Hallensport

BBS-Halle in Leer als Flüchtlingsunterkunft: Sportler sind sauer

| | 22.03.2022 18:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bereits 2015 war die Leeraner BBS-Halle für den Sportbetrieb geschlossen und zu einer Flüchtlings-Sammelunterkunft umgebaut worden. Derzeit wird dort alles hergerichtet, damit dort in Kürze mehr als 100 Ukrainer unterkommen können. Foto: Stromann
Bereits 2015 war die Leeraner BBS-Halle für den Sportbetrieb geschlossen und zu einer Flüchtlings-Sammelunterkunft umgebaut worden. Derzeit wird dort alles hergerichtet, damit dort in Kürze mehr als 100 Ukrainer unterkommen können. Foto: Stromann
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Seit Freitag ist die Leeraner BBS-Sporthalle nicht mehr für den Vereinssport nutzbar. Denn sie wird zur Flüchtlingsunterkunft umgebaut. Die Folgen für den Sport könnten weitreichend sein.

Leer - Den Geflüchteten aus der Ukraine muss geholfen und eine Unterkunft bereit gestellt werden: Da sind sich die Verantwortlichen des Landkreises Leer, des Kreissportbunds (KSB) Leer und der hiesigen Hallensport-Vereine einig. Doch wo sollen so kurzfristig so viele Flüchtlinge untergebracht werden? In der Beantwortung dieser Frage gehen die Meinungen zwischen Landkreis-Vertretern und den Sportverantwortlichen auseinander. Der Landkreis möchte die Sporthalle der Berufsbildenden Schulen (BBS) wie schon 2015 als Sammelunterkunft für Flüchtlinge nutzen, wie am Freitag bekannt geworden war. Bereits Freitagvormittag begannen entsprechende Umbauarbeiten.

Das stößt beim Kreissportbund und bei den betroffenen Vereinen böse auf – aus zweierlei Gründen. Zum einen fällt damit von heute auf morgen eine der Haupt-Sporthallen der Stadt für den Trainings- und Punktspielbetrieb weg. Umverteilungen oder gar der Wegfall von Hallenzeiten könnten Hunderte Sportler aus gut zwölf Vereinen treffen, schätzt Egge Mansholt, stellvertretender Vorsitzender beim KSB Leer und seit 20 Jahren zuständig für die Hallenvergabe. „Es steht außer Frage, dass Ukrainern eine Unterkunft geboten werden muss. Warum muss dafür ausgerechnet die BBS-Halle herhalten?“, fragt sich Egge Mansholt. „Praktisch vor meiner Haustür steht die ehemalige Oberschule an der Floorenstraße in Weener leer. Die wäre doch ideal mit den kleinen Räumen. Da muss man auch keine Extra-Wände ziehen wie in der BBS-Halle.“ Der Sport, vor allem der Hallensport, habe aufgrund der Pandemie bereits zwei Jahre lang gelitten, sagt Mansholt. „Nun droht erneut ein Einschnitt.“

Egge Mansholt ist für die Hallenbelegung im Kreis Leer zuständig. Foto: Archiv
Egge Mansholt ist für die Hallenbelegung im Kreis Leer zuständig. Foto: Archiv

Landkreis verteidigt sich

Neben einer unglücklichen Standort-Auswahl für die Flüchtlingsunterkunft, die auch schon die FDP kritisiert und als Alleingang von Landrat Matthias Groote (SPD) bezeichnet hatte, wird dem Landkreis aus der Sportler-Szene eine mangelhafte Kommunikation vorgeworfen. „Ich habe erst aus der Zeitung von dem Vorhaben mit der BBS-Halle erfahren“, sagt beispielsweise Udo Poppen, Vorsitzender HSG Leer. „Wir lagern noch Ausrüstungsgegenstände in der Halle. Hätten wir das eher gewusst, hätten wir sie uns rausholen können.“

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Am vergangenen Mittwoch – berichtet Egge Mansholt – habe der Landkreis den Kreissportbund seinen Plan, „voraussichtlich“ in der BBS-Halle eine Flüchtlingsunterkunft einzurichten, geäußert. „Zwei Tage später war es dann schon soweit. Da wurde direkt mit den Arbeiten begonnen, ehe wir darüber endgültig informiert wurden. Das ist mehr als unglücklich“, ärgert sich Mansholt. Der Landkreis Leer wirbt auf Nachfrage dagegen um Verständnis für die Entscheidung, die am Freitag den Vereinen mitgeteilt worden sei. Es sei eine „außergewöhnliche Situation“, schreibt Landkreis-Sprecher Philipp Koenen. „Die Lage ist dynamisch.“ Und das bedeute, dass „Beschlüsse eben auch kurzfristig gefasst werden müssen“. Eine derartige Kurzfristigkeit bezüglich der BBS-Halle könne KSB-Vizechef Egge Mansholt aber nicht nachvollziehen, sagt er. „Ich hätte mir etwas mehr Vorlaufzeit gewünscht. Dann wäre alles einfacher. So aber wird das Ehrenamt mit Füßen getreten.“ Schon jetzt hätten ihn die Umplanungen wegen der nun nicht mehr für den Sport nutzbaren BBS-Halle einige Stunden Zeit gekostet.

Die Logabirumer Basketballer (am Ball Kerem Baysalli) können nun nicht mehr in der BBS-Halle trainieren – und dort erstmal auch keine Spiele austragen. Foto: Meiborg
Die Logabirumer Basketballer (am Ball Kerem Baysalli) können nun nicht mehr in der BBS-Halle trainieren – und dort erstmal auch keine Spiele austragen. Foto: Meiborg

Vereine müssen Kompromisse eingehen

Am härtesten trifft die Umnutzung der BBS-Sporthalle die Basketball-Abteilung von Fortuna Logabirum. „Bis auf die dritte und vierte Herren trainieren und spielen all unsere Mannschaften dort“, sagt Abteilungsleiter Alexander Meiborg. Die aktuelle Hallen-Situation sei ein „großes Desaster“. „Ich bin froh, dass es für unsere erste Herren sportlich um nichts mehr geht.“ Die erste Herren der Fortuna hat in der 2. Regionalliga bereits den Klassenerhalt sicher. Das Spiel am Dienstag gegen Bremerhaven mussten die Logabirumer Herren notgedrungen in der Halle der Friesenschule austragen – ohne dort mal trainiert zu haben. Auch eine Tribüne gibt es dort nicht. Damit das Spiel in der Halle der Friesenschule überhaupt stattfinden konnte, mussten die Bogenschützen des Schützenvereins Leer sowie die Herren-Handballer der HSG Leer auf ihre Zeiten dort verzichten. „Aufgrund der aktuellen Lage ist das in Ordnung. Wir Vereine müssen jetzt zusammen an einem Strang ziehen und das Bestmögliche draus machen“ appelliert HSG-Vorsitzender Udo Poppen.

Alexander Meiborg leitet die Basketball-Abteilung von Logabirum. Foto: Privat
Alexander Meiborg leitet die Basketball-Abteilung von Logabirum. Foto: Privat

Wie genau und wie gut die wegfallenden Zeiten in der BBS-Halle für die Vereine aufgefangen werden können, ist noch nicht abzusehen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die BBS, die in ihrer Halle entsprechend auch keinen Schulsport mehr machen kann. „Wenn die BBS nicht ausreichend in den städtischen Hallen unterkommt, sondern auch in anderen Hallen Zeiten benötigt, könnte es den Vereinssport noch härter treffen als ohnehin schon“, prognostiziert Egge Mansholt. In den kommenden Tagen erwartet er Infos zum Hallenbedarf der BBS. Dann wolle er die betroffenen Vereine schnellstmöglich zusammentrommeln und mit ihnen gemeinsam Lösungen und Kompromisse finden.