Verkehr

Halten bald wieder Personenzüge in Barßel und Saterland?

| | 14.02.2022 16:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der ehemalige Bahnhof in Scharrel. Dort könnte wieder ein Haltepunkt entstehen. Foto: Kruse
Der ehemalige Bahnhof in Scharrel. Dort könnte wieder ein Haltepunkt entstehen. Foto: Kruse
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Pläne für eine Reaktivierung der Bahnstrecke von Cloppenburg über Friesoythe, Saterland und Barßel ins Ammerland werden konkreter. Es liegt eine Machbarkeitsstudie für den Personenverkehr vor.

Region/Saterland/Barßel - Über die einspurige Bahnstrecke zwischen Sedelsberg und Ocholt rollen in der Woche täglich wenige Güterzüge der Emsländischen Eisenbahn. Gelegentlich verkehren dort auch die Züge der Museumseisenbahn Ammerland-Barßel-Saterland. Diese Strecke ist ein Rest der ehemaligen Verbindung Cloppenburg – Friesoythe – Sedelsberg – Westerstede – Ellenserdamm (bei Wilhelmshaven), die 1973 mit dem Abbau einer Brücke über den Küstenkanal geteilt wurde. Seit Jahren gibt es Pläne, die Gesamtstrecke für den Personen- und Güterverkehr zu reaktivieren. Die Pläne werden nun konkreter.

Für das Millionen-Projekt liegt eine Machbarkeitsstudie der Technischen Universität Braunschweig vor. Sie wurde kürzlich dem Kreisverkehrsausschuss in Cloppenburg vorgestellt. In den Rathäusern in Barßel und Saterland werden die Pläne grundsätzlich begrüßt.

Bahnhof wäre ein Standortvorteil

„Natürlich freut uns, dass es geprüft wird, welche Möglichkeiten es gibt“, sagt Nils Anhuth, Bürgermeister der Gemeinde Barßel. Mit der Machbarkeitsstudie sei ein weiterer, kleiner Schritt für die Reaktivierung der Bahnstrecke geschaffen worden. „Wenn direkt aus dem Ort Züge fahren, ist das sicher ein Standortvorteil und Gewinn für alle“, so Anhuth. „Wir sind aber auch schon gut aufgestellt“, so der Bürgermeister mit Verweis auf zwei Buslinien. Es gebe also direkte Verbindungen im Personennahverkehr in die Kreisstadt Cloppenburg sowie zu den Bahnhöfen Augustfehn und Ocholt im Ammerland.

„Ambitionierte, aber sinnvolle Investition“

Saterlands Bürgermeister Thomas Otto begrüßt die Pläne ebenfalls. „Die vorhandene Strecke nun auch für eine regelmäßige Nutzung für den Personennahverkehr in Richtung Oldenburg, aber über Ocholt auch Richtung Leer wieder in den Blick zu nehmen, wird seitens der Gemeinde Saterland sehr begrüßt“, sagte Otto. „Um hier entsprechend attraktive und konkurrenzfähige Fahrzeiten erzielen zu können, werden aber größere Investitionen sowohl in Schienen- und Kreuzungssicherungsanlagen sowie auch entsprechende Haltpunkte notwendig werden. Eine aus meiner persönlichen Sicht zwar ambitionierte, aber sinnvolle und zukunftsorientierte Investition, die aber ohne erheblichste Kostenübernahme durch Landes- oder gar Bundesmittel auf kommunaler Ebene nicht leistbar sein wird“, so der Saterländer Bürgermeister.

Zudem müsste mit einer verstärkten Nutzung der Strecke in einigen Bereichen aufgrund einer an die Streckenführung herangerückten Wohnbebauung sicher auch derzeit nicht einkalkulierte Lärmschutzmaßnahmen in einer Kostenberechnung mitbetrachtet werden. Wünschenswert wäre aus der Sicht der Gemeinde Saterland auch die Querung des Küstenkanals, um den Industrie- und Gewerbepark C-Port an die Schiene anbinden zu können.

Eine Reaktivierung der alten Streckenführung, die eine durchgängige Anbindung der Gemeinde Saterland an die Kreisstadt Cloppenburg bieten würde, würde zwar ebenfalls begrüßt. Otto hält sie aber auf der alten Trasse für nicht umsetzbar. „Die baulichen Bedingungen in unserer Nachbarstadt Friesoythe haben sich in den vergangenen 50 Jahren erheblich verändert, so dass dann auch eine Trassenführung moderner gedacht und an die aktuelle Stadtplanung angepasst werden muss. Das wäre dann in einem zweiten Schritt eine Option und sollte nun aber nicht davon abhalten, die erarbeitete Studie für die Teilstrecken genauer zu beleuchten.“

Das alte Bahnhofsgebäude in Ramsloh: Dort könnte eine Haltestation bei Reaktivierung der Strecke für Personenzüge sein. Foto: Kruse
Das alte Bahnhofsgebäude in Ramsloh: Dort könnte eine Haltestation bei Reaktivierung der Strecke für Personenzüge sein. Foto: Kruse

Mehr als 50 Millionen Euro

Das Team der Technischen Universität Braunschweig hat für die Reaktivierung der Strecke zwischen Cloppenburg und Friesoythe Kosten in Höhe zwischen 22,5 und 23,5 Millionen Euro kalkuliert. Hinzu kämen Betriebskosten von bis zu 1,4 Millionen Euro jährlich.

Für den Abschnitt von Sedelsberg nach Ocholt wird je nach Ausbau mit Kosten in Höhe von bis zu 28,6 Millionen Euro gerechnet. Haltestellen könnten beispielsweise in Barßel, Elisabethfehn, Ramsloh und Scharrel liegen.

In einem nächsten Schritt soll unter anderem eine Nutzen-Kosten-Untersuchung erstellt werden.

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