Glauben
Katholische Kirche reagiert mit Reform auf Austritte
Ein massiver Veränderungsprozess beschäftigt die katholische Kirche. Im Oldenburger Land werden große pastorale Räume mit vielen Gemeinden geschaffen. Was passiert mit den Kirchengebäuden?
Saterland/Barßel/Region - Die katholische Kirche kommt aktuell nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Doch nicht erst seit den jüngsten öffentlich gewordenen Missbrauchsskandalen sinkt auch im Oldenburger Münsterland die Zahl der Katholiken gemessen an der Bevölkerung.
Dabei wird die Region in der Außenwahrnehmung auch heute noch als rein katholisch geprägt wahrgenommen. Doch das ist so nicht mehr zutreffend, auch wenn die katholischen Christen immer noch die größte Gruppe in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta bilden. Aber so ist beispielsweise auch in der Gemeinde Saterland ihr Anteil an der Gesamteinwohnerzahl inzwischen auf unter 50 Prozent gesunken, wie Bürgermeister Thomas Otto bestätigte.
Vielfältige Ursachen
„Festzustellen ist ein Rückgang der Mitgliederzahlen, der vielfältige Ursachen hat“, teilt Christian Gerdes mit. Der Jurist ist beim Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta in der Fachstelle Kirchenrecht tätig. Als Gründe führt er das Verhältnis von Taufen zu Sterbefällen unter Katholiken, eine abnehmende kirchliche Bindung/Glaubensschwund und einen Anstieg der Kirchenaustritte an. Ob auch die Corona-Pandemie eine Ursache für einen Rückgang der Zahlen darstelle, vermag der Jurist nicht zu beurteilen.
Das Bistum Münster reagiert auf jeden Fall mit einer Weiterentwicklung der pastoralen Strukturen auf einen massiven Veränderungsprozess, der auch den Offizialatsbezirk Oldenburg betrifft. Betroffen sind davon mehr als 111.000 Christen in der Region.
Keine weitere Zusammenlegung von Pfarreien
Gründe für die Weiterentwicklung der pastoralen Strukturen seien Veränderungen in der religiösen Einstellung und der Bindung an die Kirche, ein Rückgang im Bereich des pastoralen Personals und auch Rückgänge im Bereich der wirtschaftlichen Ressourcen. Bischof Dr. Felix Genn sagt dazu: „Wir müssen die pastoralen Strukturen so gestalten, dass die Verkündigung der Frohen Botschaft unter in Zukunft deutlich veränderten Rahmenbedingungen weiter gut möglich sein wird.“
Vor diesem Hintergrund habe Bischof Dr. Genn entschieden, dass es einerseits keine weiteren Zusammenlegungen von Pfarreien geben werde, andererseits aber durch die Entwicklung von pastoralen Räumen die pastorale Arbeit in der Fläche so weit wie möglich gewährleistet bleiben solle, also in Pfarreien und Gemeinden, in Einrichtungen, Institutionen und Verbänden. Das erfordere aber die Bildung größerer Teams von Haupt- und Ehrenamtlichen, dessen Mitglieder kooperieren und ressourcenorientiert arbeiten sowie ein verstärktes Freiwilligenengagement.
Pastoraler Raum
Für den Bereich Nordkreis Cloppenburg und das Ammerland ist nunmehr ein solcher pastoraler Raum in den Dekanaten vorgeschlagen worden. Er umfasst die Kirchengemeinden Bad Zwischenahn und Westerstede im Ammerland sowie Barßel, Saterland, Friesoythe, Bösel und Garrel im Kreis Cloppenburg.
In diesem Jahr wird es zu dem Vorschlag Gespräche und Infoveranstaltungen in den Pfarreien geben. Georg Pugge, Vorsitzender des Pfarreirats der Gemeinde St. Jakobus Saterland, bezeichnete den Prozess als „faire Sache“, weil dadurch die Änderungen, anders als bei der umstrittenen Kirchenfusion im Saterland, „nicht übergestülpt, sondern öffentlich erörtert und besprochen“ werden.
Was passiert mit den Kirchen?
Die Offizialatsleitung werde alle Pfarreien im Oldenburger Land besuchen und darüber ins Gespräch kommen, versicherte Gerdes. Der Vorschlag der Bildung der Pastoralen Räume sei unter Berücksichtigung des Gesprächsprozesses offen auf Veränderung hin. Gerdes: Die Entscheidungsphase folgt im Frühjahr 2023.
Übrigens betreffe die Errichtung eines pastoralen Raumes nicht den Bereich der Immobilien, teilte Gerdes mit. Entweihung von Kirchen etwa seinen derzeit kein Thema.