Coronafälle

Bollinger Pflegeheim St. Michael lässt keine Besuche zu

| | 24.03.2022 18:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wegen Coronafällen in der Belegschaft und bei den Bewohnern ist das Alten- und Pflegeheim St. Michael in Bollingen seit einer Woche für Besucher geschlossen. Wie lange das so bleiben wird, ist unklar. Archivfoto: Passmann
Wegen Coronafällen in der Belegschaft und bei den Bewohnern ist das Alten- und Pflegeheim St. Michael in Bollingen seit einer Woche für Besucher geschlossen. Wie lange das so bleiben wird, ist unklar. Archivfoto: Passmann
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Wegen Coronafällen in der Belegschaft und bei den Bewohnern lässt das Alten- und Pflegeheim St. Michael in Bollingen seit einer Woche keine Besucher mehr ins Haus. Wie lange das so bleibt, ist unklar.

Bollingen - Das Alten- und Pflegeheim St. Michael in Bollingen ist für Besucherinnen und Besucher geschlossen. Das sei seit einer Woche so, teilt Geschäftsführer Gunnar Evers mit. Grund sind Corona-Fälle innerhalb der Belegschaft und unter den Bewohnern des Heimes. 114 Menschen werden im St. Michael-Stift von 180 Mitarbeitenden betreut und gepflegt. Etliche davon sind in den vergangenen Tagen positiv auf Corona getestet worden.

„Wir wollen das Risiko eindämmen und es kontrollieren können“, erläutert Evers. Es sei eine Hauptaufgabe der Heimleitung, die Bewohner vor Ansteckungen zu schützen. Täglich würden deshalb alle Bewohner, die sich noch nicht infiziert hätten, auf Corona getestet. Die Pflegekräfte würden sich ohnehin seit Monaten täglich testen, sagt Evers und das unabhängig von ihrem Impfstatus. „Sonst wäre es einfach zu gefährlich. Da gehen auch alle unsere Mitarbeiter mit“, stellt der Geschäftsführer fest.

Jede Kontaktperson angerufen

Auf der Homepage des Bollinger Alten- und Pflegeheimes steht unter dem Punkt Aktuelles, dass das Heim „aufgrund von einigen Corona-Infektionen bis auf Weiteres für Besuche komplett geschlossen bleibt. Wir bitten um Ihr Verständnis!“ Darüber hinaus hat die Belegschaft des St. Michael-Stiftes einen Telefon-Marathon hinter sich: Für jeden einzelnen Bewohner wurde die oder der als Kontaktperson offiziell benannte Angehörige angerufen, über die Situation im Heim aufgeklärt und gebeten, weitere mögliche Besucher über das aktuell geltende Besuchsverbot zu informieren. So schildert es Gunnar Evers.

Wie lange das Besuchsverbot gelten wird, konnte der Geschäftsführer nicht sagen. Einen Zeitrahmen könne er nicht abstecken, sagte Evers. „Das dauert so lange, bis wir die Risiken ausgemerzt haben.“ So sei es auch mit dem Kreisgesundheitsamt in Cloppenburg abgesprochen worden.

Fast zwei Jahre lang coronafrei

Evers verdeutlichte, dass das Besuchsverbot ausschließlich aufgrund der Menge aktueller Corona-Fälle verhängt worden sei. „Wenn nur ein oder zwei unserer Bewohner Corona haben, würden wir öffnen“, macht er deutlich. Als zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 das bundesweit geltende Betretungsverbot für Alten- und Pflegeheime aufgehoben wurde, sei das Bollinger St. Michael-Stift eine der ersten Einrichtungen gewesen, die ihre Türen wieder für Besucher geöffnet hätte. „Ein ganzes Jahr lang und 51 Wochen waren wir coronafrei“, stellt der Geschäftsführer fest. „Die zwei Jahre voll zu machen, war uns nicht vergönnt“, bedauert er. Doch das Infektionsgeschehen greife derzeit so um sich, dass es anders nicht mehr unter Kontrolle zu bringen sei.

Dem Landkreis sei bekannt, dass es im Bollinger St. Michael-Stift „aktives Infektionsgeschehen“ gebe, sagt Kreissprecher Sascha Sebastian Rühl, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Doch dem Landkreis liegen diese Zahlen vor. Auch in einigen anderen Alten- und Pflegeheimen im Kreisgebiet gebe es derzeit viele Corona-Fälle. Das sei jedoch bei den aktuellen Inzidenzen auch nicht weiter verwunderlich, so der Kreissprecher. Die 7-Tage-Inzidenz lag am Donnerstag laut RKI für den Landkreis Cloppenburg bei 969,7.

Kreis verhängt Maßnahmen nicht

Ob auch andere Pflegeheime deshalb ihre Türen für Besucher geschlossen halten, wisse er nicht, erklärte Rühl, denn solche Maßnahmen ordneten die Heimleitungen selbstständig an. Anders als früher sei der Landkreis an derartigen Entscheidungen nicht mehr beteiligt. Das Gesundheitsamt schaffe schon so nicht mehr, einzelne Ausbruchsgeschehen zu analysieren und eine Kontaktnachverfolgung durchzuführen.

Der Kreissprecher machte jedoch deutlich, dass man die Situation in den Pflegeinrichtungen im Kreishaus gelassen betrachte. „Denn den Leuten geht es vergleichsweise gut.“ Dank der milder verlaufenden Omikron-Variante seien die Intensivstationen der drei Krankenhäuser im Kreisgebiet nicht wegen Corona-Fällen überlastet.

Zehn Coronatote 2022

Rühl machte den milderen Verlauf des aktuellen Infektionsgeschehens an Zahlen fest: Bis zum Jahreswechsel waren im Landkreis Cloppenburg 201 Menschen an oder mit Covid19 gestorben. Mit Stand vom 24. März 2022 hat sich diese Zahl auf 211 erhöht. Im selben Zeitraum seien jedoch im Kreisgebiet weit über 20.000 neue Corona-Fälle bekanntgeworden. Das sind mehr als während des gesamten Pandemiezeitraums von fast zwei Jahren vorher zusammen.

Obwohl eine Erkrankung mit der Omikron-Variante in der Regel milde verlaufe, seien Pflegekräfte und ältere Menschen weiterhin gut beraten, auf ihren Impfschutz zu achten, empfahl der Kreissprecher.

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