Serie „Was macht eigentlich?“

Kickers-Präsident brachte einst Spieler aus Afrika mit

| | 31.03.2022 18:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mehr als drei Jahre lang spielte Yvon Okemba (rechts) für Kickers Emden. Dabei wurde er 1994 Meister in der drittklassigen Oberliga – scheiterte dann aber mit Kickers in der Zweitliga-Aufstiegsrunde. Dieses Bild stammt aus dem Relegationsspiel gegen den FSV Frankfurt (0:3). Foto: Ackermann
Mehr als drei Jahre lang spielte Yvon Okemba (rechts) für Kickers Emden. Dabei wurde er 1994 Meister in der drittklassigen Oberliga – scheiterte dann aber mit Kickers in der Zweitliga-Aufstiegsrunde. Dieses Bild stammt aus dem Relegationsspiel gegen den FSV Frankfurt (0:3). Foto: Ackermann
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Yvon Okemba wechselte nach dem Afrika-Cup 1992 zu Kickers Emden. Schnell wurde er in der Region heimisch – und zum Fanliebling. Nach Kickers folgten weitere Stationen als Spieler und Trainer.

Rhauderfehn - Yvon Okemba hat in all den Jahren nichts an seiner Lebensfreude eingebüßt. Mit seiner extrovertierten Art, der immer guten Laune und natürlich seinen fußballerischen Fähigkeiten ist der Mann aus dem Kongo in den 90ern zu einem der Fan-Lieblinge bei Kickers Emden geworden. „Ich bin einer, der immer fröhlich ist“, sagt Yvon Okemba. Dabei steht der 56-Jährige, der längst in Westrhauderfehn heimisch geworden ist, gerade ohne Arbeit da.

Yvon Okemba hat stets ein Lächeln auf den Lippen. Er wohnt mit seiner Frau, drei Kindern und zwei Enkeln in Rhauderfehn. Foto: Privat
Yvon Okemba hat stets ein Lächeln auf den Lippen. Er wohnt mit seiner Frau, drei Kindern und zwei Enkeln in Rhauderfehn. Foto: Privat

Im Januar habe er eine Umschulung als Lagerlogistiker abgeschlossen, erzählt Okemba. Zur Jahrtausendwende hatte er sich zum Bürokaufmann ausbilden lassen, übte danach aber zig verschiedene Jobs aus. Beispielsweise arbeitete er als Produktionshelfer einer Enercon-Tochterfirma. Sein Traum von klein auf war es aber indes, vom Fußballspielen leben zu können. Jener lockte ihn 1992 auch aus dem Kongo nach Ostfriesland zu Kickers Emden. Es war wohl einer der aufwendigsten und spektakulärsten Wechsel in der Vereinsgeschichte der Emder.

Als Verteidiger geholt, im Mittelfeld gespielt

Mit dem Ziel, in die 2. Bundesliga aufsteigen zu wollen, begab sich der einstige Kickers-Präsident Dr. Helmut Riedl Anfang 1992 auf Spielersuche nach Afrika. „Er wollte einen neuen Torwart und vor allem Verteidiger“, sagt Yvon Okemba. Im westafrikanischen Land Benin bereitete er sich gerade mit der kongolesischen Nationalmannschaft auf den in Senegal stattfindenden Afrika-Cup vor, als ihn Dr. Helmut Riedl erstmals spielen sah. Während des kontinentalen Turniers suchte der 1997 verstorbene Klubboss des BSV dann den Kontakt zu Yvon Okemba – nicht nur zu ihm. Auch an dessen Nationalmannschaftskollegen Brice Samba (Torwart) und Jean de Dieu Tsoumou-M’Bele (Verteidiger) hatte Riedl Interesse. Nachdem Kongo im Viertelfinale an Ghana (1:2) gescheitert war, tütete der damalige Chef des Emder Tankstellen-Unternehmens Score den Deal immerhin mit Yvon Okemba und Jean de Dieu Tsoumou-M’Bele ein. Die beiden Kongolesen wohnten in der Anfangszeit sogar direkt über dem Büro von Dr. Helmut Riedl, aßen jeden Mittag gemeinsam mit ihm und dessen Frau Lo Riedl-Defet.

Während sein Freund zu Beginn etwas Startschwierigkeiten mit der deutschen Mentalität hatte und das Land nach ein paar Jahren wieder verließ, fühlte sich Okemba sofort wohl in Ostfriesland. „Die Leute haben es mir auch einfach gemacht“, sagt der 56-Jährige, der bei seinen damaligen Kickers-Mitspielern in bester Erinnerung ist. Stephan Prause nennt ihn einen „ganz angenehmen Weggefährten, einen absolut lieben Menschen“. Uwe Groothuis betont neben der „immer guten Laune“ von Okemba auch dessen fußballerische Klasse. „Er war ein begnadeter Techniker, der im eigenen Strafraum auch mal einen Tunnel spielte“, sagt Groothuis, der nach der Verpflichtung der beiden Kongolesen bei Kickers eigentlich von der Libero-Position ins Mittelfeld aufrücken sollte. Schließlich wurden diese als Verteidiger geholt. „Ich erinnere mich noch gut, als Okemba nach seiner Position gefragt wurde und ‚ich Mittelfeld‘ antwortete“, so Groothuis. „Also blieb ich Libero.“ Als die Emder Vereinsikone dann kurze Zeit später die Schuhe an den Nagel hängte und das Co-Traineramt übernahm, machte Okemba dann auch noch einige Spiele als Libero.

Gelegentlich steht Yvon Okemba (rechts) noch immer auf dem Fußballplatz – dann zumeist mit der Alten Herren von TuRa Westrhauderfehn. Bei einem Spiel der Emder Meisterhelden von 1994 gegen eine Ostfrieslandauswahl zog er sich 2019 auch noch mal das Kickers-Trikot über. Foto: Doden
Gelegentlich steht Yvon Okemba (rechts) noch immer auf dem Fußballplatz – dann zumeist mit der Alten Herren von TuRa Westrhauderfehn. Bei einem Spiel der Emder Meisterhelden von 1994 gegen eine Ostfrieslandauswahl zog er sich 2019 auch noch mal das Kickers-Trikot über. Foto: Doden

Sechs Kinder, aber keines spielt Fußball

In der Saison 1993/94 wurde Kickers Meister der damals drittklassigen Oberliga Nord und damit der von Dr. Helmut Riedl ersehnten 2. Liga ganz nah. Doch Kickers verpasste den Coup in der Aufstiegsrunde und blieb drittklassig. „Es waren mein größter Erfolg und Misserfolg in Deutschland“, blickt Okemba zurück. Nach seiner Zeit bei Kickers spielte er auch noch für Concordia Ihrhove und Germania Leer. Beim VfB Rajen agierte er dann als Spielertrainer. Es folgten noch einige weitere Stationen als Trainer: FTC Hollen, Frisia Loga, SuS Steenfelde, SV Burlage, Frisia Völlenerkönigsfehn, TuRa Westrhauderfehn, VfR Heisfelde. Zuletzt trainierte er bis 2019 die A-Junioren von TuRa Westrhauderfehn. Bei TuRa schnürt er sich auch noch regelmäßig selbst die Fußballschuhe – wenn sich die Alte Herren freitags zum Kicken trifft.

„Schon zu seiner Zeit als Spieler konnte man sehen, dass er mal Trainer wird“, sagt Uwe Groothuis über Okemba. „Er hatte taktisches Verständnis und ein vorausschauendes Denken.“ Zudem war Okemba trotz seiner nur 1,78 Meter Körpergröße ein guter Kopfballspieler. „Meine Gegenspieler fragten mich mal, ob ich Federn in den Beinen hätte“, muss Yvon Okemba schmunzeln. Als Fußballer konnte er fast alles – nur eine Schwäche hatte er: Er war nicht besonders schnell.

Seine sechs Kinder haben indes nichts mit Fußball am Hut. „Meine sportlichen Gene wurden scheinbar nicht weitervererbt“, sagt Yvon Okemba, der mit seiner Frau, drei Kindern sowie zwei Enkelkindern in Rhauderfehn wohnt.

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