Gastronomie

Syrischer Flüchtling eröffnet Pizzeria in Ostrhauderfehn

| | 18.02.2022 14:03 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der gebürtige Syrer Wael Ahmad hat vor wenigen Tagen den Imbiss „Seven Pizza“ an der Hauptstraße in Ostrhauderfehn eröffnet. Foto: Zein
Der gebürtige Syrer Wael Ahmad hat vor wenigen Tagen den Imbiss „Seven Pizza“ an der Hauptstraße in Ostrhauderfehn eröffnet. Foto: Zein
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An der Hauptstraße in Ostrhauderfehn gibt es einen neuen Imbiss. Der Flüchtling Wael Ahmad hat dort eine Pizzeria eröffnet. In seiner syrischen Heimat hat der 36-Jährige noch etwas ganz anderes gemacht.

Ostrhauderfehn - Vor sieben Jahren ist Wael Ahmad aus der Nähe von Aleppo in Syrien vor den Kriegszuständen in seinem Land geflohen. Auf sich allein gestellt und ohne seine Familie erreichte er nach 45 Tagen Flucht Deutschland, genauer gesagt Ostfriesland. Ahmad kam zunächst in einer Wohnung in Collinghorst unter, mittlerweile lebt der 36-Jährige am Rajen in Westrhauderfehn. Er ist ein Beispiel für gelungene Integration und hat sich vor wenigen Tagen selbstständig gemacht. An der Hauptstraße in Ostrhauderfehn eröffnete er die Pizzeria „Seven Pizza“.

Vor seiner Flucht hat Ahmad in Syrien als Arabisch-Lehrer gearbeitet, in Deutschland war er zuletzt als Auto-Aufbereiter und Leer und Papenburg tätig. Doch woher kommt sein Faible für das Kochen? „Ich habe früher in meiner Heimat hobbymäßig gekocht und einem Freund geholfen, der dort ein Restaurant hatte“, berichtet Ahmad über seine Leidenschaft, die er jetzt zu seinem Beruf gemacht hat.

Die Sieben als Lieblingszahl

Gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Abbas Harb aus dem Libanon, den er in Rhauderfehn kennengelernt hat, betreibt er die Pizzeria „Seven Pizza“ (auf Deutsch: Sieben Pizzen). „Meine Lieblingszahl ist die Sieben, daher der Name“, so der gebürtige Syrer, der sich rund zwei Jahren lang nach einem passenden Ladenlokal umgesehen hat. Schließlich wurde er an der Hauptstraße in Ostrhauderfehn fündig. Dort gab es in der Vergangenheit schon viele verschiedene Anbieter von Speisen. Bis vor etwa 15 Jahren war dort Monis Schnitzelparadies. Es folgten der Imbiss zum dicken Claus, ab März 2014 Hottes Ruhrpott-Imbiss und bis vor zwei Jahren Carmens Ruhrpott-Imbiss. Zuletzt standen die Räumlichkeiten aber leer.

Die deutsche Sprache hat Ahmad in einem sechsmonatigen Kurs an der Volkshochschule in Leer gelernt. Seit zwei Monaten hat der 36-Jährige auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Diese erleichtert es ihm unter anderem, seine Brüder in der Türkei und im Libanon zu besuchen. In Syrien, wo seine Mutter noch lebt, war er seit seiner Flucht nicht mehr. Ahmad ist begeistert von der Gastfreundschaft in Ostfriesland. „Die Menschen hier sind sehr freundlich und zuvorkommend“, so Ahmad. Auch die ersten Tage seiner Pizzeria seien positiv verlaufen.

Entlang der Hauptstraße in Ostrhauderfehn befinden sich viele Imbisse. Einige sind mittlerweile aber bereits wieder geschlossen. Grafik: Reil
Entlang der Hauptstraße in Ostrhauderfehn befinden sich viele Imbisse. Einige sind mittlerweile aber bereits wieder geschlossen. Grafik: Reil

„Freue mich, dass der Leerstand beseitigt ist“

Auch Ostrhauderfehns Bürgermeister Günter Harders ist froh über die Neuansiedlung. „Ich freue mich darüber, dass wieder ein Betreib einzieht und der Leerstand somit beseitigt ist. Ein weiterer gastronomischer Betrieb bereichert unseren Ort auf jeden Fall - zumal es kein weiterer ist, sondern nur ein vorhandener Imbiss neu eröffnet wird.“

Dass die Hauptstraße häufig als „Dönermeile“ bezeichnet wird, kann der Verwaltungschef überhaupt nicht nachvollziehen. „Ich finde das absolut nicht gerechtfertigt. Es gibt eine große Vielfalt an Speisen entlang der Hauptstraße und das ist auch gut so. Wenn man sich die Auslastung der Betriebe anschaut, scheint es auch absolut nicht zu viel zu sein, denn sie haben alle gut zu tun.“ Außerdem regele sich der Markt von ganz alleine. „Wenn es zu viel werden sollte, wird automatisch der ein oder andere Betrieb schließen müssen“, so Harders.

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