüchteten Menschen aus der Ukraine eine Möglichkeit bieten, sich bei Tee und Kaffee zu treffen und auszutauschen. Zudem sind ehrenamtliche Helfer eingeladen, die sich engagieren möchten“, erklärt Helmut Hartema vom Diakonischen Werk.

Wer Wohnraum - vor allem separaten - anbieten möchte, kann sich bei der Ehrenamtsstelle des Landkreises Leer melden: www.wirpackenfreiwilligan.de/Ukraine oder telefonisch unter 0491/ 926 4048. Von dort werden die Angebote dann an die Kommunen weitergegeben. Und: Der Wohnraum muss nicht kostenlos überlassen werden. „Wer Flüchtlinge bei sich aufnimmt, die hier Sozialleistungen beziehen, kann dafür eine angemessene Miete erhalten“, so der Kreis.

Cloppenburg schnürt Willkommenspaket

Ein Willkommenspaket für Flüchtlinge hat der Landkreis Cloppenburg gemeinsam mit karitativen Verbänden geschnürt. In dem Starterkit enthalten sind eine Broschüre mit Infos, FFP2-Masken und 30 Euro Bargeld pro Person. Ukraine-Flüchtlinge, die sich offiziell bei einer Stadt oder Gemeinde im Landkreis Cloppenburg melden, erhalten dort eine Bescheinigung mit den entsprechenden Anlaufstellen. Dort bekommen sie dann im Gegenzug das Starterkit. Weitere Informationen zu der Hilfsaktion gibt es unter www.om-hilft.org.

Im Kreis Cloppenburg sind vergleichsweise viele Menschen aufgenommen worden, die aus der Ukraine geflüchtet sind. In Niedersachsen, sagte Cloppenburgs Landrat Johann Wimberg, seien vorige Woche 17.000 Ukraine-Flüchtlinge registriert worden. Von denen gingen 1700, also ein Zehntel, in den Landkreis Cloppenburg.

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