Einsatz

Holter Feuerwehr rückte raus: eCall hatte Alarm geschlagen

| | 23.03.2022 12:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der eCall kann auch manuell durch Drücken eines Knopfes im Fahrzeug ausgelöst werden. Archivfoto: dpa
Der eCall kann auch manuell durch Drücken eines Knopfes im Fahrzeug ausgelöst werden. Archivfoto: dpa
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Die Holter Wehr wurde vor kurzem zu einem Unfall gerufen, es war ein Fehlalarm durch das eCall-System. Etwa fünf bis zehn solcher Notrufe gibt es in Ostfriesland jede Woche. Manchmal ist es ernst.

Rhauderfehn/Ostfriesland - Der Notruf, der vor einigen Tagen die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Holte in Bewegung setzte, kam nicht von einem Menschen. Ein eCall war der Auslöser, ein automatischer elektronischer Alarm vom Notrufsystem. Das müssen Hersteller von Kraftfahrzeugen seit 2018 in alle neuen Modelle von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen einbauen. Eine wertvolle Technik, sagt Dominik Janßen, Sprecher der Kreisfeuerwehr Leer. Aber auch eine, die manches Mal zu Fehlalarmen führt.

So war es auch in Holte. Die Einsatzkräfte rückten aus, aber umsonst. Sie fanden nur ein abgestelltes leeres Fahrzeug vor. Dass die Wehr ausrückte, liegt an der Systematik des eCalls. „Wird der Notruf ausgelöst, durch einen Unfall oder manuell durch das Drücken des entsprechenden Knopfes im Fahrzeug, wird die nächste Leistelle kontaktiert“, erklärt Holger Saathoff von der Kooperativen Regionalleitstelle Ostfriesland (KRLO). eCall nutze Mobilfunk und Satellitenortung. Das im Fahrzeug montierte System übertrage Informationen zum Unfallort, zur Art der Auslösung und zum Fahrzeug sowie zur Anzahl der angeschnallten Personen. Die Leistelle versuche etwa 15 Sekunden nach Eingang der Meldung Sprechkontakt zur Person im Wagen herzustellen, um die Lage zu klären. „Wenn sich niemand meldet, gehen wir davon aus, dass die Person nicht ansprechbar und schwer verletzt ist oder aus dem Fahrzeug geschleudert wurde“, so Saathoff. Der Feuerwehr wird dann ein Unfall mit möglicherweise verletzter Person gemeldet.

Manche Fahrer steigen einfach aus

Wie in Holte kann es aber vorkommen, dass vor Ort niemand anzutreffen ist. Weil das System eine Fehlfunktion hatte. Oder weil der Fahrer nach einem Unfall aus dem Fahrzeug ausgestiegen ist, um den Schaden zu begutachten. Und so den Anruf aus der Leitstelle nicht mitbekommt und folglich nicht darüber aufklären kann, dass kein schlimmer Notfall vorliegt. „Dann setzen sich Feuerwehr, Rettungsdienst und Notarzt umsonst in Bewegung“, sagt Saathoff. Das sei aber unvermeidbar: „Wir müssen eben sehr vorsichtig sein. Denn es hat schon Fälle gegeben, wo jemand schwer verletzt war. Einmal war ein Fahrer aus dem Auto geschleudert worden. Davon muss man ausgehen, wenn man keinen Sprechkontakt bekommt.“ Er rät deshalb, bei einem harmlosen Crash noch kurz im Wagen auf den Rückruf der Leitstelle zu warten.

Die KRLO ist für 34 Dienststellen der Polizei, 23 Rettungswachen und 159 Ortsfeuerwehren in den Landkreisen Aurich, Leer und Wittmund zuständig. Etwa fünf bis zehn eCalls kommen in der Leitstelle jede Woche an. Meist lasse sich dann durch den Sprechkontakt klären, dass kein Notfall vorliegt. Zu ein bis zwei Fällen davon müssten Helfer aber ausrücken, weil kein Kontakt möglich ist. „Darunter ist im Schnitt dann ein tatsächlicher Notfall“, erklärt Saathoff.

Alarm auf einem Autozug

Häufigster Grund für einen Fehlalarm sei, dass der Fahrer aus versehen den Knopf gedrückt habe. „Das lässt sich ja schnell aufklären.“ Dann gibt es den technischen Defekt. Bei einem Unfall wird der Alarm ausgelöst, wenn das Fahrzeug gegen ein Hindernis prallt. „Es muss dabei aber eine Geschwindigkeit von mindestens zehn bis 20 Stundenkilometer haben. Wenn man nur mal so aus Versehen gegen den Wagen schlägt, passiert nichts.“

Dominik Janßen erinnert sich an einen Fall, als ein eCall von einem Fahrzeug auf einem Autotransportzug ausgelöst wurde. Und: In Neermoor gebe es einen Neuwagen-Umschlagplatz. Da komme es auch manchmal zu Fehlalarmen.

Der Holter Ortsbrandmeister Christoff Feldhoff und seine Kollegen wissen, dass sich solche Situationen nicht ausschließen lassen. Früher habe man häufiger zu Brandmeldeanlagen ausrücken müssen, die falsch alarmiert hätten. Das sei aber viel besser geworden. „Die Fehlalarme dürfen nur nicht Überhand nehmen“, sagt Feldhoff: „Das demotiviert die Einsatzkräfte. Schließlich sind das alles Ehrenamtler.“ Das sieht auch Saathoff so: „Das sind bei uns ja alles Freiwillige. Die von der Arbeit extra weg müssen zum Einsatz.“ Oder wie im Fall in Holte den Feierabend unterbrechen müssen.

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