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Pflegende Angehörige: Welche Hilfe steht ihnen zu?
Ob Hilfsmitte oder Geld: Viele Menschen, die einen Angehörigen pflegen, wissen nicht, welche Leistungen sie in Anspruch nehmen können. In einer neuen Sprechstunde können sie sich ab April informieren.
Rhauderfehn - In einem Land, das immer älter wird, steigt die Zahl der Pflegebedürftigen: Mehr als 4,1 Millionen gibt es davon in Deutschland, 2,1 Millionen von ihnen werden allein von Angehörigen zu Hause versorgt. Im Kreis Leer ist der Anteil derer, die durch pflegende Angehörige betreut werden, noch höher als im Bundesschnitt. Die Zahlen, so Bernd Beutel, sind für ihn als Pflegelotsen „aber nur Statistik“. Der Rhauderfehner sieht vielmehr, dass pflegende Angehörige an vielen Stellen auf Probleme treffen, weil ihnen wichtige Informationen fehlen. Zum Beispiel darüber, welche Unterstützung sie selbst in Anspruch nehmen können.
„Sicherlich kann man viele Tipps im Internet finden. Aber oft sind die Angehörigen selbst schon älter und mit dem Internet nicht so vertraut. Und gerade nach spezielleren Informationen muss man schon sehr suchen“, sagt Beutel. An dieser Stelle will der Vorsitzende des Rhauderfehner Seniorenbeirates, der vom Seniorenstützpunkt des Landkreises Leer als Seniorenbegleiter eingesetzt wird, ansetzen.
Per Telefon oder Videoanruf
„Ich biete ab der ersten Aprilwoche alle 14 Tage dienstags von 17 bis 19 Uhr eine Sprechstunde an: online per Videoanruf oder einfach telefonisch“, so Beutel. Melden können sich alle, die Fragen oder Probleme rund um die Pflege von Angehörigen haben. „Man liest ja oft von barrierefreien Badsanierungen. Aber wie funktioniert das genau? An wen muss man sich wenden, welche Förderung gibt es wo?“, nennt Beutel ein Beispiel. Was viele ebenfalls nicht wüssten, sei, dass Pflegebedürftige gemeinsam mit den Pflegenden auch Urlaub machen können. Oder dass die Krankenkassen Stromkosten übernehmen für den Betrieb von elektronischen Hilfsmitteln wie etwa Schlafmasken oder Pflegebetten. Oder auf dem Pflegeportal Weser-Ems freie Pflegeplätze abgerufen werden können. Manches Mal werde auch der monatliche Entlastungsbetrag nicht ausgeschöpft. „Dass man den auch später noch im Rückgriff in Anspruch nehmen kann, wissen manche Angehörige auch nicht“, so Beutel, „oder dass man dieses Geld auch für Fahrtkosten etwa zum Arzt verwenden kann.“
Ab dem 5. April können Ratssuchende sich unter der Rufnummer 04952/808932 telefonisch, unter 0175/5896010 per WhatsApp oder WhatsApp-Videoanruf mit Pflege-Fragen an Bernd Beutel wenden. Der Rhauderfehner hofft, dass auch über die Kurse „Smartphone & Co“ des Seniorenbeirates und die anstehende Kooperation mit dem „Digitalen Engel“ viele ältere Interessierte sich soweit mit der Technik vertraut machen, um per Videoanruf Kontakt aufnehmen zu können. Denn: „Später soll es noch einmal im Monat über das Videokonferenz-Programm Zoom Aufklärungsveranstaltungen geben zu den Themen Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung.“
456.255 Personen erhalten Leistungen
Das Thema, ist Beutel sicher, hat Potenzial. „Allein in Rhauderfehn leben mehr als 7600 Menschen, die über 60 Jahre alt sind. Die steigenden Zahlen des Landes Niedersachsen bestätigen die Relevanz. Die jüngsten Daten sind aus dem Jahr 2019. „Die Pflegestatistik wird alle zwei Jahre durchgeführt. Aktuell erheben wir die Daten für 2021 bei den stationären und ambulanten Einrichtungen. Auskünfte dazu werden voraussichtlich im letzten Quartal 2022 möglich sein“, erklärt Sabine Prinz vom Landesamt für Statistik Niedersachsen.
2019 erhielten in Niedersachsen 456.255 Personen Leistungen nach dem Pflegeversicherungsgesetz. Mit 234.070 Personen wurden gut die Hälfte der Pflegebedürftigen zu Hause allein von Angehörigen gepflegt. Im Landkreis Leer ist die Quote noch höher gewesen: Stationäre oder ambulante Pflege nahmen hier 4749 Personen in Anspruch, während 5832 Personen allein von pflegenden Angehörigen versorgt wurden.