Fußball
Plötzlich Germania-Knipser: Der spezielle Weg des Ramon Issa
Ramon Issa sorgt bei Germania Leer mit seinen Toren für Aufsehen. Wer aber ist dieser 19-Jährige, der vor Monaten eigentlich beim Stadtrivale Frisia Loga gelandet war?
Leer - Ramon Issa ist kein Mann der großen Worte. Er ist keiner, der viel spricht, eher ein zurückhaltender Typ. Er macht zumeist nicht mehr als unbedingt nötig – sei es für die Schule oder auch auf dem Fußballplatz. Auf diesem verlässt sich der Kicker von Germania Leer vorrangig auf sein Talent. Zumindest war das bis vor einigen Wochen noch so. Unter dem zurückgekehrten Trainer Michael Zuidema hat der hoch veranlagte 19-Jährige gelernt, dass Fußballspielen auch viel Arbeit und Einsatz bedeutet. Man nur so zum größtmöglichen Erfolg kommt. „Bei ihm im Kopf hat es Klick gemacht“, nennt es Michael Zuidema. „Ich bin stolz auf Ramon.“ Und dankbar.
Denn es sind auch die Tore von Ramon Issa, die Germania Leer noch auf den Klassenerhalt in der Fußball-Landesliga hoffen lassen. Zwei der drei Pflichtspieltreffer der Leeraner in diesem Jahr gehen auf das Konto des Youngsters, der bereits in der Rückrundenvorbereitung für mächtig Aufsehen gesorgt hatte. In seinem erst vierten Herrenspiel überhaupt erzielte er fünf Tore beim 7:2-Testspielsieg gegen das Bezirksliga-Topteam TV Bunde. Dass die Leistung keine Eintagsfliege war, zeigte er auch mit zwei Treffern beim 5:2 gegen Oberligist Kickers Emden. Es ist ein kometenhafter Aufstieg, den der 1,91 Meter große Offensivspieler hingelegt hat. Noch dazu ist es ein beeindruckendes Comeback nach einer langen Leidenszeit. Erst musste Issa wie alle Fußballer wegen der Pandemie pausieren, dann setzte ihn eine langwierige Meniskusverletzung außer Gefecht.
Eigentlich wollte Issa für Loga spielen
Im kompletten Jahr 2021 hatte Ramon Issa nur ein einziges Spiel bestritten – und das auch nur für wenige Minuten. Beim 1:2 Ende November bei TuRa Westrhauderfehn war Issa in der 88. Minute eingewechselt worden. Dabei wollte Issa noch wenige Wochen zuvor eigentlich gar nicht mehr für Germania spielen, sondern für das Bezirksliga-Schlusslicht Frisia Loga. Dieses präsentierte Issa Ende Oktober als Neuzugang vom JFV Leer, bei dem Issa seine komplette Jugendzeit verbracht hatte. Issa trainierte unter Logas Interimstrainer Harry Janssen – seinem einstigen Jugendcoach – mit, spielen durfte er aber nicht. Denn weil er sich zum 30. Juni bei Germania abmelden ließ, sich bis zum 31. August aber bei keinem anderen Verein anmeldete, galt eine Wartezeit für Spiele bis in den Dezember hinein. „Im Sommer wurde ich operiert, nachdem eine Behandlung mit Physiotherapie nicht gewirkt hatte. Als ich dann wieder spielen konnte, durfte ich nicht. Es war blöd gelaufen“, erklärt Issa.
Als Michael Zuidema wieder die Verantwortung bei Germania Leer übernahm, bemühte er sich um die Dienste des abgewanderten 19-Jährigen – mit Erfolg. „Ich habe ihm gleich klar gemacht, dass er sich nicht nur auf sein Talent verlassen kann, sondern Fleiß und Training oberstes Gebot sind“, sagt Zuidema. „Das hat Ramon angenommen. Die Früchte ernten wir jetzt.“
Besondere Bindung zum Großvater
Ramon Issa ist einer der Spielertypen, die Hasan Salihamidzic noch vor wenigen Tagen in einem Interview mehr im deutschen Fußball gefordert hatte. „Wir brauchen mehr Straßenfußball und weniger Fifa-Playstation“, sagte der Sportvorstand des FC Bayern München. Ab und zu sitzt auch Ramon Issa mal an der Konsole. Viel lieber steht er aber selbst auf dem Platz, trickst und schießt Tore. „Ich bin einer, der gerne auch mal für die Zuschauer spielt“, sagt Ramon Issa ehrlich. So nimmt er im Spiel auch mal einen Flankenball mit der Hacke an oder versucht seinen Gegenspieler zu tunneln. Sein fußballerisches Idol ist da naheliegend: Neymar. „Von klein auf habe ich mir Videos von ihm angeschaut und versucht, seine Tricks nachzumachen“, sagt der 19-Jährige, der bei seiner Mutter Wencke Müller direkt am Leeraner Hoheellern-Stadion wohnt. Mit seinem Vater, der aus Ghana stammt und heute in Berlin wohnt, habe er „guten Kontakt“, sagt Ramon Issa.
Sehr viel Zeit verbringt er bei seinem Großvater Heinz-Dieter Müller im Ortsteil Loga. „Ich habe gesundheitliche Probleme. Ramon hilft mir da gewaltig viel. Er macht Besorgungen und fährt mich, wenn ich irgendwo hin muss“, sagt der 66-Jährige. Er und seine Lebenspartnerin Lena Brunken begleiten Ramon Issa schon von klein auf zu praktisch allen Fußballspielen. „Wir sind sein größter Fanklub“, sagt Lena Brunken mit einem Lächeln. „Wir sehen Ramon einfach gerne beim Fußballspielen zu.“
Für welchen Verein Ramon Issa künftig die Fußballschuhe schnüren wird, ist noch nicht sicher. „So hoch wie möglich“ wolle er spielen, sagt der 19-Jährige. Eine Rolle in den Überlegungen einnehmen wird auch, wie und wo es für Ramon Issa nach der Schule weitergeht. Er macht an der BBS I in Leer sein Abitur mit dem Schwerpunkt Wirtschaft. „Am liebsten würde ich danach Bauingenieurwesen studieren“, sagt Ramon Issa. Doch derzeit konzentriert er sich auf die Mitte April beginnenden Abschlussarbeiten sowie den Landesliga-Abstiegskampf mit Germania Leer.