Regionalkultur
Anfängerkursus für Saterfriesisch
Veronika Pugge stammt aus einer Familie, in der Saterfriesisch Tradition hat. Sie spricht Seeltersk nicht nur mit ihrem Baby, sondern möchte es jedem beibringen, der Lust hat, die Sprache zu lernen.
Scharrel - „Wollt du ok wät fertelle, mien litje Muus?“, wendet sich die 31-jährige Veronika Pugge aus Scharrel zärtlich an ihre Tochter Karolina. Die Kleine ist knapp fünf Monate alt, sitzt kuschelig bei ihrer Mama im Tragetuch und verfolgt aufmerksam das Geschehen. Was Karolina noch nicht weiß, ihrer Mutter aber sehr bewusst ist: Das kleine Mädchen ist eines der wenigen, vermutlich eines der letzten Kinder, das noch von Haus aus mit der saterfriesischen Sprache aufwächst.
Der Saterfriesisch-Kursus von Veronika Pugge startet am 9. März und läuft acht Abende lang immer mittwochs von 20 bis 22 Uhr im Seelterfräiske Kulturhuus in Scharrel. Die Teilnehmerzahl ist auf zehn beschränkt. Im Herbst soll ein zweiter Anfängerkurs laufen. Veronika Pugge denkt zudem über einen Fortgeschrittenen-Kursus nach für alle, die nach dem Grundkurs dabeibleiben möchten und sich auf Saterfriesisch unterhalten wollen. Die Teilnahme ist kostenlos. Das Online-Wörterbuch von Professor Marron C. Fort steht als App zur Verfügung. Anmeldungen nimmt der Saterfriesisch-Beauftragte Henk Wolf entgegen. Montags und dienstags ist er im Rathaus in Ramsloh erreichbar, auch telefonisch unter 04498/940100. Per Mail anmelden kann man sich unter wolf@saterland.de.Der Kurs
Veronika Pugge ist eine geborene Pörschke. Sie stammt aus einer Familie von Saterfriesen, die viel Bewusstsein für die angestammte Sprache ihrer Heimat hatte und hat. Ihr Vater Heinrich Pörschke wurde kürzlich vom Saterländer Heimatverein, dem Seelter Buund, dessen Vorsitz er von 1992 bis 2017 führte, zum Eeren-Boas ernannt. Veronikas 2016 verstorbene Großmutter Adelheid Pörschke lehrte Saterfriesisch an Schulen und Kindergärten und gab Germanistik-Studierenden an der Universität Oldenburg Kurse in der Minderheitensprache.
Saterfriesisch als Muttersprache
„Ich bin mit Seeltersk großgeworden und kann sagen, dass es tatsächlich meine Muttersprache ist“, erzählt Veronika Pugge. Sie habe Saterfriesisch gesprochen, bevor sie Hochdeutsch lernte. Ihr sei immer klar gewesen, dass sie, wenn sie selbst Kinder bekäme, diese mit Saterfriesisch großziehen würde. Nun ist Karolina auf der Welt.
Ihre Mutter spricht mit ihr Seeltersk, ihr Vater, Sebastian Pugge, Hochdeutsch. Aber auch er verstehe Saterfriesisch mittlerweile ganz gut, lobt seine Frau. Er findet es ebenfalls eine schöne Sprache und freut sich, dass seine Tochter sie lernt.
Saterfriesisch-Kursus geplant
Saterfriesisch eine Sprache, die nur noch von sehr wenigen Menschen beherrscht und benutzt wird. Mit etwa 2500 aktiven Sprechern ist das Saterland eine der kleinsten Sprachinseln Europas. Deshalb möchte Veronika Pugge nicht nur ihrer Tochter das Saterfriesische näherbringen, sondern jedem, der sich dafür interessiert. Sie gibt einen Sprachkursus für Anfänger. Das kostenlose Angebot beginnt am Mittwoch, 9. März, im ehemaligen Scharreler Bahnhof, dem heutigen Seelterfräiske Kulturhuus. Um 20 Uhr geht es los.
Der Kursus richtet sich ausdrücklich an alle, auch komplette Laien, ermuntert Pugge. Sie möchte auch gern jüngere Menschen mit ihrem Angebot ansprechen. Ihre Idee ist, dass die Teilnehmer anschließend kurze Unterhaltungen auf Saterfriesisch führen können. „Ich möchte den Leuten die Hemmungen nehmen, Seeltersk zu sprechen“, erklärt die gelernte Krankenschwester.
Ein Schatz zum Weitergeben
Als Jugendliche sei sie durchaus gelegentlich genervt gewesen von den Studenten und Journalisten, die in ihrem Elternhaus wegen der Minderheitensprache ein und aus gingen und alle drei Kinder ständig aufgefordert hätten: „Nun sagt doch mal etwas auf Saterfriesisch!“
Doch als Erwachsene sei ihr bewusst geworden, sagt Veronika Pugge, welchen Schatz sie mit ihrer Sprachkenntnis besitzt und weitergeben kann. So setzt sie die Unterrichts-Tradition ihrer Großmutter Adelheid Pörschke fort und greift dabei gern auf deren Unterlagen zurück.
Bewegung der Zunge über Jahrhunderte
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Online-Grammatik des Saterfriesischen erschienen
Saterfriesisch - lebendiger als gedacht