Politik

Vier Bewerber kämpfen um die Gunst der CDU

| | 19.02.2022 10:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Vier Kandidaten, ein Ziel: Dirk Koopmann (von links), Dr. Michael Hoffschroer, Philipp Hannöver und Lukas Reinken wollen Direktkandidat der CDU bei der Landtagswahl werden. Copyright: Koopmann, Hoffschroer, Arens, Schiwy
Vier Kandidaten, ein Ziel: Dirk Koopmann (von links), Dr. Michael Hoffschroer, Philipp Hannöver und Lukas Reinken wollen Direktkandidat der CDU bei der Landtagswahl werden. Copyright: Koopmann, Hoffschroer, Arens, Schiwy
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Nach gut 19 Jahren in Niedersachsens Landtag tritt Karl-Heinz Bley bei der Wahl im Herbst 2022 nicht mehr an. Vier Nachfolger rangeln um die Gunst der CDU bei der Kandidatur fürs Kabinett in Hannover.

Nordkreis Cloppenburg - Karl-Heinz Bley, der aktuelle CDU-Landtagsabgeordnete des Wahlkreises 66 Cloppenburg-Nord, wird im Oktober nicht wieder zur Wahl antreten. Um seine Nachfolge bewerben sich vier Kandidaten. Bei einer digitalen Vorstellungsrunde stellten sich jetzt Philipp Hannöver, Michael Hoffschroer, Dirk Koopmann und Lukas Reinken den Fragen von 45 Parteimitgliedern. Nach kurzen Vorstellungen gab es eine Entweder-Oder-Fragerunde. Alle vier waren sich einig, dass sie Bier und Schützenfest den Alternativen Wein und Kirmes vorziehen würden. Die Frage nach „rot oder grün“ sorgte für Schmunzeln, den Zuhörern gefiel der aufgelockerte Start. Danach wurde der digitale Austausch politischer.

Das Thema Landwirtschaft bestimmte die Fragen der CDU-Mitglieder. Da ging es um bio oder konventionelle Landwirtschaft und um etwaige Hilfen für Landwirte. Auch über Fotovoltaik-Anlagen auf landwirtschaftlichen Flächen wurde diskutiert. Die Antworten der Kandidaten unterschieden sich meist nur marginal. Außerdem interessierte die Meinung der Bewerber zu Straßenbaubeiträgen und Geruchsemissionen in Baugebieten. Wichtig schien den Zuhörern auch, ob ihr künftiger Vertreter im Wahlkreis lebt. Philipp Hannöver, der in Vechta wohnt, will im Falle einer Wahl umziehen. Michael Hoffschroer erklärte, dass er vorhabe, in Cloppenburg zu bleiben. Dirk Koopmann (Garrel) und Lukas Reinken (Friesoythe) leben bereits im Wahlkreis.

Region vor Herausforderungen

Reinken ist mit 26 Jahren der jüngste Bewerber. Er studierte BWL in Vechta, Osnabrück und Singapur und arbeitet in der Lebensmittelbranche. Seine Motivation für die Kandidatur fasst er in zwei Sätzen zusammen. „Wir stehen als Region vor vielen Herausforderungen, die innovative und moderne Lösungen verlangen“, sagt er. Und: „Ich finde, junge Menschen sollten in Hannover unser Land gestalten.“

Neben der medizinischen Versorgung und der Digitalisierung ist die Wirtschaftsförderung einer der Schwerpunkte des Betriebswirts. „Die Unternehmen wollen innovativ arbeiten, werden aber oft durch Bürokratie gehemmt“, sagt er. Das gelte insbesondere für neue, kleine Unternehmen. „Da müssen wir über eine Art ‚Welpenschutz‘ nachdenken, damit die den Kopf freihaben und sich darauf konzentrieren können, Arbeitsplätze schaffen und Innovationen voranzubringen“, sagt Reinken.

Sprachrohr für den Mittelstand

Damit liegt er auf einer Linie mit Dr. Michael Hoffschroer (50). Der Wirtschaftspädagoge ist Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Cloppenburg und will in Hannover ein Sprachrohr für die Region, für Familien und den Mittelstand sein. Das mittelständische Unternehmertum „spielt in der Region eine große Rolle“, sagt er. Trotz einer niedrigen Akademikerquote gebe es hier einen stabilen Arbeitsmarkt. „Diese Stärke dürfen wir uns nicht kaputt reden lassen.“

Hoffschroer bedauert, dass seine positive Sichtweise auf die Region in Hannover kaum Widerhall finde. „Die dort entwickelten Förderprogramme entstehen oft unter einem DefizitGedanken“, kritisiert er. Man orientiere sich an Großstädten und weniger an den Stärken des ländlichen Raumes. Und zu denen gehöre nun mal ein starker, handwerklich und landwirtschaftlich geprägter Mittelstand.

Fachkräftemangel ein Thema

Mit dem Handwerk kennt sich auch Dirk Koopmann aus. Der 40-jährige Automobilkaufmann hat Ausbildungen als Radio- und Fernsehtechniker und als Kaufmann absolviert. Er beschreibt sich selbst als den einzigen der vier Kandidaten, „der nicht studiert hat“. Ihn treibt, neben der medizinischen Versorgung und der Agrarpolitik, vor allem der Fachkräftemangel um.

„Ich bin ein Verfechter der betrieblichen Ausbildung, die gestärkt werden muss“, sagt er. Schließlich stünden den jungen Leuten nach einer abgeschlossenen Ausbildung alle Türen offen, Studium inklusive. Nur: „Was nützen uns neue Medizinstudienplätze in Oldenburg, wenn es am Ende keine Krankenpfleger mehr gibt“, sagt er. Als Teamplayer wolle er gemeinsam mit Anderen „für die Region das beste rausholen“.

Schwerpunkt Digitalisierung

Philipp Hannöver schließlich kennt den großen politischen Betrieb bereits von innen. Nach seinem Medienmanagement-Studium in Hamburg und London arbeitete der 27-Jährige als Referent im Bundestag, kehrte Berlin dann aber den Rücken, um in der Region „mein eigenes Ding“ zu machen. Heute ist Hannöver geschäftsführender Gesellschafter eines Digitalunternehmens in Vechta.

Digitalisierung, Wirtschaftspolitik und Landwirtschaft sind seine Schwerpunkte. „Ich arbeite zweimal pro Woche auf dem Hof“, sagt der Unternehmer. „Und ich glaube, die Leute wollen Politiker, die noch einen Bezug zur Realität haben.“ Planbarkeit für die Landwirte ist eine seiner Forderungen, mehr Digitalkompetenz für Lehrkräfte eine andere. Und nicht zuletzt wünscht er sich eine Förderkulisse für Start-ups, die weniger an Produkten als an Dienstleistungen und Plattformen orientiert ist.

26. Februar Urwahl in Friesoythe

Am Samstag, 26. Februar, fällt bei der Urwahl im Friesoyther Forum am Hansaplatz die Entscheidung über den Direktkandidaten. 1539 stimmberechtigte CDU-Mitglieder gibt es im Wahlkreis, zu dem Barßel, Bösel, Friesoythe, Garrel und Saterland ebenso gehören wie Wildeshausen und Großenkneten im Landkreis Oldenburg.

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