Natur

Für den Klimaschutz: Landwirt errichtet Hochmoor-Fläche

| | 14.01.2022 12:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Ramsloher Landwirt Gerhard Block will auf einer Grünlandfläche an der Russenstraße in Flachsmeer ein Hochmoor entstehen lassen. Fotos: Zein
Der Ramsloher Landwirt Gerhard Block will auf einer Grünlandfläche an der Russenstraße in Flachsmeer ein Hochmoor entstehen lassen. Fotos: Zein
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Auf einer Fläche an der Russenstraße in Flachsmeer will Landwirt Gerhard Block ein Hochmoor-Gebiet errichten. Der Ramsloher erklärt, warum er das macht und was er damit erreichen will.

Flachsmeer/Ramsloh - An der Russenstraße in Flachsmeer hat vor wenigen Wochen ein Pilot-Projekt zum Thema Umwelt- und Klimaschutz begonnen: Der Ramsloher Landwirt Gerhard Block möchte auf einer 13,5 Hektar großen Grünlandfläche ein Hochmoor entstehen lassen. Um dies zu ermöglichen, arbeitet der 61-Jährige mit einem Planungsbüro aus Nordrhein-Westfalen zusammen, das ihn bei seinem Vorhaben berät.

Block erklärt: „Die Idee dazu kam mir schon vor einigen Jahren. Denn schon lange ist bekannt, dass landwirtschaftlich bewirtschaftete Moorflächen große Mengen an Treibhausgasen freisetzen.“ Dies könne nur verhindert werden, wenn die trockenen Moorflächen wiedervernässt werden - so wie es jetzt auch an der Russenstraße passieren soll. Das Ziel: In der Klimabilanz soll diese Fläche zum Absenken der Treibhausgase führen und sich damit „kühlend“ auf das Klima auswirken.

Um dies zu ermöglichen, soll zunächst von der Fläche der nährstoffreiche und mit dem Samen und Wurzeln des Grünlands vermischte landwirtschaftliche Oberboden abgetragen werden. Damit soll bereits in den nächsten Tagen angefangen werden. Im Frühjahr, wenn es dann trocken ist, soll der restliche Oberboden abgetragen werden Das Material soll möglichst für die Verwallungen auf der Fläche selbst genutzt werden. „Für die Planung gilt der Grundsatz: so wenig Abtrag wie möglich, aber so viel wie nötig“, so Block. Die Fläche sehe dann schnell wie ein Mooracker oder eine Torfabbaufläche aus.

Auf dieser Fläche an der Russenstraße in Flachsmeer soll das Hochmoor-Projekt entstehen. Grafik: Reil
Auf dieser Fläche an der Russenstraße in Flachsmeer soll das Hochmoor-Projekt entstehen. Grafik: Reil

Torfmoosen sollen angesiedelt werden

In den einzelnen Abschnitten sollen dann Torfmoose angesiedelt werden, damit sich dort eine Moorvegetation entwickeln kann. „Ich beginne damit zunächst auf einem 2,5 Hektar großen Teilstück“, sagt der Saterländer. Sollte es aufgrund des Klimawandels im Sommer zu trocken sein, müsse er dort in der Startphase der Torfmoose mit einer Wasserversorgung nachhelfen. Dann soll eine 25 Tonnen CO₂-Äquivalente (CO2e) pro Hektar und Jahr vermieden werden. Zur Erklärung: CO₂-Äquivalente geben die Klimawirkung der unterschiedlichen Treibhausgase an. Die Wirkung der Treibhausgase werden mit der Wirkung von Kohlendioxid verglichen. Deshalb werden diese Vergleichswerte CO₂-Äquivalente genannt. „Mit dem Projekt möchte ich einen praktischen Beitrag für den Klimaschutz in die Tat umsetzen“, berichtet Block.

Wenn das Projekt in einigen Jahren abgeschlossen sein wird, dann will Block dieses vermiedene CO₂ Firmen anbieten. „Sie könnten dies dann finanziell erwerben, um ihre Öko-Bilanz aufzubessern“, sagt der 61-Jährige. Der Hintergrund: Viele Unternehmen wollen ihren ökologischen Fußabdruck verbessern – teils aus Idealismus oder weil ihre Kunden immer mehr Wert auf Nachhaltigkeit legen. Die Fläche selbst wird Block aber nicht verkaufen oder verpachten. „Die bleibt in meinem Eigentum“, so der Saterländer.

Unterstützung von einem Planungsbüro

Block arbeitet bei seinem Moor-Klima-Projekt mit dem Planungsbüro Hofer und Pautz in Altenberge in Nordrhein-Westfalen zusammen. Dieses hat sich auf die Gebiete Landschaftsplanung und Ökologie spezialisiert. Geschäftsleiter Bernd Hofer erklärt: „Wir haben für dieses Projekt zunächst die Grundlagen geschaffen, damit es vom Bauamt des Landkreis Leer genehmigt werden konnte.“ Dies sei im Oktober vergangenen Jahres geschehen. Auch bei den weiteren Schritten werde das Planungsbüro nun Gerhard Block begleiten.

Gerhard Block erklärt dem Naturschützer Karl-Heinz-Augustin (links) sein Hochmoor-Projekt.
Gerhard Block erklärt dem Naturschützer Karl-Heinz-Augustin (links) sein Hochmoor-Projekt.

Ein großes Lob erhält Block auch von Karl-Heinz-Augustin. Der Völlenerkönigsfehner ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Naturschutz für das südliche Ostfriesland und nördliche Emsland, in der mehrere Umweltverbände vertreten sind. „Es ist schön, dass hier in diesem Gebiet wieder mehr für den Umweltschutz gemacht wird“, so Augustin. Er habe dort vor etwa 30 Jahren eine Kartierung vorgenommen. „Damals lebten hier 35 Uferschnepfen. Heute ist kaum noch eine da. Auch Kiebitze gab es früher viel mehr“, so der Westoverledinger. Er fordert, dass der Natur wieder mehr Lebensraum gegeben wird. Und genau das möchte Gerhard Block mit seinem Hochmoor-Projekt jetzt verwirklichen.

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